Politik

Diverse Mordvorwürfe Chodorkowski droht erneute Anklage

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Schon lange im Visier der russischen Justiz: Michail Chodorkowski.

(Foto: picture alliance / dpa)

Michail Chodorkowski ist dem Kreml seit Langem ein Dorn im Auge. Nun buddelt die russische Justiz immer mehr Vorwürfe gegen ihn aus, beschuldigt ihn gleich verschiedener Morde und will einen internationalen Haftbefehl beantragen.

Die russische Justiz beschuldigt den Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski offiziell des Mordes und will ihn anklagen. So soll der im Exil lebende Ex-Ölmanager im Jahr 1998 die Ermordung des Bürgermeisters der sibirischen Stadt Neftejugansk organisiert haben. Zudem wirft das Ermittlungskomitee in Moskau Chodorkowski vor, 1999 einen Anschlag auf einen Manager von einem Öl-Unternehmen in Auftrag gegeben zu haben. Dabei war ein Sicherheitsmann getötet worden. Die "Neue Zürcher Zeitung" berichtet außerdem, dass Russland dem Oppositionellen den Mordversuch an vier weiteren Personen zur Last lege.

Die geplante Anklage stütze sich auf neue Erkenntnisse der Ermittler, heißt es bei der Justiz. Den Angaben des Ermittlungskomitees zufolge soll wegen des Falls auch ein internationaler Haftbefehl gegen Chodorkowski beantragt werden.

Der Fall um den erschossenen Bürgermeister Wladimir Petuchow galt eigentlich als abgeschlossen. Der Funktionär soll damals mit Chodorkowskis Yukos-Konzern im Streit um Steuerzahlungen gelegen haben. Neftejugansk galt als wichtiger Standort von Yukos. Der Fall war im Juni dieses Jahres überraschend wieder aufgenommen worden. Der Grund dafür wurde mit "Bekanntwerden neuer Umstände" begründet.

"Anschuldigungen sind eine Farce"

Chodorkowskis Sprecherin sagte dazu: "Michail Borissowitsch hält die Anschuldigungen für eine Farce." Eine Vorladung der Ermittler in Moskau ignorierte der frühere Besitzer des Ölkonzerns Yukos. Deswegen soll er demnächst zur Fahndung ausgeschrieben werden.

Nach fast zehn Jahren Lagerhaft war Chodorkowski Ende 2013 begnadigt worden. Seitdem lebt der 52-jährige politische Gegner von Präsident Wladimir Putin in der Schweiz.

Der Fall Chodorkowski um den Mord an dem Bürgermeister wurde im Westen als politisch motiviert kritisiert. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte bestätigte dies zwar nicht, bezeichnete die Steuernachforderungen gegen Chodorkowski und dessen Geschäftspartner Platon Lebedew in Höhe von 17 Milliarden Rubel (275 Millionen Euro) jedoch als unbegründet.

Quelle: ntv.de, kpi/dpa

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