Politik

Folter in Mannheim? Ermittlungen gegen US-Armee

Die Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe ermittelt seit zwei Wochen wegen des Vorwurfs, dass die US-Armee in einem Militärgefängnis in Mannheim Terrorverdächtige illegal festgehalten und möglicherweise misshandelt hat.

Die Bundesanwaltschaft bestätigte am Samstag einen entsprechenden Bericht des "Stern". Der Verdacht beruhe auf Aussagen eines Hörensagen-Zeugen, der entsprechende Vorwürfe von einem US-Soldaten namens John Pierce gehört haben will, schreibt der "Stern".

Der Sprecher der Bundesanwaltschaft sagte, die Ermittlungen liefen seit dem 21. September. Der Anzeigenerstatter sei vernommen worden. Dieser sei aber nur Zeuge vom Hörensagen. Er fügte hinzu: "Die mögliche Tatsachenfundiertheit wird derzeit geprüft".

Am Freitag war ein Bericht der britischen Rechtshilfeorganisation Reprieve bekannt geworden, wonach der US-Geheimdienst CIA auch auf US-Militärstützpunkten in Deutschland Terroristen festgehalten und verhört haben könnte. Die Organisation berief sich auf Angaben der Anwälte von mutmaßlichen Terroristen im US-Gefängnis Guantnamo auf Kuba. Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg wies den Bericht in Berlin zurück. Derartige Einrichtungen gebe es in Deutschland nicht und es habe sie nicht gegeben.

Nach dem "Stern"-Bericht sind von April bis Anfang September drei Arabisch sprechende Männer in dem US-Militärgefängnis in den "Coleman Barracks" in Mannheim-Sandhofen festgehalten worden. Angeblich seien die Männer auch misshandelt worden.

Die US-Armee dementierte die Vorwürfe scharf. Es gebe keinen John Pierce "in dieser Einheit", sagte Elizabeth Hibner von der US-Armee dem "Stern". In dem Mannheimer US-Gefängnis seien keine Terrorverdächtigen festgehalten worden, sondern ausschließlich US-Soldaten, wozu das US-Militär laut Stationierungsabkommen berechtigt sei.

Nach Recherchen des "Stern" hatte die US-Armee bereits in der Vergangenheit zumindest einmal Kriegsgefangene in dem Mannheimer US-Gefängnis einquartiert. So waren dort 1999 zwei Serben inhaftiert.

Quelle: ntv.de