Politik

"So viele Mediziner wie noch nie" Gesetz soll Ärztemangel beheben

Per Gesetz will Gesundheitsminister den Ärztemangel bekämpfen. Allerdings muss er sich dabei mit den Ländern einigen, die seine Vorschläge bislang sehr kritische sehen. Sie wollen vor allem den Planungszuschnitt verändern. Rösler will aber nicht einfach nur die Zahl der Ärzte erhöhen.

2u2f5742.jpg2062035420074920181.jpg

Gesundheitsminister Rösler mit Niedersachsens Ministerin Özkan.

(Foto: dpa)

Nach jahrelanger Diskussion will Gesundheitsminister Philipp Rösler den Ärztemangel auf dem Land nun mit einem Gesetz bekämpfen. In einer gemeinsamen Kommission mit den Ländern sollen möglichst binnen eines halben Jahres die Eckpunkte abgestimmt werden, sagte Rösler nach einem Sondertreffen mit den Länder-Gesundheitsministern.

Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin Manuela Schwesig kritisierte aber, mit der Kommission verliere die Politik wertvolle Zeit. "Ich bin sehr enttäuscht." Niedergelassene Ärzte und Kliniken sollten möglichst schnell besser zusammenarbeiten. Heute seien beide Bereiche weitgehend unabgestimmt. "Wir wollen Versorgung aus einer Hand", sagte Schwesig. Die rheinland-pfälzische Sozialministerin Malu Dreyer bemängelte, Vorschläge aus dem Rösler-Ressort hätten nichts Neues gebracht. Die Länder hatten zuvor umfassende Vorschläge für die Ärzteplanung vorgelegt.

Länder wollen mehr Einfluss

Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Aygül Özkan, sagte, die Länder wollten mehr Mitsprache bei der medizinischen Versorgung. Die Bedarfsplanung müsse dazu "flexibler und kleinräumiger werden", um den unterschiedlichen Bedingungen auf lokaler Ebene und den demografischen Veränderungen Rechnung tragen zu können. Während die Planung für die Vertragsärzte derzeit in der Hand der Kassenärztlichen Vereinigungen liege, seien für die Krankenhausplanung die Länder zuständig. Künftig müssten Doppelstrukturen, Reibungsverluste und unnötige Kosten vermieden werden.

Nach den Worten Özkans soll es nicht einfach mehr Ärzte geben. Ziel sei es, Mediziner stärker dorthin zu bringen, wo sie nötig seien. "Heute gibt es eine starke Ungleichverteilung: Während es in wohlhabenden Stadtvierteln viele Ärzte gibt, reißen in Problem-Bezirken sowie auf dem Land in Ost und West immer mehr Lücken auf."

Unter den 395 Bezirken für Praxisärzte gibt es viele mit insgesamt genug Medizinern - obwohl von abgelegenen Orten die Entfernung zum nächsten Arzt oft viele Kilometer beträgt. In vielen ländlichen Regionen mit vielen Älteren fehlt es bereits an Hausärzten - vor allem in Ostdeutschland. Bis 2020 wird es laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung rund 7000 Hausärzte weniger in Deutschland geben.

Rösler muss neu planen

Rösler verteidigte seine zunächst zurückhaltende Haltung zu den Ländervorschlägen. Er unterstrich, über Handlungsbedarf und Ziele seien sich Bund und Länder einig. Das Durchschnittsalter der niedergelassenen Ärzte liege zurzeit bei 55 Jahren. Zugleich räumte Rösler ein, dass die Planungsbezirke nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprächen. Über die Ärzte-Planung hinaus sei es aber zentral, dass bereits die medizinische Ausbildung stärker auf den Versorgungsmangel abziele. Wichtig sei auch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Ärzte. Anreize für Jungmediziner müssten erhöht werden, damit sie sich auf dem Land niederzulassen. Hausbesuche sollten besser bezahlt werden.

Die Krankenkassen warnen aber vor weiteren Verteuerungen. "Wir haben so viele Ärzte wie noch nie", sagte die Chefin des Kassen-Verbands, Doris Pfeiffer, der "Welt". "In überversorgten Regionen haben wir 25.000 Ärzte zu viel, in unterversorgten Gegenden ­ vor allem auf dem Land ­ fehlen 800 Mediziner." Finanzielle Anreize bewirkten wenig, um einen Mediziner aufs Land zu locken. Angesichts des Honorarplus für die rund 150.000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten von rund einer Milliarde 2011 dürfe es keine weitere Steigerung geben.

Quelle: ntv.de, dpa/rts