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Zentralrat unterstützt Demo Ditib nimmt nicht an Anti-Terror-Marsch teil

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Ditib habe sich "als Teil der Zivilgesellschaft abgemeldet", kommentierte der Grünen-Abgeordnete Volker Beck.

(Foto: dpa)

Tausende Muslime wollen am Samstag gegen Terror und Gewalt demonstrieren. Der türkische Islamverband Ditib jedoch wird daran nicht teilnehmen - und erntet dafür scharfe Kritik.

Nach der Kritik des türkischen Islamverbands Ditib an der für Samstag in Köln geplanten Antiterrorkundgebung hat sich der Zentralrat der Muslime ausdrücklich hinter die Demonstration gestellt. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat und andere Extremisten wollten "mit ihren Morden die Spaltung der Gesellschaft", sagte der Zentralratsvorsitzende und derzeitige Sprecher des Dachverbandes Koordinationsrat der Muslime, Aiman Mazyek, der "Rheinischen Post".

"Das Beste, was ihnen passieren kann, ist, wenn wir den Islam mit ihrem mörderischen Terror in einen Topf werfen", fügte Mazyek mit Blick auf die Dschihadisten hinzu. "Wir müssen weiter auf die Straße gehen, uns zeigen, für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft und den Frieden kämpfen und den Extremismus verurteilen." Öffentliche Demonstrationen seien dafür ein geeignetes Mittel. Deshalb werde sich der Zentralrat auch an den Friedensmärschen in Köln und eine Woche später in Berlin beteiligen.

"Problembär der islamischen Verbändelandschaft"

Der größte Islam-Dachverband in Deutschland, die türkisch-islamische Union Ditib, hatte angekündigt, sich nicht an dem Friedensmarsch von Muslimen gegen islamistischen Terror zu beteiligen. "Forderungen nach muslimischen Anti-Terror-Demos greifen zu kurz, stigmatisieren die Muslime und verengen den internationalen Terrorismus auf sie, ihre Gemeinden und Moscheen" hieß es. Zudem sei fastenden Muslimen nicht zumutbar, "stundenlang in der prallen Mittagssonne bei 25 Grad zu marschieren und zu demonstrieren". Ditib werde am Freitag in allen Moscheen in Deutschland ein Bittgebet gegen den Terror und für den Frieden halten.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck erklärte, Ditib habe sich "als Teil der Zivilgesellschaft abgemeldet". Der Verband werde "immer mehr zum Problembären der islamischen Verbändelandschaft". "Wer als Religionsgemeinschaft die Millionen Muslime in Deutschland repräsentieren will, muss auch seine gesellschaftliche Verantwortung annehmen", erklärte Beck. Dazu seien "die Ditib-Strukturen nicht in der Lage".

Unter dem Motto "Nicht mit uns" wollen am Samstag in Köln Muslime mit Unterstützung zahlreicher Verbände und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gegen islamistischen Terror und Gewalt demonstrieren. Zu dem Friedensmarsch werden zehntausend Teilnehmer erwartet, Initiatoren sind die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor und der muslimische Friedensaktivist Tarek Mohamad.

Quelle: n-tv.de, bdk/AFP/dpa

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