Politik

Nur ein Castorzug aus Frankreich Deutschland regelt Atommüll-Rücknahme

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Ein Spezialzug mit Castorbehältern fährt 2020 ins Zwischenlager am AKW Biblis.

(Foto: picture alliance/dpa)

Deutschland muss Atommüll zurücknehmen, der in Wiederaufbereitungsanlagen im Ausland entstanden ist. Nach zähen Verhandlungen mit Frankreich soll die Zahl der Transporte deutlich geringer ausfallen als gedacht. Dafür wird das Nachbarland finanziell entschädigt.

Die Zahl der Rücktransporte von radioaktivem Müll aus deutschen Atomkraftwerken von Frankreich nach Deutschland soll deutlich geringer ausfallen als bisher vorgesehen. Wie die Bundesministerien für Umwelt und Wirtschaft in Berlin mitteilten, sieht eine Einigung mit der französischen Seite vor, dass statt bis zu 17 Atommülltransporten nur noch ein Transport stattfinden soll und zwar bis spätestens 2024.

Die deutschen Kernkraftwerksbetreiber sind verpflichtet, radioaktive Abfälle aus Frankreich zurückzunehmen, die dort bei der Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente entstanden sind. Bislang war von insgesamt 157 Castor-Behältern mit mittelradioaktivem Müll ausgegangen worden, was sich wegen technischer Probleme vermutlich bis in die 2040er Jahre hingezogen hätte.

Stattdessen sollen nun drei bis fünf Castor-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll in das Zwischenlager am Akw-Standort Philippsburg in Baden-Württemberg gebracht werden. Die Menge an Radioaktivität soll dabei insgesamt unverändert bleiben. Zudem sollen der Mitteilung zufolge 30 leere, ausgediente Brennelemente-Transportbehälter zum Zwischenlager Ahaus gebracht werden.

Entschädigung für Frankreich

Um den Mehraufwand für die französische Seite aufgrund der größeren Menge des dort verbleibenden Abfalls auszugleichen, sollen die deutschen Kraftwerksbetreiber sich daran finanziell beteiligen. Dies soll der Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung (KENFO) übernehmen, dessen Kosten hierzulande sich wiederum wegen der geringeren Abfallmenge in Deutschland reduzieren.

"Im Interesse von Rechtssicherheit und Transparenz hat die Bundesregierung dafür eine gesetzliche Ergänzung vorgeschlagen, die dem Bundestag morgen zur Abstimmung vorliegt", hieß es weiter von Seiten der beiden Ministerien. Dies war am Nachmittag Gegenstand von Beratungen der zuständigen Bundestagsausschüsse. Hervorgehoben wurde der große Vorteil, "dass nicht noch über viele Jahre immer wieder Transporte durchgeführt werden müssen".

Die Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl von den Grünen, mahnte mehr Informationen zur Einigung an. Die Bundesregierung müsse "transparent über Entschädigungszahlungen und Auswirkungen auf die Zwischen- und Endlagerung des Mülls aufklären", sagte Kotting-Uhl.

Quelle: ntv.de, mau/AFP/dpa

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