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Schlimmste Flüchtlingskrise seit 1945 EU-Kommissar malt düsteres Bild

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Tausende Flüchtlinge harren auf der griechischen Insel Kos aus.

(Foto: REUTERS)

Der für Migration zuständige EU-Kommissar Avramopoulos bezeichnet die Lage der Flüchtlinge in seiner Heimat Griechenland als sehr dringlich. Er fordert ein Umdenken der Europäer in dieser Frage.

Die EU-Kommission hat eindringlich zum Kampf gegen die "schlimmste Flüchtlingskrise" in der Welt seit 1945 aufgerufen. Der für Migration zuständige EU-Kommissar Dimitris Avramopoulos sagte in Brüssel, Europa sei verpflichtet, das Problem auf eine "anständige, zivilisierte und europäische Art" zu lösen und die Flüchtlinge willkommen zu heißen. Auf der griechischen Insel Kos traf eine Fähre für die dort ausharrenden Flüchtlinge ein.

Europa tue sich schwer im Umgang mit den Menschen, die innerhalb der Grenzen Schutz suchten, sagte Avramopoulos bei einer Pressekonferenz. "Das sind verzweifelte Menschen, sie brauchen unsere Hilfe und unsere Unterstützung."

Die Lage in seinem Heimatland Griechenland bezeichnete der EU-Kommissar als besonders "dringlich". Er hatte sich zuvor in Griechenland mit mehreren Ministern sowie mit Vertretern der Insel Kos getroffen - einem der derzeitigen Brennpunkte der Flüchtlingskrise. In Griechenland seien allein im Juli 50.000 Asylsuchende eingetroffen, sagte Avramopoulos. Im Juli 2014 waren es nur 6000.

Hotelfähre in Kos eingetroffen

Auf Kos harren rund 7000 Flüchtlinge aus und warten unter teils widrigen Bedingungen auf ihre Registrierung. Viele der Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak sowie aus afrikanischen Konfliktländern müssen am Strand oder in Zelten übernachten. Am Dienstag setzten Polizisten Schlagstöcke und Feuerlöscher gegen Flüchtlinge ein.

Unterdessen traf eine Fähre ein, die bei der Bewältigung des Ansturms helfen soll. Die "Eleftherios Venizelos" werde rund zwei Wochen vor der kleinen Ägäis-Insel nahe der türkischen Küste bleiben, sagte die Leiterin der Abteilung für Einwanderung der griechischen Polizei, Zakharoula Tsirigoti. Die Fähre mit Platz für etwa 2500 Menschen soll aber nicht als Herberge dienen, sondern zur Registrierung und Befragung der syrischen Flüchtlinge.

Die Registrierung der Syrer könne "hoffentlich morgen" oder im besten Fall bereits am Freitagabend beginnen, sagte Tsirigoti. Syrer würden als "Flüchtlinge" eingestuft, alle Anderen seien "Migranten" und müssten sich weiterhin bei der Polizei registrieren und nicht auf der Fähre. Der Bürgermeister von Kos beklagte, dass Griechenland die Krise nicht allein schultern könne. Die EU müsse "finanziell helfen", sagte Giorgos Kiritsis.

Kritik an Balkan-Länder

Avramopoulos' Angaben zufolge will die EU nun eine von Griechenland geforderte Summe von 2,7 Millionen Euro für die Flüchtlingskrise in der Ägäis beschleunigen. Griechenland werde außerdem bald die erste Tranche von 30 Millionen Euro aus einem Gesamtpaket von 2,4 Milliarden Euro für mehrere EU-Staaten für die Flüchtlingskrise erhalten.

EU-Kommissar Avramopoulos kritisierte auch die Balkan-Länder für deren Untätigkeit im Kampf gegen illegale Migration und forderte sie auf, die einschlägigen Schlepperrouten zu schließen. Er benannte die Länder nicht konkret. Flüchtlinge, die in Griechenland ankommen, wählen für ihre Weiterreise nach Europa aber oft die Länder Albanien und Mazedonien sowie Serbien und das Kosovo.

Quelle: n-tv.de, wne/AFP

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