Politik

Männer dominieren Politik Frauen bleiben Exoten

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Angela Merkel und Ursula von der Leyen sind Vorzeigefrauen - repräsentativ ist ihr Erfolg aber nicht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Frauen verdienen weniger und sitzen seltener in Aufsichtsräten. Auch in der Politik kann trotz Bundeskanzlerin und starker Ministerinnen von Gleichberechtigung keine Rede sein. Besonders dramatisch ist die Lage in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt Magdeburg.

Frauen und Politik – das passt nicht zusammen. So denken noch immer viele Wähler und Parteimitglieder. Das zeigt zumindest eine Studie im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung.

Die Wissenschaftler Lars Holtkamp und Elke Wiechmann haben in 79 Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern den Anteil von Frauen in der Politik ermittelt. Das Ergebnis: Nur 14 Prozent der Oberbürgermeister sind weiblich. Beim Posten des Fraktionschefs sind es 21 und bei Ausschussvorsitzenden 25 Prozent. Das Fazit der Forscher: Je wichtiger und mächtiger der Posten, desto wahrscheinlicher ist es, dass ihn ein Mann besetzt. Frauen in der Politik sind weiterhin Exoten.

Holtkampf und Wiechmann haben vergleichbare Rankings schon in den Jahren 2008 und 2010 durchgeführt. Seither hat sich der Frauenanteil nur geringfügig erhöht. Bei den Oberbürgermeisterposten etwa stieg er um kaum zwei Prozentpunkte.

Große Unterschiede zwischen den Parteien

Die Spitze des Rankings führen mit Frauenanteilen von mehr als 40 Prozent und vielen Frauen in Spitzenämtern die Städte Trier, Frankfurt und Potsdam an. Am Ende der Statistik steht Magdeburg. In der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt sind alle Beigeordneten und alle Fraktionsvorsitzenden Männer. Unter den 13 Ausschussvorsitzenden ist nur eine Frau. Selbst der Vorsitzende und der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Familie und Gleichstellung sind Männer. Nur unwesenstlich besser schneiden Duisburg und Recklinghausen ab.

Entscheidend für den Frauenanteil ist die Parteizugehörigkeit. Den höchsten Wert können die Grünen für sich verbuchen. Mit wenig Abstand folgen SPD und Linke. Alle drei Parteien haben eine interne Quotenregelung. Union und FDP, die darauf verzichten, können dagegen nur auf eine geringe Zahl von Frauen in Spitzenämtern verweisen. "Wir brauchen die Quote im Kommunalwahlrecht", sagt Wissenschaftler Holtkamp.

Die Listenplätze sind entscheidend

Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, dass Gleichberechtigung noch ein fernes Ziel ist. Auch in der Wirtschaft ist der Frauenanteil in Spitzenposten noch gering. Auch ihr Verdienst liegt im Durchschnitt noch unter dem ihrer männlichen Kollegen. Die Ergebnisse von Holtkampf und Wiechmann lassen sich allerdings nicht unmittelbar auf die Bundespolitik übertragen. Den Frauenanteil in Bundestagsfraktionen oder Ministerämtern haben die Experten nicht untersucht. Allerdings setzt sich der Trend hier in abgeschwächter Form fort. Die Linke kann zwar mit 56 Prozent das Ziel der Gleichberechtigung genauso wie die Grünen übererfüllen. Bei der CDU ist dagegen nur jeder vierte Abgeordnete weiblich. Insgesamt liegt der Anteil im Bundestag bei 36 Prozent. In der Bundesregierung sind nur fünf von 15 Ministern weiblich.

Ausschlaggebend für die bezeichnenden Ergebnisse ist nicht nur die Bereitschaft der Wähler, ihre Stimme einer Frau zu geben. Entscheidend ist, dass die Parteien Frauen auch auf aussichtsreiche Listenplätze setzen.

Quelle: ntv.de, ieh

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