Politik

Zoff um muslimischen Kandidaten CSU-Chef Söder bedauert Sahins Rückzug

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CSU-Chef und Ministerpräsident von Bayern Markus Söder fordert eine Aufarbeitung des Falls.

(Foto: dpa)

Ein muslimischer deutscher Unternehmer gibt seine Pläne auf, für die CSU als Bürgermeister in einer bayerischen Gemeinde zu kandidieren. Zu groß sei der Widerstand aus der Parteibasis gewesen, sagt er. Parteichef Söder und ein CSU-Ehrenvorsitzender stehen ihm nun bei.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat den Rückzug eines muslimischen CSU-Kandidaten für das Bürgermeisteramt im schwäbischen Wallerstein ausdrücklich bedauert. "Wer sich zu den Grundsätzen der CSU bekannt hat, der sollte auch ein guter Kandidat sein", sagte der CSU-Vorsitzende am Rande der CSU-Klausurtagung im oberbayerischen Seeon. Wer sich so engagiere, habe Respekt und Unterstützung verdient. Er kenne noch keine genauen Hintergründe und habe CSU-Generalsekretär Markus Blume beauftragt, den Vorgang aufzuarbeiten.

Nach Protesten der CSU-Basis hatte am Wochenende ein deutscher Unternehmer muslimischen Glaubens seine Kandidatur für das Bürgermeisteramt zurückgezogen. Der 44-jährige Sener Sahin begründete seine Entscheidung damit, dass es immer wieder um seinen Glauben gegangen sei. Ein Muslim und die Christlich-Soziale Union passten nicht zusammen, hätten Parteimitglieder gesagt. In Bayern finden am 15. März Kommunalwahlen statt.

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Sahin besitzt in Wallerstein einen Maschinenhandel. Er lebt schon immer in der Region.

(Foto: picture alliance/dpa)

Dem Bayerischen Rundfunk sagte der türkischstämmige Unternehmer, die Kritik an ihm habe sich nicht die Qualifikation gedreht, sondern allein um den Einwand, "ein Moslem als Vertreter der Christlich Sozialen Union, das geht doch gar nicht". Der CSU-Ortsvorstand hatte Sahin CSU-Bürgermeisterkandidat vorgeschlagen. Sahin war dem Sender zufolge bisher nicht CSU-Mitglied, wollte aber im Fall seiner für Donnerstag geplanten Kür bei den Christsozialen eintreten.

Theo Waigel: "So etwas darf nicht passieren"

Der CSU-Ehrenvorsitzende Theo Waigel, der auch aus Schwaben stammt, kritisierte seine Parteifreunde aus Wallerstein. "Ich halte es für grundfalsch, einen Kandidaten wegen seines Glaubens auszuschließen, wenn er sich zu unseren Werten bekennt", sagte Waigel der "Augsburger Allgemeinen".

"Gerade in einer Zeit, in der ein Dialog zwischen den Weltreligionen so dringend nötig ist, darf so etwas nicht passieren", sagte Waigel weiter. "Sogar bei den Oberammergauer Passionsspielen dürfen Muslime mitmachen, dann muss das doch in der CSU auch möglich sein."

Schwabens CSU-Bezirkschef Markus Ferber zeigte sich auch empört. "Sener Sahin ist ein cooler Kandidat, bestens integriert im Ort, als Unternehmer, im Sportverein - ein klassischer CSU-Kandidat eben", sagte Ferber der "Augsburger Allgemeinen". Auch mit Blick auf das CSU-Grundsatzprogramm sei es falsch, einen Kandidaten wie Sahin abzulehnen. "Die CSU ist keine Partei von Katholiken und Protestanten, sondern eine werteorientierte Partei - und ein Moslem kann genauso unsere Werte teilen wie ein Christ", sagte Ferber.

Quelle: ntv.de, hul/dpa/AFP