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Bayrische Delegation reist nach Rom Happy Birthday, Papst Benedikt!

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(Foto: picture alliance / dpa)

Der deutsche Papst ist seit sieben Jahren im Amt. Benedikt sieht sich als Bewahrer seiner Kirche, nicht als Reformer. Krisen wie der Missbrauchsskandal prägen sein Pontifikat. Jetzt feiert der Theologe seinen 85. Geburtstag. Auch Horst Seehofer kommt.

Seit sieben Jahren schon führt Papst Benedikt XVI. als konservativer Hüter auf dem Stuhl Petri seine Weltkirche. Auf den Spuren seines Vorgängers Johannes Paul II. verfolgt Joseph Ratzinger dabei vor allem das eine Ziel, die Herde der weit über eine Milliarde Katholiken zusammenzuhalten.

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Papst Benedikt und sein Bruder Georg Ratzinger.

(Foto: AP)

Er will sie gegen die Versuchungen einer "gottabgewandten" und konsumorientierten Welt wappnen. Und er ruft zur verstärkten Verbreitung des christlichen Glaubens auf. Krisen wie der Missbrauchsskandal prägten sein Pontifikat. Riesige Begeisterung, wie sie ihm in Lateinamerika und Afrika entgegenschlägt, die er aber auch beim Deutschland-Besuch 2011 erlebte, ist dagegen Balsam. Heute feiert er seinen 85. Geburtstag - mit viel deutschem Besuch.

"Groß feiern", das passt allerdings nicht zu dem zurückhaltenden bayerischen Theologen. Kurz nach dem langen Pastoralbesuch in Mexiko und Kuba und den stressigen Feierlichkeiten zu Ostern hätte er eine längere Ruhepause in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo sicherlich genossen. Doch dazu kam es nicht. Dieser Montag werde stark bayerisch geprägt sein, hat Privatsekretär Georg Gänswein angekündigt. Immerhin reist eine Delegation aus dem Freistaat an, mit Regierungschef Horst Seehofer (CSU) an der Spitze. Auch Papstbruder Georg Ratzinger sowie Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Bischofskonferenz, feiern mit.

Ein Geburtstagsgeschenk gab es schon vorab: Edmund Stoiber, bayerischer Ex-Ministerpräsident, brachte Benedikt am Ostermontag in Castel Gandolfo das von Gänswein herausgegebene Buch "Prominente über den Papst" vorbei. An seinem Geburtstag kann Benedikt mit einem Strauß an Gratulationen rechnen, die - seinem Alter geschuldet - vor allem auch Wünsche für eine gute Gesundheit einschließen dürften.

Es geht ihm gut

Dem Papst gehe es gut, wird sein Sprecher Federico Lombardi nicht müde zu betonen. Seit einiger Zeit steht Benedikt für den langen Gang im Petersdom ein fahrbares Podium zur Verfügung. Das schont die Knie. Unlängst stützte er sich auch auf einen Stock. In einem vielbeachteten Interview-Buch meinte er, ein Pontifex könne durchaus abtreten, wenn es geistig und körperlich nicht mehr gehe.

Die Gesundheit seiner Herde liegt Benedikt besonders am Herzen. Am Gründonnerstag beklagte er in einer vorösterlichen Messe die "oft dramatische Lage der Kirche" und verlangte Gehorsam. Er meinte dabei jene Reformer, die zu Ungehorsam in der Kirche aufrufen - und die Frauen sowie verheiratete Männer zum Priesteramt zulassen wollen.

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Bayern und der Papst - das ist eine enge Verbindung. Benedikt XVI. liebt es, wenn bei seiner wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz weiß-blaue Fahnen wehen.

