Politik

Täter mutmaßlich rechtsradikal Generalbundesanwalt ermittelt im Fall Hanau

Vor der Ermordung mehrerer Menschen in Hanau hinterlässt der mutmaßliche Täter ein Bekennerschreiben. Dies legt eine ausländerfeindliche Gesinnung nahe. Deshalb bearbeitet nun der Generalbundesanwalt den Fall.

Nach mehreren Gewalttaten mit vielen Toten in Hanau hat der Generalbundesanwalt bereits in der Nacht die Ermittlungen wegen der besonderen Bedeutung des Falls übernommen. Das sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Medienberichten zufolge soll ein Bekennerschreiben des mutmaßlichen Täters Hinweise auf eine ausländerfeindliche Motivation offenbart haben. Unter den Todesopfern sind nach ersten Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden viele Menschen mit Migrationshintergrund.

Bei dem mutmaßlichen Täter von Hanau handelt es sich nach Angaben des hessischen Innenministers Peter Beuth um einen 43-jährigen Deutschen aus Hanau. Demzufolge ermittelt der Generalbundesanwalt wegen Terrorverdachts. Nach derzeitigen Erkenntnissen sei ein fremdenfeindliches Motiv durchaus gegeben, sagte Beuth im Landtag in Wiesbaden. Demnach war der mutmaßliche Täter von Hanau weder als fremdenfeindlich bekannt gewesen noch polizeilich in Erscheinung getreten. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier telefonierte nach eigenen Angaben wegen der Ereignisse in Hanau mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Im Laufe das Tages wolle Bundesinnenminister Horst Seehofer dorthin kommen, sagte der Ministerpräsident weiter.

In der hessischen Stadt waren am Mittwochabend neun Menschen an zwei verschiedenen Orten erschossen worden. Stunden nach dem Verbrechen entdeckte die Polizei die Leiche des mutmaßlichen Todesschützen in seiner Wohnung. Dort fanden Spezialkräfte auch noch eine weitere tote Person. Dabei handelte es sich um die 72 Jahre alte Mutter des mutmaßlichen Täters, wie Innenminister Beuth erklärte. Insgesamt kamen damit elf Menschen am Mittwochabend und in der Nacht zum Donnerstag ums Leben. Außerdem wurden mehrere Menschen verletzt. "Aktuell gibt es keine Hinweise auf weitere Täter", schrieb die Polizei auf Twitter.

Der Täter hatte am Mittwochabend gegen 22 Uhr zuerst eine Shisha-Bar am Heumarkt im Westen von Hanau angegriffen. Dort seien mehrere Menschen erschossen worden, teilte die Polizei mit. Ein dunkler Wagen sei von dort davongefahren. Danach wurden vor einer weiteren Shisha-Bar am Kurt-Schumacher-Platz im rund zwei Kilometer weiter westlich gelegenen Stadtteil Kesselstadt weitere Menschen erschossen. Eine mögliche dritte Schießerei im Stadtteil Lamboy bestätigte sich nicht.

Video mit Weltanschauungs-Theorien

Wenige Tage vor dem Verbrechen hatte der mutmaßliche Täter nach Informationen aus Sicherheitskreisen ein Video bei Youtube veröffentlicht. In diesem Video spricht der Mann in fließendem Englisch von einer "persönlichen Botschaft an alle Amerikaner". Der Clip wurde offensichtlich in einer Privatwohnung aufgenommen. Darin sagt der Mann, in den USA existierten unterirdische Militäreinrichtungen, in denen Kinder misshandelt und getötet würden. Dort würde auch dem Teufel gehuldigt. Amerikanische Staatsbürger sollten aufwachen und gegen diese Zustände "jetzt kämpfen".

In dem knapp einstündigen Video behauptet der Mann zudem, Deutschland werde von einem Geheimdienst mit weitreichenden Fähigkeiten gesteuert. Außerdem äußert er sich negativ über Migranten aus arabischen Ländern und der Türkei. Ein Hinweis auf eine bevorstehende eigene Gewalttat in Deutschland ist in dem Video nicht enthalten.

"Entsetzliches Verbrechen"

Bei Twitter rief die Polizei dazu auf, keine Videos oder Nachrichten aus unbekannten Quellen zu verbreiten. "Spekulationen helfen uns nicht weiter", erklärte das Polizeipräsidium Südosthessen. Die Bundesregierung reagierte bestürzt auf das Verbrechen. "Die Gedanken sind heute Morgen bei den Menschen in #Hanau, in deren Mitte ein entsetzliches Verbrechen begangen wurde", schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter.

Ein 24-Jähriger, der nach eigenen Angaben der Sohn eines Kioskbesitzers ist, sagte zu RTL: "Dass so was hier passiert, ist unvorstellbar. Wie in einem Film, wie ein Amoklauf, überall Blut, überall lagen Menschen. Alle waren schockiert." Sein Vater besitze zwei Läden, die sich jeweils neben den Tatorten befinden. Demnach seien unter den Toten zwei Mitarbeiter des Kiosks.

Die zum Main-Kinzig-Kreis gehörende Stadt Hanau liegt rund 20 Kilometer östlich von Frankfurt/Main und hat etwa 100.000 Einwohner. Zur Unterstützung der hessischen Polizei waren auch Beamte aus Bayern im Einsatz. "Bei großen Fahndungslagen wird bundesländerübergreifend unterstützt", erklärte ein Polizeisprecher in Würzburg.

Quelle: ntv.de, cri/dpa/AFP

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