Politik

Gesicht des Mullah-Regimes Oberhaupt Chamenei regierte Iran seit Jahrzehnten mit harter Hand

28.02.2026, 21:37 Uhr
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Seit 1989 ist Ayatollah Ali Chamenei oberster Führer des Irans. (Foto: picture alliance/dpa/Office of the Iranian Supreme Leader/AP)

Aus der Opposition stieg Ayatollah Ali Chamenei nach dem Sturz des Schahs rasch in Führungspositionen auf. Proteste ließ der konservative Hardliner blutig niederschlagen. Er zählte zu den Hauptzielen der israelischen und US-Angriffe auf den Iran: Jetzt wurde er laut Berichten getötet.

Als geistliches Oberhaupt des Iran war Ayatollah Ali Chamenei seit Jahrzehnten die Nummer eins in der Islamischen Republik. Sein harter, extrem konservativer Kurs traf in den vergangenen Jahren aber auf wachsenden Widerstand in der Bevölkerung, zuletzt bei den blutig niedergeschlagenen Massenprotesten der Bevölkerung im Januar. Bei den Angriffen der USA und Israels gegen den Iran am Samstag soll der 86-Jährige ausdrücklich im Visier gestanden haben.

Chamenei sowie Irans Präsident Massud Peseschkian "gehörten zu den Zielen des Angriffs" vom Samstag, berichtete der israelische Sender Kan unter Berufung auf eine israelische Quelle. Staatliche iranische Medien berichteten, Präsident Peseschkian sei "sicher und wohlauf". Einem israelischen Insider zufolge ist Chamenei getötet worden. Seine Leiche sei gefunden worden, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters.

"Tod dem Diktator" oder "Tod Chamenei" - diese Slogans waren bei den jüngsten Massenprotesten gegen die Regierung im Iran immer wieder zu hören gewesen. Denn der Hardliner wird für die Wirtschaftsmisere des Landes genauso verantwortlich gemacht wie für fehlende Freiheiten und die brutale Unterdrückung von Opposition. Allein im Januar sollen nach Angaben der in den USA ansässigen Menschenrechtsorganisation Hrana mehr als 7000 Menschen überwiegend bei den Protesten getötet worden sein.

Wiederholt im Gefängnis

Seit Jahrzehnten verkörperte Chamenei die Islamische Republik und das schiitische Mullah-System. Zum Obersten Führer des Iran stieg er im Juni 1989 nach dem Tod von Republikgründer Ayatollah Ruhollah Khomeini auf. Der 1939 als Sohn eines Geistlichen in der ostiranischen Pilgerstadt Maschhad geborene Chamenei gehörte seit seinen Studientagen an den Religionsseminaren in Ghom zum innersten Kreis um Khomeini.

Schon früh fiel der junge Geistliche mit einer Vorliebe für Poesie als geschliffener Redner auf. Wegen seiner Aktivitäten in der Opposition gegen die Herrschaft des Schahs wurde er wiederholt inhaftiert, nach dem Sieg der Islamischen Revolution 1979 stieg er dann rasch in die Staatsführung auf. Während des nachfolgenden Machtkampfs entkam Chamenei nur knapp einem Anschlag, der seine rechte Hand teils gelähmt ließ.

Als Revolutionsführer Khomeini 1989 starb, wurde Chamenei vom Expertenrat zu seinem Nachfolger gewählt. Zwar gehörte er damals als Präsident zur Führung des Landes, doch hatte er nur den mittleren geistlichen Rang eines Hodschatoleslam. Als er dann zum Ayatollah erklärt wurde, erkannten Teile des Klerus seine Autorität nicht an, und auch sein politischer Führungsanspruch war zunächst umstritten.

Konservativer Hardliner

Dies änderte sich jedoch mit der Zeit. In den Machtkämpfen mit den Reformern, die sich während der Präsidentschaft von Mohammed Chatami von 1997 bis 2005 für die politische und kulturelle Öffnung des Landes einsetzten, stellte sich Chamenei immer wieder hinter die konservativen Hardliner.

Auf Bildern, die im Iran in den Ämtern hingen, konnte Chamenei mit seinem sanften Lächeln neben dem stechenden Blick Khomeinis wie ein gütiger Großvater erscheinen. Doch der Ajatollah mit dem schwarzen Turban und dem weißen Bart vertrat ein streng konservatives Weltbild, das er mit aller Härte durchsetzte. Die Öffnung des politischen Systems lehnte er ebenso ab wie die Lockerung der strengen Kleiderregeln oder der scharfen Zensurmaßnahmen.

Vor allem aber widersetzte er sich einer Annäherung an die USA, denen er zutiefst misstraute: Er war nicht bereit, ihre Unterstützung für das autoritäre Schah-Regime zu vergessen und auch nicht ihre Schützenhilfe für den irakischen Machthaber Saddam Hussein im Iran-Irak-Krieg von 1980 bis 1988. Die feindselige Politik mehrerer US-Präsidenten bis hin zu Donald Trump bestätigte sein Misstrauen gegenüber dem "Großen Satan" nur.

Lässt Proteste brutal niederschlagen

Eine der größten Herausforderungen seiner Macht erlebte Chamenei, als nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad 2009 hunderttausende Iraner auf die Straße gingen und einen Systemwechsel forderten. Doch die sogenannte Grüne Bewegung ließ Chamenei ebenso brutal niederschlagen wie die Proteste, die Ende 2019 nach der Erhöhung der Benzinpreise das Land erschütterten oder wie die Massendemonstrationen nach dem Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini, die im September 2022 nach ihrer Festnahme wegen angeblichen Verstoßes gegen die Kleiderordnung gestorben war.

Für Chamenei stand die Bewahrung der islamischen Revolution stets im Zentrum seiner Politik. Zugleich agierte er aber auch als kühl kalkulierender Realpolitiker, der notfalls zu schmerzhaften Kompromissen bereit war. Unter dem Druck der internationalen Wirtschaftssanktionen stimmte er 2015 der Beschränkung von Irans Atomprogramm zu und hielt trotz des Austritts von Trump aus dem Abkommen in dessen erster Amtszeit lange daran fest.

Nachdem Chamenei jahrelang mit seinem konfrontativen Kurs gegenüber den USA und Israel seine Stärke demonstrierte und pro-iranische Milizen wie die libanesische Hisbollah oder die palästinensische Hamas unterstützte, während er gleichzeitig einen direkten Konflikt vom Iran fernhielt, fand diese Strategie im vergangenen Jahr ein abruptes Ende: Israel griff mit Unterstützung der USA den Iran im Juni militärisch an, um dessen Atomprogramm zu zerstören. Im Zwölf-Tage-Krieg wurde die militärische Unterlegenheit des Iran nur allzu deutlich.

Bedroht war aber auch das physische Überleben Chameneis, denn Israel tötete damals reihenweise hochrangige Militärchefs und Atomwissenschaftler des Iran mit gezielten Angriffen. Trump soll jedoch nach Angaben eines US-Regierungsvertreters Einspruch gegen einen israelischen Plan eingelegt haben, Irans geistliches Oberhaupt direkt zu töten. Dies könnte dieses Mal anders gewesen sein.

Quelle: ntv.de, Von Stuart Williams, AFP

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