Politik

Nach Koran-Verbrennung Erdogan: Keine Unterstützung für Schweden bei NATO-Frage

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Ohne die Zustimmung der Türkei kann Schweden nicht in das Militärbündnis aufgenommen werden.

(Foto: picture alliance / TT NYHETSBYRÅN)

Wegen der russischen Aggressionen in der Ukraine will Schweden Mitglied in der NATO werden. Doch die Türkei befindet sich in der Sache seit Monaten in einer Blockadehaltung - und das wird sich laut Präsident Erdogan auch nicht ändern. Schuld ist die Verbrennung eines Korans.

Schweden kann nach einer Koran-Verbrennung in Stockholm nach Aussage des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogans nicht mit einer Unterstützung der Türkei für einen NATO-Beitritt rechnen. "Wenn ihr der türkischen Republik oder dem religiösen Glauben der Muslime keinen Respekt zollt, dann könnt ihr von uns in Sachen NATO auch keine Unterstützung bekommen", sagte Erdogan in Ankara.

Grund für die Empörung ist ein Protest einer kleinen Gruppe um den aus Dänemark stammenden Rechtsextremisten Rasmus Paldudan in Stockholm. Dabei wurde der schwedischen Nachrichtenagentur TT zufolge in der Nähe der türkischen Botschaft auch ein Exemplar des Korans - die Heilige Schrift des Islams - verbrannt. Das Ganze sei eine "Schande", sagte Erdogan weiter.

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Der schwedische Rechtsextremist Rasmus Paludan bei der Verbrennung eines Koran-Exemplares.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Sowohl in der Türkei als auch im Irak gingen Demonstranten nach der Aktion auf die Straße. In Bagdad kam es zu Unruhen vor der schwedischen Botschaft. Eine Gruppe soll versucht haben, in das Gebäude einzudringen.

Türkei macht Schweden weitere Vorwürfe

Das NATO-Mitglied Türkei blockiert seit Monaten die Aufnahme Schwedens und Finnlands in das Verteidigungsbündnis. Die Türkei wirft vor allem Schweden unter anderem Unterstützung von "Terrororganisationen" wie die der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vor und fordert die Auslieferung etlicher Personen, die Ankara als Terroristen betrachtet.

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Anfang Dezember lieferte Schweden türkischen Staatsmedien zufolge ein in der Türkei verurteiltes Mitglied der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) aus. Anfang Januar sah sich die schwedische Regierung dann auf einem guten Weg. "Die Türkei hat bestätigt, dass wir getan haben, was wir ihnen versprochen haben", sagte Regierungschef Kristersson bei einer Sicherheits- und Verteidigungskonferenz im westschwedischen Sälen.

Kurz darauf hingen Aktivisten in Stockholm eine Puppe an den Füßen auf, die den türkischen Präsidenten darstellten sollte, was wiederum für Empörung in Ankara sorgte. Auch Kristersson verurteilte die Aktion. Die Türkei protestierte außerdem gegen die Genehmigung einer Demonstration von Sympathisanten der kurdischen Arbeiterpartei PKK. Anschließend kam es zu dem Eklat um die Koran-Verbrennung. Ohne die Türkei sehen die NATO-Aussichten für Schweden trüb aus: Alle 30 -Mitglieder müssen die Anträge auf Mitgliedschaft ratifizieren.

Quelle: ntv.de, rog/dpa

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