Politik

Der Kriegstag im Überblick Heftige Kämpfe im Donbass - Schlacht um Mariupol beendet

2022-05-21T160049Z_298676681_RC2RBU9SQ4L9_RTRMADP_3_UKRAINE-CRISIS-BAKHMUT.JPG

Nach einem Raketenangriff zerstörtes Gebäude auf dem Universitätscampus in Bakhmut in der Region Donezk.

(Foto: REUTERS)

Die russische Armee versucht offenbar mit neuen Angriffen, die noch unter ukrainischer Kontrolle stehenden Teile der östlichen Provinz Luhansk zu erobern. Die Schlacht in Mariupol ist hingegen beendet - nach eigenen Angaben erringt Russland die komplette Kontrolle über das zuletzt noch umkämpfte Asow-Stahlwerk. Der 87. Kriegstag im Überblick.

Kiew: Massive Gefechte im Donbass

Der ukrainische Generalstab registrierte eine Vielzahl von russischen Angriffen vor allem im Osten. Der ukrainische Gouverneur Serhij Gaidai erklärte über Telegram, die russische Armee versuche, die Stadt Siewierodonezk zu zerstören. Am Stadtrand fänden Gefechte statt.

Nach Darstellung des Generalstabs in Kiew geht es dem Gegner weiter darum, die komplette Kontrolle über die Gebiete Luhansk und Donezk zu erlangen, um einen Landkorridor auf die von Russland 2014 annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim abzusichern. Teile der Provinzen Luhansk und Donezk befanden sich bereits vor dem russischen Einmarsch am 24. Februar unter der Kontrolle prorussischer Separatisten.

Moskau: Letzter Widerstand im Stahlwerk in Mariupol gebrochen

Nach Wochen heftiger Kämpfe hat Russlands Armee eigenen Angaben zufolge das Stahlwerk Asowstal in Mariupol komplett unter ihre Kontrolle gebracht. Alle ukrainischen Kämpfer hätten sich ergeben, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Die ukrainische Seite äußerte sich zunächst nicht dazu.

Die weitläufige Industrieanlage am Asowschen Meer war der letzte Ort in der strategisch wichtigen Hafenstadt im Südosten der Ukraine, der noch nicht vollkommen unter russischer Kontrolle gestanden hatte. Nach Angaben aus Moskau kamen seit dem 16. Mai insgesamt 2439 ukrainische Soldaten in russische Gefangenschaft. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beteuert am Samstag in einem Fernsehinterview, alles getan zu haben, um Mariupol zu befreien. Gleichwohl sagte er, die Ukraine habe der russischen Armee "das Rückgrat gebrochen". "Sie werden die nächsten Jahre nicht mehr auf die Beine kommen".

Neuer Ärger um deutsche Waffenlieferungen

Mit Blick auf die deutschen Waffenlieferungen sagte Bundeskanzler Olaf Scholz, dies sei eine richtige Entscheidung gewesen. "Die Grenzen in Europa dürfen nicht mit Gewalt verschoben werden", so Scholz. Putin habe sich völlig verrechnet. Der frühere NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen kritisierte, Deutschland sei "zu zögerlich bei der Lieferung schwerer Waffen und bei der Verhängung von Sanktionen". Dem Handelsblatt" sagte der Däne: "Wir brauchen deutsche Führung."

Unterdessen gibt es neue Verwirrung um Waffenlieferungen aus Deutschland. Die "Bild"-Zeitung berichtet von einem vertraulichen Papier aus dem Verteidigungsministerium, das der offiziellen Version von Ministerin Christine Lambrecht widerspricht. Demnach verfüge die Bundeswehr sehr wohl über 62 Marder, die nicht mehr genutzt würden. Laut einem Bericht des "Spiegel" ist die Regierung in Warschau verärgert, weil Deutschland nicht wie versprochen zeitnah die polnischen Panzer russischer Bauart ersetzen will, die Polen bereits an die Ukraine abgegeben hat.

Russland stellt Gas-Lieferungen nach Finnland ein

Der russische Staatskonzern Gazprom machte damit am Samstag seine Ankündigung vom Vortag wahr. Offiziell war der Grund, dass Finnland sich weigerte, die Lieferungen in russischen Rubeln zu bezahlen. Allerdings hatte Russlands Präsident Wladimir Putin den offiziellen Beitrittsantrag Finnlands zur NATO - gemeinsam mit Schweden - scharf kritisiert und Konsequenzen angedroht. Da Finnland nicht sehr stark von russischem Gas abhängig ist, ist die Versorgung nicht wesentlich beeinträchtigt. Finnland und Schweden wollen in die NATO wegen des russischen Angriffskrieges gegen den Nachbarn Ukraine, der bald in den vierten Monat geht.

Türkei stellt Bedingungen für NATO-Beitritt von Schweden

Die Türkei fordert Präsident Recep Tayyip Erdogan zufolge im Streit mit Schweden über eine NATO-Mitgliedschaft von dem nordischen Land konkrete Schritte gegen den Terrorismus. Auch müsse ein Waffenembargo gegen die Türkei nach dem Einfall in Syrien 2019 aufgehoben worden, zitiert die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu Erdogan nach einem Telefonat mit der schwedischen Ministerpräsidentin Magdalena Andersson.

Biden setzt Milliarden-Hilfspaket für Ukraine in Kraft

US-Präsident Joe Biden hat das Milliarden-Hilfspaket der USA für die Ukraine in Kraft gesetzt. Zuvor hatte der Kongress das Paket mit einem Volumen von fast 40 Milliarden Dollar (38 Milliarden Euro) mit großer Mehrheit beschlossen.

Italien erarbeitet Plan für Friedensprozess im Ukraine-Krieg

Italien arbeitet an einem Plan für eine Friedenslösung. "Es braucht jetzt eine diplomatische Gegenoffensive", sagte Außenminister Luigi Di Maio der Zeitung "La Stampa". Erstes Ziel sei, lokale Kampfpausen zu erreichen, danach solle ein Waffenstillstand, die Arbeit an der Neutralität und am Ende ein Friedensabkommen folgen.

EU-Justizkommissar: Kriegsverbrechen werden nicht ungestraft bleiben

EU-Justizkommissar Didier Reynders hat eine strafrechtliche Verfolgung von Kriegsverbrechen in der Ukraine zugesichert. "Es wird Zeit brauchen, es wird ein langer Prozess, aber die Gräueltaten, die in der Ukraine begangen wurden, werden nicht ungestraft bleiben", sagte Reynders der italienischen Zeitung "La Stampa".

Weitere Artikel zum Ukraine-Krieg

Alle weiteren Entwicklungen können Sie in unserem Liveticker zum Ukraine-Krieg nachlesen.

Quelle: ntv.de, kst/rts/dpa/AFP

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen