Politik

"Atomkrieg verhindern" Gorbatschow mahnt Russland und die USA

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Ruft Russland, die USA und die EU zu Verhandlungen und Treffen auf: Michail Gorbatschow.

(Foto: picture alliance / -/kyodo/dpa)

Michail Gorbatschow spielt schon lange keine aktive Rolle mehr in der russischen Politik, doch zumindest im Westen hat sein Wort noch Gewicht. Kurz vor seinem 90. Geburtstag fordert der sowjetische Ex-Präsident die USA und Russland zur Abrüstung auf. Zugleich hofft er auf ein besseres Verhältnis zur EU.

Der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow hat den neuen US-Präsidenten Joe Biden und dessen russischen Kollegen Wladimir Putin zur atomaren Abrüstung aufgerufen. Nach der Verlängerung des atomaren Abrüstungsvertrags New Start Anfang Februar sollten die beiden Staatschefs persönlich über weitere Abrüstungsschritte verhandeln, sagte Gorbatschow in einem Interview mit der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Ein persönliches Treffen von Putin und Biden sei "zwingend erforderlich".

"Die Erfahrung zeigt, dass es notwendig ist, sich zu treffen und zu verhandeln", sagte Gorbatschow. "Die Hauptsache ist heute, einen Atomkrieg zu verhindern", erklärte er. Dies jedoch könne kein Land allein. "Wenn der Wunsch nach Abrüstung und Stärkung der Sicherheit vorherrscht, kann so viel erreicht werden", ermutigte Gorbatschow die Staatschefs der USA und Russlands.

Weniger Abrüstung unter Trump

Der New-Start-Vertrag von 2010 ist das letzte atomare Abrüstungsabkommen zwischen den USA und Russland. Beide Länder verpflichten sich darin, die Zahl ihrer Atomsprengköpfe auf jeweils maximal 1550 zu beschränken. Russland und die USA besitzen zusammen rund 90 Prozent der weltweiten Atomwaffen.

Unter Bidens Vorgänger Donald Trump hatten die USA ihre Abrüstungsvereinbarungen mit Russland insgesamt reduziert. So stiegen sie aus dem INF-Vertrag über die atomare Abrüstung im Mittelstreckenbereich aus. Auch kündigten die USA den Open-Skies-Vertrag über Rüstungskontrolle aus der Luft auf.

"Wir sind alle Europäer"

In dem Interview äußerte Gorbatschow auch die Hoffnung auf eine Besserung des Verhältnisses zwischen Russland und der Europäischen Union. "Man darf keine Angst vor Verhandlungen haben", erklärte er.

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Die Beziehungen zwischen Moskau und Brüssel sind etwa im Ukraine-Konflikt so gespannt wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr. "Nur Verhandlungen, nur die Treffen auf allen Ebenen - vor allem auf höchster - können positive Ergebnisse bringen. Ich glaube daran", sagte Gorbatschow. "Man muss verstehen, dass wir alle Europäer sind (...) Das bedeutet, dass wir verhandeln müssen."

Gorbatschow war von 1985 bis 1991 Generalsekretär der KPdSU und von 1990 bis 1991 sowjetischer Präsident. 1990 wurde er mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Am kommenden Dienstag, den 2. März, feiert er seinen 90. Geburtstag.

Quelle: ntv.de, vpr/AFP/dpa

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