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Drei Parteichefs treten zurück Camerons Triumph verändert Großbritannien

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Klarer Wahlsieger: David Cameron mit Frau Samantha am Morgen nach der Wahl.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Die Köpfe rollen: Gleich drei Parteichefs treten nach der britischen Unterhauswahl zurück. Premier Cameron gelingt dagegen ein überraschend klarer Wahlsieg. Zweiter Gewinner sind die schottischen Nationalisten. Steuert das Land nun auf den "Brexit" zu?

Die britischen Konservativen haben entgegen den Vorhersagen die Wahl zum Unterhaus klar für sich entschieden. Die Partei von Premier David Cameron erhielt mindestens 326 von 650 Sitzen im britischen Parlament. Sieben Wahlkreise sind aktuell noch nicht ausgezählt. Nichtsdestotrotz kann Cameron nun nach fünf Jahren in einer Koalition allein weiterregieren. Für Labour und Liberaldemokraten wurde der Wahltag dagegen zum Debakel. Beide Parteichefs sind inzwischen zurückgetreten.

Da die vier Abgeordneten der nordirischen Partei Sinn Fein ihre Mandate traditionell nicht annehmen, können sich Cameron und seine Tories auf eine deutliche Mehrheit stützen. Befragungen vor der Wahl hatten einen knappen Ausgang zwischen Konservativen und der sozialdemokratischen Labour-Partei prognostiziert.

Labour musste allerdings eine herbe Niederlage hinnehmen, die Partei kam nur auf etwa 230 Sitze, sie verlor mehr als 20. Parteichef Ed Miliband übernahm persönlich die Verantwortung für die Niederlage und trat zurück. "Das ist nicht die Rede, die ich halten wollte", sagte Miliband. Die Partei müsse sich nun erneuern. "Wir sind früher schon zurückgekommen, und diese Partei wird wieder zurückkommen." Zugleich gratulierte er Cameron zu seinem Wahlsieg.

Kommt der "Brexit"?

"Das war eine sehr starke Nacht für die Konservativen", sagte Cameron. Er erklärte den Zusammenhalt des Vereinigten Königreichs zur größten Aufgabe der britischen Regierung für die nächsten fünf Jahre. Zudem hatte er angekündigt, im Falle eines Wahlsiegs spätestens 2017 ein Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der EU abzuhalten. Die politischen wie ökonomischen Folgen eines "Brexit" sind für das Land, aber auch für die Union, bisher nicht abzusehen.

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Ed Miliband hatte einst seinen Bruder David als Parteichef ausgestochen - nun tritt er zurück.

(Foto: REUTERS)

Cameron besuchte noch am späten Mittag mit seiner Frau Samantha das britische Staatsoberhaupt, Königin Elizabeth II., im Buckingham-Palast. Traditionell beauftragt diese den Anführer der stärksten Partei, also Cameron, mit der Bildung einer Regierung. Erst danach wollte Cameron eine öffentliche Erklärung abgeben.

Die Niederlage von Labour ist vor allem auf den Erfolg der schottischen Nationalisten im Norden des Landes zurückzuführen. Die SNP erlangte 56 der 59 zu vergebenen Sitze in Schottland, bisher waren es 6. Besonders spektakulär war der Sieg der 20-jährigen Mhairi Black, die sich gegen den Wahlkampfmanager von Labour, Douglas Alexander durchsetzte. Sie ist damit die jüngste Abgeordnete seit 1667. Unklar ist, ob der Erfolg der SNP den Weg zu einem neuen Unabhängigkeitsreferendum ebnet. Dies könnte vor allem dann kommen, wenn sich Großbritannien von der EU lossagt.

Chef der Rechtspopulisten scheitert

Auch die bisher an der Regierung beteiligten Liberaldemokraten verloren massiv. Von 57 Sitzen in der vergangenen Wahl rutschen sie auf 8. Parteichef Nick Clegg, bisher Vize-Premier, zog die Konsequenzen: "Ich muss die Verantwortung tragen und ich trete als Vorsitzender der Liberaldemokraten zurück", sagte er in London.

Neben Miliband und Clegg trat noch ein dritter Parteichef zurück: Nigel Farage, Chef der rechtspopulistischen Ukip, scheiterte mit seinem Versuch, ins Unterhaus einzuziehen. Für diesen Fall hatte er seinen Rücktritt bereits im Vorfeld angekündigt. "Ich bin ein Mann, der sein Wort hält", sagte er nun.

Insgesamt kam die Ukip auf nur einen Abgeordneten, obwohl die Partei fast 13 Prozent der Stimmen erhielt. Der Europaabgeordnete Farage machte das britische Mehrheitswahlsystem für das schlechte Abschneiden seiner Partei verantwortlich.

Quelle: n-tv.de

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