Politik

Chance auf politische Lösung sinkt Hunderttausende Syrer fliehen

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Es gibt ganze Regionen in Syrien, die bereits unbewohnbar sind.

(Foto: REUTERS)

Wer im Syrien-Konflikt auf Dialog und Verhandlungen gesetzt hat, steht nach der jüngsten Rede von Präsident Assad ratlos da. Der Papst warnt: Wenn das Töten nicht endet, gibt es bald nur noch Verlierer. 60.000 Syrer sind bereits tot, Hunderttausende haben das Land verlassen.

Nach der Brandrede von Präsident Baschar al-Assad sinkt die Chance auf eine politische Lösung des Konflikts in Syrien. Mit seinem Aufruf zum Kampf durchkreuzte Assad auch den Plan der gemäßigten Opposition im Land, den zuletzt auch Moskau - als enger Verbündeter Syriens - und der UN-Vermittler Lakhdar Brahimi unterstützt haben sollen.

Papst Benedikt XVI. warnte die Syrer davor, ihr Heil auf dem Schlachtfeld zu suchen: "Ich wiederhole meinen Appell für einen Waffenstillstand und dafür, dass so schnell wie möglich ein konstruktiver Dialog beginnt, mit dem Ziel einen Konflikt zu beenden, in dem es, wenn er noch weiter andauert, keine Sieger geben wird, sondern nur Besiegte und ein Trümmerfeld." Der Papst forderte alle Gläubigen auf, mit ihm für Syrien zu beten.

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Nach Angaben der UN sind auch mehr als 125.000 Syrer nach Libanon geflohen.

(Foto: REUTERS)

Am Montag starben durch Kampfhandlungen in Syrien nach Angaben von Regimegegnern 33 Menschen. Am Sonntag hatten die Aktivisten 110 Tote gezählt, unter ihnen 26 Angehörige der Regierungstruppen. Nach UN-Schätzungen hat der Bürgerkrieg schon 60.000 Menschen das Leben gekostet, mehr als 150.000 Menschen sind in die benachbarte Türkei geflohen. Nach Angaben des türkische Katastrophenschutzzentrum AFAD, werden zurzeit 152.051 Flüchtlinge in 13 Zeltlagern und einem Containerdorf versorgt. Seit Beginn des Bürgerkrieges seien insgesamt mehr als 215.000 Syrer über die Grenze gekommen. Etwa 63.000 seien wieder nach Syrien zurückgekehrt. Zudem sollen nach UN-Angaben rund 125.000 Syrer in den Libanon geflohen sein, die Behörden in Beirut sprechen sogar von 200.000 Flüchtlingen.  Die UN gehen davon aus, dass sie in der ersten Hälfte des Jahres rund einer Million Flüchtlinge helfen müssen wird.

Gemäßigte Opposition will verhandeln

Die Nachrichtenwebsite All4Syria veröffentlichte am Montag den Plan der gemäßigten Opposition. Das Nationale Koordinierungskomitee für demokratischen Wandel unter Hassan Abdel Asim ist das einzige Oppositionsbündnis, das bereit ist, mit dem Regime zu verhandeln.

Der Plan sieht zunächst eine Waffenruhe vor. Anschließend sollen alle politischen Gefangenen freigelassen werden. Gemäß dem Plan soll dann eine Übergangsregierung gebildet werden, der Oppositionelle und Vertreter des Regierungslagers angehören. An einer internationalen Friedenstruppe sollten sich nur Staaten beteiligen, die in dem Konflikt keine Rolle spielen.

Assad hatte in seiner Rede vor Anhängern in Damaskus am Sonntag die Exil-Opposition beschimpft und seinen Willen, an der Macht zu bleiben, bekräftigt. Er hatte dabei zur allgemeinen Mobilisierung gegen die Rebellen aufgerufen. Westliche Diplomaten hatten dem Präsidenten daraufhin bescheinigt, er sei "realitätsfern".

Quelle: n-tv.de, rts/dpa