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Der Bruder hält es für ausgeschlossen, dass Jaber al-Bakr Selbstmord beging.
Der Bruder hält es für ausgeschlossen, dass Jaber al-Bakr Selbstmord beging.(Foto: picture alliance / dpa)
Freitag, 21. Oktober 2016

Vorwurf der fahrlässigen Tötung: Familie Al-Bakr erwägt Strafanzeige

Kurz nach seiner Festnahme nimmt sich der mutmaßliche IS-Terrorist Jaber al-Bakr in der JVA Leipzig das Leben. Seine Familie kritisiert das Verhalten der sächsischen Behörden für fahrlässig - und stellt gar den Suizid generell in Frage.

Die Familie des toten Terrorverdächtigen Jaber al-Bakr will einem Medienbericht zufolge eine Strafanzeige gegen Beamte der sächsischen Justiz wegen fahrlässiger Tötung erstatten. Alexander Hübner, der Leipziger Anwalt der Familie, sagte dem Rechercheteam der "Süddeutschen Zeitung", des NDR und des WDR, es müsse geprüft werden, ob die Behörden fahrlässig gehandelt hätten, als sie al-Bakr in einem gewöhnlichen Haftraum allein ließen.

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Der syrische Flüchtling soll Kontakte zum Islamischen Staat (IS) gehabt haben. Am 8. Oktober war er der Polizei in Chemnitz knapp entkommen. In einer von ihm genutzten Wohnung wurden anderthalb Kilogramm hochexplosiven Sprengstoffs gefunden. Mehrere Syrer, bei denen al-Bakr in Leipzig um einen Übernachtungsplatz bat, überwältigten und fesselten den 22-Jährigen. Am Mittwoch vergangener Woche erhängte sich al-Bakr in der Justizvollzugsanstalt Leipzig.

Der in Syrien lebende Bruder des Toten, Alaa al-Bakr, zweifelte seither an, dass es sich überhaupt um einen Suizid gehandelt hat. "Selbst wenn er IS-Mitglied war: Die begehen keinen Selbstmord", hatte er der "Welt" gesagt. Das sei im Islam verboten. "Ich bin mir wirklich sicher, dass die Polizei ihn umgebracht hat." Bei der Obduktion des Leichnams war keine Fremdeinwirkung festgestellt worden.

Weitere Panne der sächsischen Behörden?

Die Leipziger Oberstaatsanwältin Claudia Laube führt bereits routinemäßig ein Ermittlungsverfahren zur Todesursache. Dem Bericht zufolge könnte sich die Familie al-Bakrs als Nebenklägerin in dieses Verfahren einschalten. Wegen der Pannen bei der Festnahme und des Suizids stehen die Behörden in Sachsen in der Kritik. Nach Informationen des "Spiegel" unterlief der sächsischen Polizei im Fall al-Bakr ein weiterer Fehler.

Der mutmaßliche Islamist soll demnach bereits Ende August in einem Leipziger Hotel mit Chemikalien zur Sprengstoffherstellung experimentiert haben. Dabei habe er die Küche des Apartments schwer beschädigt. Fotos von den Schäden zeigten Rußspuren, mögliche Brandflecken an der Abzugshaube und Spuren am Spülbecken wie von Säureschäden. Nach Angaben des "Spiegel" erstattete der Besitzer des Hotels nach al-Bakrs Verschwinden Anzeige. Allerdings habe die Polizei den Vorfall als Sachbeschädigung gewertet.

Quelle: n-tv.de