Politik

Flügel wollen bedient werden Grüne setzen auf Doppelspitze

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(Foto: dpa)

Bei den Grünen sollen die Mitglieder den Machtkampf entscheiden. Wer wird die Spitze im Bundestagswahlkampf? Trittin und Roth, Trittin und Künast, Roth und Künast - oder ganz andere? Der Flügelkampf könnte wieder ein Spektakel werden. Parteichef Özdemir klinkt sich schon vorher aus.

Die Grünen wollen wieder mit einer Doppelspitze in die Bundestagswahl 2013 ziehen. Darauf hätten sich die führenden Grünen geeinigt, heißt es aus Parteikreisen in Berlin. Mit Parteichef Cem Özdemir signalisierte einer der vier bislang in Frage kommenden Bewerber zudem, nicht für die Spitzenkandidatur zur Verfügung zu stehen.

In Parteikreisen hieß es, die Bewerbungsfrist für die Doppelspitze solle im September enden. Sollte es mehr als zwei Bewerber geben, werde es zu einer Urwahl durch die Parteimitglieder kommen. Offiziell soll am Montag bekannt gegeben werden, wie sich die Parteispitze die Kür der Spitzenkandidaten vorstellt. Dann muss zunächst der Parteirat und später der Länderrat über das Vorgehen entscheiden.

Der Parteivorsitzende Özdemir sagte: "Ein Spitzenkandidat sollte möglichst im Bundestag sitzen, um dort die Debatten auch führen zu können." Da Özdemir kein Bundestagsmandat hat, scheidet er nach dessen eigenen Kriterien als Bewerber aus. Er sagte weiter, er wolle sich kommenden Herbst um seine Wiederwahl als Parteivorsitzender bewerben. Außerdem wolle er sich in seinem baden-württembergischen Landesverband um ein Bundestagsmandat nach der Wahl im kommenden Jahr bemühen.

Roth und Trittin werden gehandelt

Bislang hat nur die Co-Parteivorsitzende Claudia Roth ihr Interesse angemeldet, Mitglied des Spitzenteams der Grünen zu werden. Als sicherer Kandidat gilt in Parteikreisen auch der Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Jürgen Trittin. Ihm wird vielfach zugetraut, die Partei am besten nach außen zu vertreten. Außerdem gilt er sowohl für viele Linke wie auch Realos als gute Wahl. Nicht erklärt hat sich bislang die Co-Fraktionsvorsitzende Renate Künast. Weitere mögliche Bewerber zeichnen sich bislang nicht ab.

Flügelkämpfe nicht ausgeschlossen

Künast gilt als angeschlagen, seitdem sie bei der Berlin-Wahl das Ziel verfehlte, den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit abzulösen. Bei der vergangenen Bundestagswahl 2009 bildete sie zusammen mit Trittin das Spitzenduo. Ob der als weitgehend unumstritten geltende Trittin diesmal mit der Parteivorsitzenden Roth in den Wahlkampf ziehen könnte, wäre wegen der innerparteilichen Machtverhältnisse heikel. Trittin wie Roth gehören dem linken Flügel der Partei an. Nach der Parteiraison sollten aber in einer Doppelspitzen Realos wie Linke vertreten sein. Der Realo und Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer monierte in der "Süddeutschen Zeitung" bereits, alle Teile der Partei müssten eingebunden werden.

Mit der Entscheidung für eine Doppelspitze ist eine Einzelkandidatur von Trittin vom Tisch. Sogar Teile des Realoflügels hatten dies nach dem Vorbild des Wahlkampfes in Baden-Württemberg gefordert. Dort hatte Winfried Kretschmann als alleiniger Spitzenkandidat die Landtagswahl gewonnen und ist seitdem erster grüner Ministerpräsident. Noch vor wenigen Tagen hatte Kretschmann auch für die Bundestagswahl nur einen Spitzenkandidaten empfohlen.

Quelle: ntv.de, dpa