Politik

"Irgendetwas stimmt da nicht" Die paranoide Welt des Donald Trump

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Donald Trump sucht wenige Wochen vor der Präsidentschaftswahl sein Heil in Schuldzuweisungen an das Clinton-Lager.

(Foto: AP)

Feinde, überall Feinde: Wenige Wochen vor der US-Präsidentenwahl wittert Donald Trump eine großangelegte Schmutzkampagne gegen sich. Es ist nicht das erste Mal, dass sich der republikanische Kandidat in Verschwörungstheorien flüchtet.

Er kann es nicht lassen. Wenige Tage vor dem dritten und finalen TV-Duell mit Hillary Clinton hat Donald John Trump eine faire Präsidentschaftswahl angezweifelt und sich damit wieder einmal eines seiner Lieblingsstilmittel bedient: der Verschwörungstheorie.

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"Natürlich gibt es großangelegten Wahlbetrug am und vor dem Wahltag. Warum lassen die republikanischen Parteiführer das zu? So naiv!", beklagte sich der republikanische Kandidat für das Weiße Haus auf Twitter. Einige Stunden zuvor twitterte er: "Diese Wahl wird von den verlogenen und verfälschenden Medien manipuliert, die die korrupte Hillary unterstützen - aber auch in vielen Wahllokalen - traurig."

Je näher die Wahl am 8. November rückt, desto häufiger meldet sich Trump mit Anfeindungen, Verleumdungen und Verschwörungstheorien zu Wort. Ein Blick auf seinen Twitter-Kanal führt vor Augen, dass der 70-Jährige ein ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis hat. Selten findet er dabei nette Worte. Die Ziele seiner Verbalattacken sind stets dieselben: Frauen, Ausländer, Barack Obama, die Medien und natürlich seine Konkurrentin Clinton. Ganz gleich, welches Thema er aufgreift, Trump ist sich sicher: "There's something going on" - "Irgendetwas stimmt da nicht".

Drogenprobleme bei krimineller Hillary?

Was genau wo nicht stimmt, definiert Trump nie eindeutig. Seine Vorurteile spricht er dennoch offen aus. Dies bekommen nicht nur Ausländer zu spüren, insbesondere Einwanderer aus Mexiko wähnt er als Gefahr: "Sie bringen Drogen, sie bringen Kriminalität, sie sind Vergewaltiger." In Trumps Augen gibt es nur eine Gefahr, die größer ist: seine demokratische Herausforderin Hillary Clinton. "Die Clintons sind Kriminelle, denkt daran, sie sind Kriminelle", warnte er kürzlich die Öffentlichkeit vor Hillary und deren Mann Bill.

Die Demokratin selbst nimmt die Anfeindungen nicht mehr ernst. Ende August stellte sie bei einem Wahlkampfauftritt im Bundesstaat Nevada fest, dass Trumps Kampagne auf "Vorurteilen und Paranoia" beruhe. Tatsächlich drängt sich dieser Verdacht auf, wenn man sich allein die jüngsten Äußerungen des Milliardärs anschaut. "Ich weiß nicht, was mit ihr los ist. Zu Beginn unserer letzten Debatten war sie völlig aufgedreht", wunderte sich Trump bei einem Termin im Bundesstaat New Hampshire. Er ist sich sicher: "There's something going on", weshalb er sein Publikum fragte: "Warum machen wir nicht einen Drogentest?"

Dass er die physische Verfassung seiner Konkurrentin ganz genau im Auge hat, deutete Trump bereits im September an. Wenige Stunden nach dem Schwächeanfall bei einer Veranstaltung in New York hatte sich Clinton wieder in der Öffentlichkeit gezeigt. Nach seinen Beobachtungen steht für Trump bis heute außer Frage, dass die 68-Jährige eine Doppelgängerin beschäftigt.

Schmutzkampagne des Clinton-Lagers

Für weitaus besorgniserregender als den gesundheitlichen Zustand Clintons hält Trump allerdings die vermeintliche Kampagne, die die Demokratin im Schulterschluss mit den Medien gegen ihn fahre. Gemeinsam versuchten sie, die Wahl zugunsten Clintons zu manipulieren, so Trump.

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Auch der zweitreichste Mann der Welt hat einen Platz in der Trump'schen Verschwörungstheorie. Demnach finanziere Carlos Slim die Medienberichte, welche die immer neuen Vorwürfe von Frauen thematisieren, wonach Trump diese sexuell belästigt habe. Wahr ist zumindest, dass der mexikanische Multimilliardär mit rund 14 Prozent an der "New York Times", die die ersten Sexismus-Vorwürfe druckte, beteiligt ist. Laut Trump erwartet die Zeitung demnächst eine Klage.

Für Trump sind diese Berichte allesamt Teil einer gigantischen Schmutzkampagne aus dem Clinton-Lager. Die Frauen, die ihn der sexuellen Belästigung bezichtigen, bezeichnete er als "verrückt". Ob die Anschuldigungen gegen ihn wahr oder unwahr sind, ist unklar. In den vergangenen Tagen häuften sich zumindest Belege dafür, dass sich Trump in der Vergangenheit mehrmals äußerst geringschätzig über Frauen geäußert hat.

Der muslimische US-Präsident

Je länger der Wahlkampf andauert, desto mehr drängt sich der Verdacht auf, dass eine Wahl für Trump nur dann als fair gilt, wenn er sie gewinnt. Angesichts der Mantra-artig wiederholten Verschwörungstheorien schaltete sich jüngst auch die First Lady ein. "Das ist nicht mehr normal. Dies ist keine gewöhnliche Politik mehr", kommentierte Michelle Obama die Rhetorik Trumps.

Ihr Mann Barack ist ebenfalls bereits Ziel der Trump'schen Verbalattacken gewesen. Lange Zeit beharrte Trump auf dem im Jahr 2011 öffentlich gemachten Standpunkt, dass der US-Präsident nicht in den USA geboren und ein Muslim sei. Erst im September dieses Jahres erkannte er Obamas Geburt im Bundesstaat Hawaii offiziell an. Dennoch wittert Trump weiterhin eine Verschwörung, in die Obama verstrickt ist. Beim zweiten TV-Duell gegen Clinton sagte er: "Ich schaue mir den Präsidenten an, und manchmal sind die Wörter in Ordnung, aber man muss sich die Körpersprache ansehen - irgendetwas stimmt da nicht."

Obama selbst sagte bei einer Wahlkampfveranstaltung für Clinton in Cleveland, dass Trump aus dem "Sumpf der Verrückten" stamme, den die Republikaner seit Jahrzehnten gefördert hätten. Mit Blick auf Trumps paranoide Äußerungen warnte der scheidende Präsident: "Die Demokratie an sich steht jetzt auf dem Spiel."

Quelle: ntv.de