Politik
In dieser Flüchtlingsunterkunft im Sauerland soll ein 39-jähriger Algerier seinen Mitbewohnern von den anstehenden Attentaten in Paris erzählt haben.
In dieser Flüchtlingsunterkunft im Sauerland soll ein 39-jähriger Algerier seinen Mitbewohnern von den anstehenden Attentaten in Paris erzählt haben.(Foto: dpa)
Freitag, 20. November 2015

"Ali Baba 13.11. Paris": Generalbundesanwalt ermittelt gegen Algerier

Im Sauerland sitzt ein Algerier wegen Mitwisserschaft an der Anschlagsserie in Paris in Untersuchungshaft. Der Mann hatte vor den Anschlägen erzählt, dass Paris bald in Angst und Schrecken versetzt werde. Nun belastet ihn noch eine verdächtige Notiz.

Der Generalbundesanwalt hat den Fall eines 39-jährigen Algeriers übernommen, der die Anschläge von Paris mehrere Tage zuvor angekündigt haben soll. Ob der festgenommene 39-Jährige Mitwisser ist oder sich nur wichtig machen wollte, werde derzeit geprüft, sagte ein Behördensprecher in Karlsruhe und bestätigte damit entsprechende Medienberichte.

Der Algerier soll in einer Flüchtlingsunterkunft im sauerländischen Arnsberg gegenüber syrischen Mitbewohnern vor den Anschlägen davon gesprochen haben, dass Paris in Angst und Schrecken versetzt werde. Auch eine Bombe erwähnte er. Nach den Anschlägen in Paris, bei denen 129 Menschen getötet und mehr als 350 verletzt wurden, meldeten sich die beiden Männer beim Chef der Flüchtlingsunterkunft. Dieser wiederum alarmierte die Polizei.

Der Algerier wurde festgenommen, bestritt dann bei der Vernehmung aber, von den Anschlägen gewusst zu haben. Allerdings fiel er durch aggressives Verhalten auf, betonte mehrfach, Frankreich zu hassen. Bei der Durchsuchung seines Zimmers fand die Polizei dem Bericht zufolge dann belastendes Beweismaterial: Hinter dem Schrank befand sich eine handschriftliche Notiz: "Ali Baba 13.11. Paris" stand auf dem Zettel. Allerdings ist unklar, wann der Zettel geschrieben wurde, ob vor oder nach den Terroranschlägen. Auch wer der Verfasser ist, steht nach Informationen des SWR noch nicht eindeutig fest.

Einreiseverbot für Frankreich

Eine Verbindung in salafistische oder gar terroristische Kreise sei bisher nicht bekannt, schreibt die "Süddeutsche". Der SWR berichtet allerdings, dass der Algerier im sogenannten Gemeinsamen Zentrum - das ist eine Einrichtung von Polizei und Zollbehörden aus Deutschland und Frankreich - schon vor den Attentaten bekannt war. Außerdem hat der 39-Jährige ein Einreiseverbot für Frankreich.

Bisher hatte die Staatsanwaltschaft Arnsberg in dem Fall ermittelt. Ein Richter erließ Haftbefehl wegen Nichtanzeige einer Straftat. Der nordrhein-westfälische Innenminister, Ralf Jäger, hatte erklärt, man werde genau prüfen, ob es sich bei dem Algerier um einen Mitwisser oder gar Täter der Pariser Anschläge handele. Weil es sich um eine terroristische Straftat handelt, ermittelt nun der Generalbundesanwalt.

Insgesamt laufen nach den Anschlägen von Paris und dem Terroralarm in Hannover bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe derzeit vier Verfahren. Dies sagte ein Sprecher der Behörde. Neben dem Fall des aus Arnsberg prüfen die obersten Ankläger einen ähnlichen Fall aus Cuxhaven. Dabei handelt es sich laut SWR um einen jungen Mann, der für die Polizei kein Unbekannter sowie Sympathisant des IS sein soll.

Seit Donnerstag ermittelt der Generalbundesanwalt außerdem wegen des Anfangsverdachts auf Bildung einer terroristischen Vereinigung und wegen einer möglichen Verabredung zur Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion. Einzelheiten nannte der Sprecher dazu nicht. Dabei geht es sowohl um die Attentate von Paris vom 13. November, bei denen mindestens zwei Deutsche getötet wurden, sowie den Terroralarm von Hannover, wegen dem am Dienstag das Fußball-Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden abgesagt worden war. Berichte über einen angeblichen Sprengstofffund am Stadion in Hannover bestätigte der Sprecher nicht.

Quelle: n-tv.de