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Aufschlussreiche AOK-Analyse Erzieher erkranken besonders oft an Corona

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Die meisten Krankschreibungen bei AOK-Versicherten gab es von März bis Oktober bei Erziehern und Betreuern von Kindern.

(Foto: imago images/Manngold)

Also doch Schulen und Kindergärten? Die AOK stellt fest, dass Versicherte, die in der Kindererziehung und -betreuung arbeiten, besonders häufig wegen Corona krankgeschrieben werden. Gesundheitsberufe folgen an zweiter Stelle, auch Beschäftigte in der Alten- und Krankenpflege sind stark betroffen.

Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) hat analysiert, welche Berufsgruppen ihrer 13,2 Millionen Versicherten von März bis Oktober dieses Jahres am häufigsten wegen einer Covid-19-Infektion krankgeschrieben wurden.

"Beschäftigtengruppen, die in der Pandemie weiter am Arbeitsplatz präsent sein mussten und nicht ins Homeoffice gehen konnten, sind im bisherigen Verlauf der Pandemie stärker von Covid-19 betroffen", sagt WIdO-Vize-Geschäftsführer Helmut Schröder. "Dies sind insbesondere Berufe mit direktem Kontakt zu anderen Menschen."

Erzieher mehr als doppelt so oft betroffen

Erstaunlicherweise stehen an erster Stelle der Statistik Berufe, die mit der Erziehung und Betreuung von Kindern zu tun haben. Im untersuchten Zeitraum erhielten insgesamt 2672 Beschäftigte in Schulen oder Kindergärten von einem Arzt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Zusammenhang mit einer Corona-Diagnose. Die Berufsgruppe ist damit mehr als 2,2 Mal so häufig betroffen wie der Durchschnitt (1183).

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Die Analyse ist nicht repräsentativ, da sie sich auf AOK-Versicherte beschränkt, außerdem geht sie nicht ins Detail und endet vorerst zu Beginn der zweiten, heftigeren Corona-Welle. Sie ist aber ein Hinweis darauf, dass Kinder möglicherweise ansteckender sind als bisher angenommen wurde. "Im Vergleich zu unserer ersten Auswertung für die Frühphase der Pandemie sind die erzieherischen Berufe nun in der Gesamtschau für März bis Oktober deutlich stärker betroffen. Offenbar wirkt sich hier die Entscheidung der Politik aus, Schulen und Kitas - anders als in der ersten Lockdown-Phase - offenzuhalten", sagt Schröder.

An zweiter und dritter Stelle in der WIdO-Statistik stehen medizinische Fachangestellte und Ergotherapeuten mit 2469 beziehungsweise 2271 Krankschreibungen pro 100.000 Versicherte. Es folgen Berufe in der Haus- und Familienpflege (2213), Heilerziehungspflege und Sonderpädagogik (2115) und zahnmedizinische Fachangestellte (2090).

Starker Anstieg nach Oktober nicht berücksichtigt

Beschäftigte in der Alten- und Krankenpflege waren in einer ersten Analyse im Mai noch die am stärksten von der Pandemie betroffene Berufsgruppe. Jetzt rangieren sie mit 2083 beziehungsweise 2016 Krankschreibungen auf den Plätzen 7 und 8. Hier könnte sich aber angesichts der aktuell zahlreichen Ausbrüche in Senioren- und Pflegeheimen für das gesamte Jahr 2020 die Statistik noch verschieben. Allgemein zählte die AOK im Oktober mit 417 Krankschreibungen je 100.000 Versicherte den bisherigen Höchststand.

Die wenigsten Corona-bedingten Fehlzeiten registrierte die AOK bei Berufen in der Landwirtschaft (274) und in der Nutztierhaltung (340). Wenig überraschend gab es auch kaum Krankschreibungen in Berufen, in denen es Schließungen oder starke Einschränkungen gab. Dazu gehören die Gastronomie (571) oder das Kosmetikgewerbe (605).

Weniger Krankschreibungen im Nordosten

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Frauen waren häufiger (1378) als Männer (1.031) betroffen. Krankmeldungen mit Bezug zu Covid-19 waren unter den jüngeren Beschäftigten bis zu 19 Jahren am häufigsten (1773) und bei den über 60-jährigen Erwerbstätigen am seltensten (900) zu beobachten.

Interessant ist auch ein Blick auf die regionale Verteilung der Krankschreibung, die die Entwicklung der Pandemie in Deutschland deutlich widerspiegelt. Im Oktober war der Nordosten der Republik mit Ausnahme von Berlin noch wesentlich geringer betroffen. In den neuen Bundesländern gab es bis dahin allgemein weniger Krankschreibungen, allerdings zeigten sich bereits erste Hotspots in Sachsen.

Quelle: ntv.de, kwe