Politik

Keine Kündigung wegen Spätfolgen DGB will Corona-Kranke besser schützen

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Beschäftigte sollen wegen einer Corona-Erkrankung keine Angst um ihre Jobs haben, fordert der DGB.

(Foto: imago images/Rene Traut)

Viele Corona-Infizierte leiden an Spätfolgen der Erkrankung. Manche müssen sich dabei auch noch Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen. Um Beschäftigte in dieser schwierigen Situation besser zu schützen, schlägt der Deutsche Gewerkschaftsbund eine Reform vor.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) will Beschäftigte, die an Spätfolgen von Covid-19 leiden, besser vor Kündigungen schützen. Das geht aus einem Positionspapier hervor, das den Zeitungen der Funke Mediengruppe vorliegt. Konkret will der Gewerkschaftsbund dafür das sogenannte betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) reformieren.

"Jede und jeder Beschäftigte verdient, dass sein Arbeitsplatz nach einer schweren Erkrankung erhalten bleibt", sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel den Funke-Zeitungen. "Beschäftigte, die seit Monaten in vorderster Linie bei der Bekämpfung der Pandemie stehen und in den systemrelevanten Berufen unverzichtbare Arbeit leisten, haben ein hohes Risiko, sich mit Covid-19 zu infizieren." Oftmals ginge eine Erkrankung mit länger anhaltenden gesundheitlichen Einschränkungen einher. Daher müsse das betriebliche Eingliederungsmanagement in allen Betrieben Anwendung finden, sodass sich "erkrankte Beschäftigte nicht auch noch zusätzlich Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen müssen", mahnte Piel.

Konkret fordert der DGB in seinem Positionspapier, dass es einen Rechtsanspruch mit qualitativem Mindeststandard auf das BEM geben soll. Wird das Programm nicht durchgeführt, soll eine Kündigung unwirksam sein, fordert der DGB. Zudem solle in diesem Fall das entsprechende Unternehmen mit einer Geldstrafe belegt und der Fall als Ordnungswidrigkeit eingestuft werden.

DGB fordert "Anti-Stress-Verordnung"

Der Arbeitgeber dürfe darüber hinaus keine Einsicht in die im Rahmen des Programms erhobenen Gesundheitsdaten haben. Als qualitative Mindeststandards fordert der DGB medizinischen Sachverstand im Team, das das Programm durchführt, etwa in Form eines Betriebsarztes.

Kleine Unternehmen sollten kostenfrei durch die Rentenversicherung mit Expertise unterstützt werden. Bei schwerbehinderten Beschäftigten brauche es eine zwingende Beteiligung des Integrationsamtes. Zudem braucht es eine "Anti-Stress-Verordnung", heißt es in dem zehnseitigen Papier. Diese solle sich "explizit mit den psychosozialen Risikofaktoren bei der Arbeit auseinandersetzen und klare Vorgaben (…) zum Umgang mit psychischen und sozialen Belastungen sowie der Wiedereingliederung von psychisch erkrankten Beschäftigten" machen.

Seit 2004 ist das betriebliche Eingliederungsmanagement für jeden Beschäftigten, der länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig ist, vorgesehen. Dabei sollen Arbeitgeber, Beschäftigte und weitere Interessensvertretungen, etwa der Betriebsrat oder ein Betriebsarzt, gemeinsame Maßnahmen erarbeiten, wie das Beschäftigungsverhältnis aufrecht erhalten werden könnte. Laut einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin aus dem November 2020 wird das BEM aber weniger als der Hälfte aller potenziell berechtigten Beschäftigten angeboten.

Quelle: ntv.de, uzh