Politik
Die Pilotanlage in Spremberg.
Die Pilotanlage in Spremberg.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 12. April 2011

Bürger befürchten Gaswolken: CO2-Speicherung kommt

Schwarz-Gelb ist sich offenbar in der Frage der unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid einig. Nachdem den Bundesländern ein Vetorecht eingeräumt wurde, will die Bundesregierung morgen ein CCS-Gesetz verabschieden. Ob das Verfahren massentauglich sein wird, steht noch in den Sternen.

Nach monatelangem Streit hat sich die Bundesregierung auf ein Gesetz zur unterirdischen Speicherung des Klimakillers Kohlendioxid (CO2) geeinigt. Das sogenannte CCS-Gesetz - ein wichtiger Baustein der schwarz-gelben Energiewende - soll an diesem Mittwoch im Kabinett beschlossen werden.

Der Weg für einen Kompromiss ist frei, weil Wirtschaftsminister Rainer Brüderle und Umweltminister Norbert Röttgen Bedenken der Länder ausräumen konnten. Diese setzten in zähen Verhandlungen eine "Länderklausel" durch: In dem Entwurf wird ihnen zugestanden, unterirdische CO2-Endlager in ihrem Bereich verhindern zu können.

Angst vor Gaswolken

Ob das CCS-Verfahren auf lange Sicht einen Durchbruch zur grünen Stromgewinnung aus Kohle ermöglicht, ist auch unter Experten höchst umstritten. Auch Bürgerinitiativen wehren sich gegen die CCS-Speicher, weil sie Angst vor aufsteigendem Gas haben: Umweltschützer und Anwohner befürchten ein unkontrolliertes Entweichen. Die Bundesregierung steht unter Zeitdruck. Die EU-Kommission verlangt, dass bis Ende Juni das CCS-Gesetz in Kraft und EU-Recht umgesetzt sein muss.

In Brandeburg erprobt Vattenfall das Verfahren.
In Brandeburg erprobt Vattenfall das Verfahren.(Foto: dpa)

Bei der Auswahl von Standorten seien neben energie- und industriebezogenen Kriterien auch geologischen Besonderheiten und andere öffentliche Interessen abzuwägen, heißt es in dem Entwurf. In einer Studie hatte die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) bundesweit über 400 potenzielle Speicher-Orte mit günstigen Gesteinsschichten aufgelistet.

Bei der CCS-Technik (Carbon Dioxide Capture and Storage) wird das beim Verbrennen der Kohle entstehende Treibhausgas CO2 abgetrennt und unter die Erde verpresst. Als Lagerstätten kommen bestimmte tiefe Gesteinsschichten oder ehemalige Gasfelder infrage.

Testphase bis 2017

Die Regierung will das CCS-Verfahren bis 2017 erproben lassen. Konkret sieht der Gesetzentwurf von Brüderle und Röttgen Regeln zur Untersuchung geeigneter Böden "sowie zur Errichtung, zum Betrieb sowie zur Stilllegung von Kohlendioxidspeichern" vor.

Das Thema ist seit Jahren umstritten. Schon 2009 war die damalige große Koalition mit einem ersten CCS-Anlauf gescheitert. Hauptwidersacher auf Länderseite ist Schleswig-Holstein. Bisher wendet nur der Energiekonzern Vattenfall in einem Pilotprojekt in Brandenburg die Technik an.

Nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) liegen 408 mögliche Standorte vor allem im norddeutschen Raum unter Hamburg, den Nordseeinseln, in der Region Brandenburg und unter Berlin. Die Umweltorganisation Greenpeace hatte eine Karte der Standorte veröffentlicht. Greenpeace hatte die BGR bereits im Juni 2010 um Auskunft über potenzielle CO2-Endlager gebeten, schreibt die Organisation auf ihrer Website.

Quelle: n-tv.de

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