Politik

Weil im "ntv Frühstart" "Habe Verständnis für bayerisches Vorgehen"

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil ist gegen einen harten Lockdown im ganzen Land. Für Markus Söders Entscheidung, rigorosere Maßnahmen zu verhängen, hat er dennoch Verständnis. Im "ntv Frühstart" äußert Weil große Hoffnungen auf das kommende Jahr.

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil hat sich gegen einen harten Lockdown, zum Beispiel für die Zeit nach Weihnachten, ausgesprochen. Ein solcher Lockdown würde viele Unternehmen in der jetzigen Lage zu schwer treffen, so Weil. "Ich rate an dieser Stelle eher zur Zurückhaltung, zur Vorsicht und zur Abwägung, anstelle zu schnell zu einfache Lösungen zu propagieren", sagte der SPD-Politiker in der ntv-Sendung "Frühstart".

Trotzdem zeigte Weil Verständnis für die Entscheidungen des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, der zusätzliche, strengere Corona-Regeln angekündigt hat. "Wenn ich in Niedersachsen solche Zahlen zu verzeichnen hätte, wie sie derzeit in Bayern herrschen, dann wäre ich auch unruhig. Insofern habe ich auch Verständnis für das Vorgehen der Staatsregierung dort", sagte Weil. Insgesamt sei es "ziemlich schwer" für die unterschiedlichen Situationen in Deutschland dieselben Regeln zu finden, sagte der SPD-Politiker.

Mit Blick auf Niedersachsen habe man im Vergleich zu Sachsen oder Bayern "erfreulicherweise eine ganz andere Situation". Es müsse deswegen auch in der Bevölkerung deutlich werden, dass bei niedrigeren Inzidenzwerten "tatsächlich ein bisschen mehr geht, als wenn sie woanders sehr hoch sind", sagte Weil.

"Wir waren nicht naiv"

Weil sei nicht der Meinung, dass man im Umgang mit dem Virus "naiv" gewesen sei. Der Ministerpräsident fügte aber hinzu: "Offenbar haben alle Regierungen in allen europäischen Staaten nicht erwartet, dass diese zweite Welle mit einer solchen Wucht und auch so hartnäckig kommen werde. Daran gemessen schlagen wir uns in Deutschland noch recht achtbar."

Bezüglich der wiederholten Auseinandersetzungen zwischen Bund und Ländern, forderte Weil, dass man aufhören müsse "Schwarzer Peter" zu spielen. Die Situation sei für alle eine große Herausforderung. Daher sei es wichtig, dass Bund und Länder die gleiche "Sprache sprechen" und die gleichen Signale sendeten. "Das ist mir persönlich jedenfalls wichtiger, als anderen nachzuweisen, man hätte es ja eigentlich schon immer gewusst", sagte Weil.

Der Impfstoff wiederum könne eine "echte Perspektive" für das neue Jahr sein, sagte Niedersachsens Ministerpräsident. Er habe Hoffnung, dass man am Ende des ersten Halbjahres sagen könne, es sei gelungen, "einen nennenswerten Teil unserer Gesellschaft" zu impfen und "damit das Sicherheitsniveau deutlich höher" zu bekommen. "Ich bin davon überzeugt: Wir haben die Chance, dass wir im Jahr 2021 das Virus unter Kontrolle kriegen", sagte Weil.

Quelle: ntv.de, psa