Politik

Anschlag auf Goldene Moschee Heiligtum stark beschädigt

Nach der Zerstörung der goldenen Kuppel der Grabmoschee von Samarra im vergangenen Jahr haben Extremisten nun auch die beiden Minarette der Moschee in die Luft gesprengt. Die Moschee zählt zu den wichtigsten Wallfahrtstätten der Schiiten im Irak. Politiker und Geistliche appellierten nach dem Anschlag an die Schiiten, sich nicht zu Racheakten gegen Sunniten hinreißen zu lassen. Ministerpräsident Nuri al-Maliki verhängte in Bagdad bis auf weiteres eine Ausgangssperre, um Gewaltakte zu verhindern.

Die Polizei in Samarra berichtete, Unbekannte hätten Sprengsätze an den beiden Minaretten angebracht. Die Explosion habe die Türme fast vollständig zerstört. Vor der Explosion seien auf dem Moschee-Gelände Mörsergranaten eingeschlagen. Das Areal sei von Einheiten der Armee und des Innenministeriums bewacht worden.

Bei einem ersten Anschlag auf die Moschee am 22. Februar 2006 war die mit Gold bedeckte Kuppel des Bauwerks stark beschädigt worden. Der Terrorakt hatte eine Welle der Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten mit schon über 15000 Toten ausgelöst. Die Grabmoschee beherbergt die Reliquien von zwei Geistlichen aus dem 9. Jahrhundert, die von den Schiiten als rechtmäßige Nachfolger des Propheten Mohammed angesehen werden.

Das religiöse Oberhaupt der irakischen Schiiten, Großajatollah Ali al-Sistani, rief die Gläubigen angesichts dieser erneuten Beschädigung des Heiligtums zur Selbstbeherrschung auf. "Die Iraker sollen nicht denjenigen folgen, die eine Spaltung herbeiführen wollen", sagte er einem seiner Vertrauten zufolge. In der zentralirakischen Pilgerstadt Nadschaf marschierten nach Angaben der Nachrichtenagentur Aswat al-Irak wütende Schiiten zu Al-Sistanis Büro. Sie gaben der Regierung und den US-Truppen die Schuld an dem Angriff auf das Heiligtum.

Der US-Botschafter in Bagdad, Ryan Crocker, und der Kommandeur der US-Truppen im Irak, General David Petraeus, erklärten: "Dieser brutale Angriff auf einen der heiligsten Schreine des Iraks ist ein Versuch von El Kaida, Zwietracht und Gewalt zwischen den Religionsgruppen im Irak zu säen." Der Anschlag zeige, dass sich die Terroristen in die Ecke gedrängt fühlten.

Der Vorsitzende der religiösen Stiftung der Sunniten in Samarra, Scheich Ahmed al-Samarai, verurteilte den Anschlag. Der sunnitische Rat der Religionsgelehrten sprach von einem "Terrorakt" und verlangte den Rücktritt der Regierung. Regierungschef Al-Maliki und das Parlament forderten die Iraker auf, Ruhe zu bewahren.

Mit mehreren Sprengsätzen zerstörten Extremisten im Nordirak eine Brücke über den Saghaitun-Fluss, wodurch die wichtigste Verkehrsverbindung zwischen den Städten Tikrit und Kirkuk unterbrochen wurde. Es war der vierte Anschlag auf eine Brücke im Irak binnen vier Tagen. In Bagdad wurde nach Angaben der Journalistengewerkschaft der leitende Redakteur der regierungsnahen Tageszeitung "Al-Sabah", Falih Wadawi Madschdhaf, entführt.

Ein Selbstmordattentäter riss nach Angaben der Nachrichtenagentur Aswat al-Irak in Mandali nördlich von Bagdad drei Menschen mit in den Tod, als er sich in einer Polizeistation in die Luft sprengte. Unter den Opfern war der Polizeidirektor der Ortschaft. In der Nähe der benachbarten Stadt Bakuba erschossen Polizisten nach Informationen der Agentur einen weiteren Selbstmordattentäter in seinem mit Sprengstoff beladenen Auto. Die US-Armee berichtete, bei Angriffen von Aufständischen seien in Bagdad und der westlichen Anbar-Provinz insgesamt drei amerikanische Soldaten getötet und zwei weitere verletzt worden.

Quelle: ntv.de