Politik

CDU bald mit Doppelspitze? Haseloff: "Wir haben Erfahrung mit Führungsfrauen"

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Die Mitgliederbefragung sei nur der erste Schritt für die Erneuerung der CDU, sagt Reiner Haseloff.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild POOL)

Die CDU ist im Wandel: Zum ersten Mal soll bei der Wahl des Vorsitzenden die Basis mitentscheiden. Für Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Haseloff ist das erst der Anfang eines Erneuerungsprozesses seiner Partei. Das sagt er am Dienstagabend in der Talkshow mit Markus Lanz im ZDF.

Am Ende kam heraus, was alle erwartet hatten: Zum ersten Mal in der Geschichte der CDU werden alle Parteimitglieder nach ihrer Meinung gefragt. Es geht um nichts Geringeres als die Wahl des Parteichefs. Wer dafür zur Wahl stehen wird, ist bisher noch völlig unklar.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff wird es sicher nicht sein. Aber er gehörte zu den Ersten, die die Entscheidung des CDU-Vorstandes kritisiert hatten, Armin Laschet zum Unions-Kanzlerkandidaten zu küren. Mit ihm hatten CDU und CSU nicht nur die Bundestagswahl verloren. Er wird auch als der CDU-Vorsitzende mit der kürzesten Amtszeit in die Geschichte eingehen.

"Dieser Weg ist irreversibel"

Die Erleichterung über die Entscheidung seiner Partei, über den zukünftigen CDU-Vorsitzenden alle Mitglieder zu befragen, ist Haseloff deutlich anzumerken. "Ich glaube, es war dran", sagt er am Dienstagabend bei Markus Lanz im ZDF. "Die Signale aus den Landesverbänden waren zu großen Teilen eindeutig", so der Ministerpräsident. Eine Partei, die eine Wahl gewinnen wolle, brauche auch eine Person an der Spitze, die die Chance habe, gewählt zu werden. Eine solche Entscheidung sei im Bundesvorstand "nur eingeschränkt" möglich gewesen.

Mit dem richtigen Kandidaten hätte die Union die Wahlen gewinnen können, ist sich Haseloff sicher - und denkt dabei vermutlich an Markus Söder, für den sich die CDU-Kreisverbände im Osten mehrheitlich ausgesprochen hatten. Doch hört man Haseloff jetzt zu, meint man zumindest für sehr kurze Zeit, er sei in den letzten Wochen ein echter Laschet-Fan geworden. Laschet habe einen guten Charakter, sagt er. Er sei freundlich. Und dann nimmt er ihn auseinander. Aber richtig!

Laschet hatte am Nachmittag auf einer Pressekonferenz erklärt, die CDU-Mitglieder sollten "einmalig" zur Wahl ihres Parteivorsitzenden befragt werden. Rechtlich verbindlich sei die Befragung auch nicht. Haseloff sieht das völlig anders. Bei Markus Lanz sagt er: "Es ist ein Weg beschritten worden. Dieser Weg ist irreversibel! Es wird immer eine starke Einbindung der Basis geben!"

Haseloff und die CDU-Revolution

Die Satzungslage sei tatsächlich so, wie es Laschet beschrieben hat, sagt Haseloff. "Das muss man formal zugeben." Doch jetzt sei die Mitgliederbefragung gesetzt. "Ich denke, da wird es auch einen Prozess geben, das zu institutionalisieren." Die CDU werde sich in Zukunft deutlicher als Volkspartei der Basis darstellen.

Und wo Haseloff schon die CDU-Revolution ausruft, bringt er gleich noch den Bruch mit einer uralten Tradition ins Gespräch. "Bei uns gibt es noch keine Doppelspitze", beantwortet er die Frage des Moderators nach einer erneuten weiblichen CDU-Vorsitzenden. "Das müsste dann geändert werden. Der Prozess müsste angestoßen werden, wenn man das möchte."

Ob sich Haseloff wirklich eine Doppelspitze vorstellen kann, versäumt der Moderator leider zu fragen. Also gibt er die Antwort einfach ungefragt: "Wir haben Erfahrung mit Führungsfrauen. Mit dieser Erfahrung werden wir die oder den besten (Kandidaten) bringen." Und dann der alles entscheidende Satz: "Und wenn mal die Satzung geändert worden ist, dann haben wir beide Geschlechter dabei." Die Mitgliederbefragung sei jedenfalls nur der erste Schritt, verspricht Haseloff.

Quelle: ntv.de

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