Politik

Gefangenenaustausch mit Russland Französischer Politologe Vinatier aus russischer Haft entlassen

08.01.2026, 21:34 Uhr
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Russland behauptet, dass Laurent Vinatier Informationen über das russische Militär gesammelt haben soll. (Foto: IMAGO/SNA)

Zwischen Frankreich und Russland gelingt ein diplomatischer Deal: Beide Seiten lassen jeweils einen Häftling frei. Der Franzose Laurent Vinatier wird in Russland gerade noch zu einer schweren Strafe verurteilt. Der andere Gefangene sollte eigentlich in die USA ausgeliefert werden.

Frankreich und Russland haben in einem politischen Deal Gefangene ausgetauscht. Staatspräsident Emmanuel Macron teilte auf X mit, der in Russland wegen angeblicher Spionage angeklagte französische Politologe Laurent Vinatier sei in die Heimat zurückgekehrt. Im Gegenzug wurde der russische Basketballer Daniil Kasatkin aus französischer Haft entlassen und flog zurück nach Russland, wie der Inlandsgeheimdienst FSB in Moskau mitteilte.

Der Zentralasien-Experte Vinatier arbeitete in Russland für die Schweizer Nichtregierungsorganisation Zentrum für humanitären Dialog, die auf Konfliktlösung spezialisiert ist. Er war 2024 festgenommen und verurteilt worden, weil er gegen die Auflagen für sogenannte ausländische Agenten verstoßen habe. 2025 wurde er zu drei Jahren Haft in einer Strafkolonie verurteilt, weil er Informationen über das russische Militär gesammelt haben soll, ohne sich zuvor als "ausländischer Agent" angemeldet zu haben. Der mit einer Russin verheiratete Vinatier hatte vor Gericht erklärt, davon nichts gewusst zu haben. Der französische Präsident Emmanuel Macron sprach dessen Angehörigen sein Mitgefühl aus und bedankte sich bei den Diplomaten, die sich für seine Freilassung eingesetzt hatten.

Zuvor hatte der russische Inlandsgeheimdienst FSB gemeldet, dass der in Frankreich inhaftierte russische Basketballspieler Daniil Kasatkin freigelassen worden und in seine Heimat zurückgekehrt sei. Er sei gegen Vinatier "ausgetauscht" worden, hieß es in der von russischen Nachrichtenagenturen verbreiteten Erklärung des FSB. Der Sportler Kasatkin war 2025 in Frankreich auf Betreiben der USA festgenommen worden, weil er an Cyber-Erpressung beteiligt gewesen sein soll. Die USA hatten einen Auslieferungsantrag gestellt. Der russische Präsident Wladimir Putin habe Vinatier begnadigt.

USA wollten Kasatkin

Der FSB verbreitete zudem ein Video, auf dem zu sehen ist, wie der 49 Jahre alte Vinatier das Gefängnis verlässt und zu einem Flughafen gebracht wird. Dort steigt aus einem Flugzeug der Basketballer Kasatkin aus, der lächelnd seine Hand ausstreckt. "Es ist eine riesige Erleichterung", sagte der Anwalt Frédéric Bélot, der sowohl die Angehörigen Vinatiers als auch Kasatkin vertritt. Er verwies darauf, dass die Freilassung Vinatiers mit dem russisch-orthodoxen Weihnachtsfest zusammenfalle.

Kasatkin war seinerseits bei seiner Ankunft mit seiner Verlobten im Juni 2025 in Paris festgenommen worden. Er saß seitdem in Auslieferungshaft und sollte in die USA ausgeliefert werden. Diese werfen ihm vor, zu einem Hacker-Netz zu gehören, das zwischen 2020 und 2022 etwa 900 Unternehmen und Institutionen durch Schadsoftware angegriffen haben soll. Der Profi-Sportler hatte zeitweise in den USA gelebt. Er warf die Vorwürfe zurück.

Der Austausch kann als Zeichen einer gewissen Entspannung zwischen Paris und Moskau gewertet werden. Macron hat sich offen gezeigt, mit Kremlchef Wladimir Putin zu telefonieren. Kremlsprecher Dmitri Peskow deutete Ende Dezember an, dass es bald eine Lösung für den Fall Vinatier geben könnte. In den vergangenen Jahren wurden in Russland mehrere ausländische Staatsbürger festgenommen. Westliche Staaten werfen Moskau vor, diese als Geiseln zu nehmen, um sie gegen im Westen inhaftierte Russen auszutauschen.

Quelle: ntv.de, mwa/AFP/dpa

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