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Ausnahme möglich Krankengeld bei verspäteter Krankmeldung?

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Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung sollte umgehend der Krankenkasse vorgelegt werden.

Wer fortlaufend krankgeschrieben ist, kann Anspruch auf Krankengeld haben. Allerdings gilt dies nur, wenn Arbeitnehmer auch rechtzeitig der Krankenkasse ein Attest vorlegen. Dazu ist ein Arztbesuch nötig. Ist hier partout kein Termin zu haben, kann eine Ausnahme gemacht werden, wie ein Urteil zeigt.

Erkranken gesetzlich Versicherte längerfristig, haben sie ab der siebenten Woche Anspruch auf Krankengeld. Zuvor muss der Arbeitgeber den normalen Lohn weiterzahlen. Dabei hängt die Höhe des Krankengeldes vom Einkommen vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit ab. Es beläuft sich auf 70 Prozent des Bruttogehaltes, maximal werden aber nur 90 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens gezahlt.

Allerdings gilt dies nur, wenn Arbeitnehmer auch rechtzeitig ein Attest vorlegen. Reichen sie die Krankschreibung zu spät bei der Krankenkasse ein, ruht der Anspruch auf Krankengeld. Das Landessozialgericht (LSG) Darmstadt hat nun allerdings entschieden, dass dies nicht immer so sein muss. Demnach darf die gesetzliche Krankenkasse die Zahlung von Krankengeld nicht verweigern, wenn die Arbeitsunfähigkeit nicht lückenlos festgestellt wurde, weil ein Versicherter am nächsten Werktag nach dem Ende der zuletzt festgestellten Arbeitsunfähigkeit aus organisatorischen Gründen von der Arztpraxis auf einen späteren Termin verwiesen wird (Az.: L 1 KR 125/20, L 1 KR 179/20).

"Arzt-Hopping" gesetzlich nicht erwünscht

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Nach Auffassung des LSG muss zwar die Fortdauer der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung spätestens am nächsten Werktag nach dem Ende der zuletzt festgestellten Arbeitsunfähigkeit ärztlich bescheinigt werden. Wenn der Versicherte aber alles in seiner Macht Stehende und ihm Zumutbare getan habe, die ärztliche Bescheinigung zu erhalten, sei ausnahmsweise eine Bescheinigungslücke unschädlich. Ein solcher Ausnahmefall liege vor, wenn der rechtzeitig vereinbarte Termin von der Arztpraxis verschoben worden sei. Gleiches gelte auch dann, wenn die Arztpraxis dem Versicherten nur einen späteren Termin anbiete. Dies sei jedenfalls dann der Fall, wenn der Versicherte bereits am Morgen um einen Termin für den gleichen Tag nachfrage.

Erhalte der Versicherte an diesem Tag keinen rechtzeitigen Arzttermin, so sei ihm nicht zuzumuten, einen anderen Arzt oder gar den ärztlichen Notdienst aufzusuchen. Ein "Arzt-Hopping" sei gesetzlich nicht erwünscht. Ebenso könne von dem Versicherten nicht verlangt werden, dass er sich bereits Tage vorher "auf Vorrat" um einen Arzttermin bemühe, befand das LSG.

Quelle: ntv.de, awi

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