Politik

Prozess um Ägyptens Ex-Staatschef Gericht hebt Todesurteil gegen Mursi auf

RTX2D8A8.jpg

Mohammed Mursi sitzt seit seinem Sturz im Jahr 2013 in Ägypten in Haft.

(Foto: REUTERS)

Ein Gericht in Kairo hebt überraschend das Todesurteil gegen Ägyptens früheren Präsidenten Mursi auf - doch die Freiheit winkt dem einstigen Kopf der Muslimbruderschaft deshalb nicht. Der Prozess muss nun neu verhandelt werden.

Der Prozess gegen den ägyptischen Ex-Präsidenten Mohammed Mursi wird neu aufgerollt. Das entschied das höchste Berufungsgericht des Landes in Kairo. Es nahm damit die in einer früheren Instanz verhängte Todesstrafe gegen den Islamisten zurück. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 65-Jährigen vor, er habe Anfang 2011 gemeinsam mit der palästinensischen Hamas und der libanesischen Hisbollah eine Flucht aus dem Gefängnis organisiert. Im gleichen Jahr soll Mursi an Gewalttaten während der Revolte gegen den damaligen Staatschef Husni Mubarak beteiligt gewesen sein.

Mursi hatte als Kandidat der islamistischen Muslimbruderschaft die Präsidentenwahl im Juni 2012 gewonnen und wurde damit das erste demokratisch gewählte Staatsoberhaupt des Landes. Bereits Anfang Juli 2013 wurde er jedoch nach Massenprotesten gegen seine autoritäre Herrschaft vom Militär gestürzt. Die Armeeführung ließ Demonstrationen der Islamisten blutig niederschlagen.

Die Bruderschaft wurde später verboten und zur Terrororganisation erklärt. Mursi sitzt seit seinem Sturz in Haft. Trotz heftiger internationaler Kritik hatte ein Gericht Mursi vor eineinhalb Jahren in einer früheren Instanz zum Tode verurteilt.

Diverse Anschuldigungen gegen Mursi

Der Islamist ist seit seinem Sturz 2013 ein Dauergast auf ägyptischen Anklagebänken. Die Liste der Anschuldigungen ist lang: Mursi bekam unter anderem wegen Geheimnisverrats, Anstiftung zur Gewalt und Spionage langjährige Haftstrafen. Es wurde allerdings noch kein Urteil in letzter Instanz gesprochen.

Die Zahl der Todesurteile in Ägypten hatte in den vergangenen Jahren unter der Herrschaft des autoritären Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi stark zugenommen. Es werden jedoch nur vergleichsweise wenige der Urteile vollstreckt.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa/AFP

Mehr zum Thema