Politik

CDU-Politiker Luczak bei ntv"Enteignung ist der Todesstoß für den Wohnungsbau"

26.08.2026, 10:31 Uhr
00:00 / 05:14
Video poster

Die Wohnungskrise in Deutschland hält an. Zwar zeigt der verabschiedete Bau-Turbo der Bundesregierung erste Wirkung, doch der baupolitische Sprecher der Union, Jan-Marco Luczak, mahnt mehr Tempo an - und warnt vor Enteignungsdebatten.

Der baupolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jan-Marco Luczak, warnt vor Debatten über Enteignungen und ein schärferes Mietrecht, wie sie derzeit in Berlin geführt werden. "Das ist wirklich der Todesstoß für den Wohnungsbau, wenn so etwas käme", sagte Luczak in der ntv-Sendung Frühstart. Schon die bloße Diskussion über Vergesellschaftung schrecke Investoren ab: "Allein die Debatte über Enteignungen führt schon dazu, dass wir Zurückhaltung haben bei den Investitionen, weil viele Investoren dann sagen: 'Wenn ich mit Enteignung bedroht wäre, dann investiere ich lieber woanders - nicht in Berlin, in anderen Bundesländern oder gar ganz außerhalb Europas.'"

Luczak sprach von einer "sozialistischen Enteignungsfantasie, die am Ende den Menschen nicht hilft". Die langen Schlangen bei Wohnungsbesichtigungen würden dadurch nicht kürzer, "weil nicht eine einzige neue Wohnung neu entsteht". Die Koalition zeige in dieser Frage klare Kante: "Mit uns wird es keine Enteignungen geben." Der CDU-Politiker verteidigte damit einen Koalitionsbeschluss für ein Bundesgesetz, das Vergesellschaftungen auf Länderebene ausschließen soll. Die nach Umfragen in Berlin führende Linke will nach der Abgeordnetenhauswahl am 20. September in der Hauptstadt einen Volksentscheid für Enteignungen großer Wohnungsunternehmen umsetzen.

Rund 1,35 Millionen Wohnungen fehlen in Deutschland laut "Bau-Monitor". Dieser wird vom Pestel-Institut im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Baustoffhandel erstellt. Die Bundesregierung will mit ihrem sogenannten Bau-Turbo gegensteuern. Damit wird es Kommunen erlaubt, schneller nachzuverdichten, aufzustocken, zu erweitern und umzunutzen. Zudem sollen Rekordmittel in den sozialen Wohnungsbau fließen. Auch sollen Baustandards gesenkt werden. Zuletzt hatte sich im seit Jahren kriselnden Wohnungsbau ein leichter Aufwärtstrend verstetigt: Im ersten Halbjahr 2026 ergab sich laut Statistischem Bundesamt mit 126.300 Einheiten ein Plus von 15,1 Prozent - der stärkste Anstieg für ein erstes Halbjahr seit 2016. Allerdings war der Vorjahreszeitraum 2025 auch vergleichsweise schwach.

Trotz mehr Genehmigungen keine Entwarnung

Angesichts des anhaltenden Wohnungsmangels dürfe man sich laut Luczak mit dem bisherigen Fortschritt nicht zufriedengeben. Zwar seien die Baugenehmigungszahlen im ersten Halbjahr 2026 gestiegen, "man muss aber sagen, sie kommen auch auf einem niedrigen Niveau her. Und deswegen ist jetzt noch kein Grund zum Zurücklehnen, sondern wir haben noch sehr, sehr viele Hausaufgaben, die wir erledigen müssen." Entscheidend sei am Ende nicht die Zahl der Genehmigungen, sondern die der tatsächlichen Fertigstellungen: Im vergangenen Jahr seien es rund 206.000 gewesen. "Wir brauchen aber locker 100.000 Wohnungen mehr", so der CDU-Politiker.

Als zentralen Hebel nannte Luczak die Baukosten. Rechne sich ein Bauprojekt wirtschaftlich nicht, weil die notwendigen Mieten zur Refinanzierung niemand mehr zahlen könne, werde es schlicht nicht umgesetzt. Deshalb müsse man "von den hohen, kostentreibenden Standards runter". Die laufende Novelle des Baugesetzbuches soll bis Jahresende abgeschlossen werden und Anfang kommenden Jahres in Kraft treten. Ziel sei eine strukturelle Entschlackung der Bauvorschriften: "Sie werden auf Schnelligkeit, sie werden auf Effizienz getrimmt, sodass wir am Ende den Bau-Turbo gar nicht mehr brauchen." Der Bau-Turbo sei ohnehin eine befristete Maßnahme.

Klimaanpassung ohne Kostenexplosion

Mit Blick auf die Hitzewellen der letzten Wochen forderte Luczak zudem mehr Klimaanpassung im Bausektor, warnte jedoch gleichzeitig vor überzogenen Standards. Besonders in Krankenhäusern sei mehr Klimatechnik nötig: "Wir müssen vor allen Dingen auch in den Krankenhäusern dafür sorgen, dass dort mehr Klimageräte eingebaut werden können."

Beim Neubau müsse Hitzeschutz von Anfang an mitgedacht werden, dürfe aber nicht gegen die Bezahlbarkeit ausgespielt werden. "Wenn wir heute neu bauen, dann muss man eben auch über Hitzeschutz nachdenken, über die Dämmung von Wohngebäuden. Aber noch mal: Wir reden über Kosten. Und wir reden auf der anderen Seite über bezahlbare Mieten. Beides muss zueinander gebracht werden. Wir können keines der Dinge absolut setzen", so Luczak.

Quelle: ntv.de, cha/shu

BauenWohnungsbauMieteAbgeordnetenhauswahl BerlinBundesministerium für Bauen und Wohnenntv Frühstart