Politik

Blitzumfrage zu Thüringen Große Mehrheit lehnt Kemmerich-Wahl ab

Die Wahl von Kemmerich zum Ministerpräsidenten mit AfD-Stimmen finden die allermeisten Bundesbürger schlecht. Sein Rücktritt stößt auf breite Zustimmung wie eine Blitzumfrage im Auftrag von RTL und ntv zeigt. Die Vorgänge in Thüringen schaden zudem auch den Vorsitzenden von CDU und FDP.

Drei von vier Bundesbürgern lehnen die Wahl des FDP-Landesvorsitzenden Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten Thüringens mit Stimmen der AfD ab. Das geht aus einer Blitzumfrage von Forsa im Auftrag von RTL und ntv hervor. Dabei gibt es allerdings große Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern. Während im Westen nur 17 Prozent der Befragten die Wahl als gut oder sehr gut bezeichneten, fanden dies im Osten 28 Prozent.

Geordnet nach Parteianhängern fanden auch nur 37 Prozent der FDP-Unterstützer die Wahl Kemmerichs gut oder sehr gut. Bei den Unionsanhängern war die Gruppe der Befürworter mit 15 Prozent noch einmal deutlich kleiner. Gar 81 Prozent der CDU/CSU-Sympathisanten fanden die Wahl schlecht oder sehr schlecht. Das sind fast so viele wie bei SPD, Grünen und Linken, bei denen zwischen 92 und 94 Prozent der Anhänger die Wahl ablehnten. Die höchste Zustimmung genoss Kemmerich bei der AfD, deren Anhänger die Wahl zu 82 Prozent als gut oder sehr gut begrüßten.

Wenige betrachten AfD als normale Partei

In Ost wie West stimmte die Hälfte der Befragten der Aussage zu, die Stabilität des demokratischen Systems sei gefährdet, wenn sich ein Ministerpräsident von einer äußerst rechten Partei mitwählen lasse. Bei den FDP-Anhängern stimmte nur jeder dritte Befragte (32 Prozent) dieser Aussage zu. In der Frage, ob Kemmerich die Wahl hätte annehmen dürfen, ist das Meinungsbild zwischen Ost und West ähnlich: In den neuen Bundesländern bejahten 28 Prozent diese Frage, in den alten Bundesländern waren es 33 Prozent. Von den FDP-Anhängern waren immerhin 49 Prozent dieser Meinung.

Noch vor Bekanntwerden von Kemmerichs Entscheidung fragte Forsa zudem, ob der neue Ministerpräsident zurücktreten solle. Dem stimmten 64 Prozent der Befragten zu. Von den FDP-Anhängern sprachen sich hierfür nur 50 Prozent aus, bei den Unionsanhängern waren es 68 Prozent. 88 Prozent der AfD-Wähler wollten, dass Kemmerich im Amt bleibt.

Der Aussage, die AfD sei eine normale Partei, mit der die anderen Parteien zusammenarbeiten sollten, stimmten bundesweit nur 17 Prozent zu. Im Osten sind allerdings 27 Prozent der Befragten für eine Zusammenarbeit, fast doppelt so viele wie im Westen (15 Prozent). Unter den FDP-Anhängern lehnen 76 Prozent eine Kooperation ab. Ein weiterer Hinweis darauf, dass Kemmerich seiner Partei keinen Gefallen getan hat.

AKK und Lindner wirken schwach

Dass die Kemmerich-Wahl auch der CDU-Parteivorsitzenden geschadet hat, zeigt die Umfrage ebenfalls. 66 Prozent der Befragten glauben nicht, dass sich Annegret Kramp-Karrenbauer in ihrer Partei noch in ausreichendem Maße durchsetzen kann. Unter den Unionsanhängern glauben 53 Prozent nicht, dass AKK noch über genug Durchsetzungskraft verfügt.

Auch für Christian Lindner hat das Debakel Folgen. Er will sich am Freitag erneut vom Parteivorstand bestätigen lassen. Unter den FDP-Anhängern glauben nur 57 Prozent, dass sich Lindner noch in ausreichendem Maß in der eigenen Partei durchsetzen kann. Unter allen Befragten sind es 43 Prozent.

Insgesamt befragte Forsa am Donnerstag, 6. Februar, bundesweit 1008 Menschen. Die statistische Fehlertoleranz beträgt +/- 3 Prozentpunkte.

Quelle: ntv.de, shu