Größte Städte bleiben linksRechtsextreme RN erobert etwa 30 Orte in Frankreich

Sie hofft auf Siege in Toulon und Marseille, erlebt aber einen herben Rückschlag: Die rechtsextreme Partei Rassemblement National kann bei den französischen Kommunalwahlen in keiner großen Stadt gewinnen. Rund 30 kleinere Orte dürften aber RN-Bürgermeister bekommen.
Die rechtsextreme Partei Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen hat bei den französischen Kommunalwahlen einen Rückschlag hinnehmen müssen. In Toulon, der größten Stadt mit ursprünglich guten Chancen auf das Bürgermeisteramt, kam der RN nach Prognosen auf 46,5 Prozent der Stimmen. Die Mitte-Rechts-Kandidatin Josée Massi sicherte sich demnach mit 53,5 Prozent den Sieg in der südfranzösischen Stadt, wie das Institut Elabe für den Sender BFM TV ermittelte.
Auch in Marseille, der zweitgrößten Stadt des Landes, schlug der linke Bürgermeister Benoit Payan von La France Insoumise (LFI) seinen rechtsextremen Herausforderer Frank Allisio deutlich. Der RN hatte gehofft, durch einen Sieg in Marseille mit Rückenwind in die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr zu starten.
In Paris setzte sich der Sozialist Emmanuel Gregoire gegen die konservative Ex-Ministerin Rachida Dati durch. Grégoire war lange die rechte Hand der bisherigen Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo und will deren klima- und fahrradfreundliche Politik fortsetzen. Dati war vom Präsidentenlager unterstützt worden, wobei Präsident Emmanuel Macron öffentlich bestritt, sich persönlich für sie eingesetzt zu haben. Mit dem Sieg baut das linke Lager seine Macht in der französischen Hauptstadt weiter aus. Die Sozialisten regieren dort seit 25 Jahren und haben mit ihrem ökologischen Stadterneuerungsprojekt bei vielen Wählern Anklang gefunden.
Der RN eroberte nach eigenen Angaben etwa 30 Städte. Dazu zählen etwa die südfranzösischen Orte Orange, Carcassonne und Carpentras sowie der nordfranzösische Ort Liévin. In der südfranzösischen Stadt Nizza setzte sich der mit dem RN verbündete Kandidat Eric Ciotti durch.
Die Tausenden einzelnen Abstimmungen in den französischen Gemeinden sind oft von lokalen Themen geprägt. Ihr Ausgang lässt keine direkten Rückschlüsse auf den Sieger der Präsidentschaftswahl im April 2027 zu. Sie gelten jedoch als wichtiger Stimmungstest und zeigen, welche politischen Allianzen in der zunehmend zersplitterten Parteienlandschaft Frankreichs möglich sind.