(Foto: dpa)

Konservativ, sperrig und für viele unzeitgemäß ist der Pontifex, der als Präfekt der Glaubenskongregation über zwei Jahrzehnte lang Kirchengeschichte geschrieben hat. Bahnbrechende Reformen erwartet wohl kaum jemand noch von ihm. Aber Benedikt setzt auch Akzente. So wie er es schon als junger Theologe beim Zweiten Vatikanischen Konzil getan hat, das in diesem Jahr ebenfalls "Geburtstag" feiert - am 11. Oktober vor 50 Jahren begann jenes Reformkonzil (bis 1965), das dann Akzente auf den Dialog setzte und eine Öffnung zu anderen Religionen brachte. Benedikt sieht sich sehr wohl in der Tradition des Konzils.

Als einer der wichtigsten Kirchenmänner der neueren Zeit geht der brillante Theologe sowieso in die Kirchengeschichte ein. Die Welle der aufgedeckten Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen war die schwerste, aber nicht die einzige Krise in seinem Pontifikat. So war Benedikts Zugehen auf die erzkonservativen Pius-Brüder mit dem Holocaust-Leugner Richard Williamson von vielen Gläubigen fassungslos aufgenommen worden. Das lange Tauziehen zwischen Pius-Brüdern und Vatikan um die richtige Doktrin ist immer noch nicht ausgestanden.

Einsam hinter Vatikanmauern

Ratzinger sitze einsam hinter Vatikanmauern, es mangele ihm an Beratern, meinen Kritiker. Dass er streng konservativ ist, hat damit wohl weniger zu tun. Wobei Interview-Bücher und seine Auftritte vor den Medien einen durchaus lockeren und aufgeschlossenen Pontifex zeigen. Vom Kirchenvolk ersehnte Reformen etwa beim Zölibat oder der Sexualmoral sind ausgeblieben, dafür machten Reden Schlagzeilen. So beim Besuch seiner bayerischen Heimat 2006, als der Ex-Professor mit einer Verknüpfung von Islam und Gewalt ins Fettnäpfchen trat. Doch das vertiefte dann den von ihm gewollten "Dialog der Religionen".

Drei Enzykliken hat er veröffentlicht, zu Liebe und Hoffnung sowie zu Sozialfragen. Prägender scheinen seine Reisen zu sein: Er betrat als erster Papst eine Synagoge in Deutschland und sprach im ehemaligen KZ Auschwitz sowie in Jerusalems Holocaust-Gedenkstätte. Und er traf immer wieder Missbrauchsopfer. Als dieser Skandal sich ausbreitete und immer mehr Kirchenleute gerade auch in Deutschland am Pranger standen, versuchte er mit einer "Null-Toleranz"-Politik und einer Bitte um Vergebung die Schmach seiner Kirche zu mildern.

Joseph Ratzinger wurde am 16. April 1927 als Sohn eines Gendarmeriemeisters in Marktl am Inn in der Nähe von Passau geboren. Nach dem Theologie- und Philosophiestudium wurde er 1951 zum Priester geweiht, mit 30 Jahren habilitierte er und wurde Dogmatik-Professor an der Freisinger Hochschule. Die Wissenschaft hatte ihn gepackt, er lehrte dann in Bonn, Münster, Tübingen und Regensburg. 1977 wurde er Erzbischof von München und Freising und wenig später auch Kardinal.

1981 machte ihn Johannes Paul zum Chef der Glaubenskongregation, jener Vatikan-Behörde also, die sich dem Schutz der "Glaubens- und Sittenlehre" verschrieben hat. Dieser Posten schien maßgeschneidert für den kühlen Denker und Dogmatiker. Ob die Verdammung künstlicher Geburtenregelung, das Verbot weiblicher Priester oder die Haltung zur Befreiungstheologie in Lateinamerika: Das oberste Urteil im Vatikan trug zumeist die Handschrift des Vertrauten von Johannes Paul II.

Nirgendwo war die Kritik an Benedikt so laut wie in Deutschland: Für viele ist der Mann mit den schlohweißen Haaren einfach das Symbol für Härte und weltfernen Konservativismus. Dabei hatte ihn zunächst eine Welle der Begeisterung und der Sympathie getragen. Doch bleibt er ein Papst, der unbeirrt seinem inneren Kompass zu folgen scheint.

Quelle: n-tv.de, Hanns-Jochen Kaffsack, dpa

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