Politik

"Leere Versprechen machen nicht satt" Enttäuschung über UN-Konferenz

Beim UN-Welternährungsgipfel in Rom haben die mehr als 60 Staats- und Regierungschefs einen Fünf-Punkte-Plan gegen Hunger verabschiedet. Hilfsorganisationen kritisieren, dass in dem Papier konkrete Festlegungen über die Finanzierung und Organisation der Hungerbekämpfung fehlen.

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Papst Benedikt XVI. bei seiner Rede.

(Foto: dpa)

Angesichts einer Milliarde hungernder Menschen weltweit hat der UN-Welternährungsgipfel in Rom Wege aus der globalen Nahrungskrise vorgezeichnet. Die Konferenz der 192 FAO-Mitgliedsstaaten einigte sich schon am ersten der drei Gipfeltage auf eine Erklärung mit einem Fünf-Punkte-Plan gegen den Ernährungsnotstand, der von Hungerhilfe-Organisationen allerdings als zu unverbindlich kritisiert wurde. "Hunger ist das grausamste und konkreteste Zeichen von Armut", mahnte Papst Benedikt XVI. bei seinem ersten Auftritt vor der Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO).

Der Überfluss und die Verschwendung seien angesichts des Hunger-Dramas nicht mehr akzeptabel, so der Papst, gleiches gelte für Spekulantentum und Profitdenken. "Wir müssen dem internationalen Handel die Grundlage des reinen Profitdenkens entziehen", verurteilte Benedikt vor mehr als 60 Staats- und Regierungschef den "Egoismus", mit Getreide zu spekulieren. Er wandte sich gegen Agrarsubventionen, die den Nahrungsmittelmarkt zulasten der armen Länder verzerrten.

Eindrücklicher Appell von Ki Moon

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eröffnete den Gipfel mit dramatischen Zahlen: "Allein am heutigen Tag werden mehr als 17.000 Kinder an Hunger sterben, ein Kind alle fünf Sekunden, sechs Millionen pro Jahr." Dies erfordere sofortiges Handeln. Außerdem nannte der UN-Chef die Weltklimakonferenz im Dezember in Kopenhagen entscheidend. Denn Nahrungsmittelsicherheit für die Weltbevölkerung und der Kampf gegen den Klimawandel seien eng miteinander verbunden.

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Demonstranten tragen ein Transparent mit der Aufschrift "Welternährungsgipfel: zehn Jahre leere Versprechen".

(Foto: REUTERS)

Bereits am ersten Tag wurde ein Fünf-Punkte-Plan gegen den Hunger als Gipfelpapier vereinbart. Dabei bekräftigten die Teilnehmer der dreitägigen Konferenz vor allem die im Jahr 2000 formulierten Millenniums-Ziele, in denen die Vereinten Nationen anstreben, den Hunger bis 2015 zu halbieren. FAO-Chef Jacques Diouf hatte als Ziel abgesteckt, dass die Regierungen jährlich 44 Milliarden Dollar (etwa 30 Milliarden Euro) bereitstellen, um die Agrarproduktion anzukurbeln. In der Schlusserklärung fehlen jedoch konkrete Zahlen.

"Der Gipfel hält zwar daran fest, den Hunger bis 2015 zu halbieren, und unterstützt geschlossen die Förderung von armen Bauern, jedoch ohne konkret die Finanzierung, die Umsetzung und die Überprüfung der Ziele festzulegen", kritisierte Marita Wiggerthale von der Hilfsorganisation Oxfam Deutschland. "Leere Versprechen machen die Hungernden aber nicht satt." Oxfam fordert die deutsche Regierung auf, Wort zu halten und die Mittel für die ländliche Entwicklung und Ernährungssicherung deutlich aufzustocken.

Aigner zeigt sich zufrieden

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) wertete die Vereinbarungen des UN-Welternährungsgipfels hingegen als Erfolg. Die Konferenz habe sich klar zu der Globalen Partnerschaft für Landwirtschaft und Ernährungssicherheit bekannt, und alle hätten das Recht auf Nahrung erstmals bestätigt, sagte Aigner in Rom. "Damit geben wir den Startschuss für eine neue Struktur der Zusammenarbeit in der Welternährung", so die Leitern der deutschen Delegation.

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Ilse Aigner ist mit dem Verlauf der Beratungen zufrieden.

(Foto: dpa)

Der libysche Revolutionsführer Muammar el-Gaddafi kritisierte die "Heuchelei der ehemaligen Kolonialmächte, die ganze Kontinente wie Afrika, Asien und Lateinamerika ausgenommen haben" und Millionen von Hungernden zu verantworten hätten. Zudem forderte er zur Abrüstung auf, um die Gelder "neuen Ressourcen" im Kampf gegen den Hunger zu widmen. Neben der Welthungerhilfe kritisierte auch Gaddafi die Abwesenheit der Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Industrieländer. So war der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi als einziger Regierungschef der G8-Staaten zugegen.

Zu Protesten vor dem Tagungsort kam es bei starkem Polizei-Einsatz nur wenig. Die internationale Bauernvereinigung "Via Campesina", die zu den Organisatoren eines "Gegengipfels" gehört, protestierte mit einigen internationalen Vertretern unter dem Slogan "Zehn Jahre Welthungerkonferenz, zehn Jahre leere Versprechen" für eine Neuorganisierung des Agrarsektors und mehr Eigenbestimmung für Kleinbauern. Sie inszenierten spontan auf der Straße direkt am FAO-Gebäude mit Harken und Gemüse bewaffnet die Vertreibung der Kleinbauern von ihrem Land durch multinationale große Unternehmen.

Quelle: n-tv.de, dpa

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