Politik

Krach in Köln Islamfeinde wollen beim CSD mitmachen

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Bislang war der CSD eher bunt statt braun - die Veranstalter wollen dafür sorgen, dass dies auch so bleibt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Organisatoren des Christopher Street Day in Köln haben ein Problem: Die moslemfeindliche Partei "Pro Köln" will in diesem Jahr am CSD teilnehmen. Verbieten geht nicht, denn der CSD ist formal eine Demonstration. Mitmachen lassen? Für die Veranstalter eine Horror-Vorstellung.

Die moslemfeindliche Partei Pro Köln will am diesjährigen Christopher Street Day in der Domstadt teilnehmen - was bei Aktivisten für Empörung sorgt. Jörg Kalitowitsch vom Kölner Lesben- und Schwulentag, dem Veranstalter des CSD, sagte n-tv.de, er sei "entsetzt" gewesen, als die Anmeldung eingelaufen sei. Der CSD unter dem Motto "Wir sind. So oder so" findet am 7. Juli statt.

"Ich habe zwei Mal hingeguckt, als ich da Pro Köln gelesen habe. Diese Gruppierung will niemand dabei haben, deren Forderungen laufen komplett konträr zu allen Positionen, die wir vertreten", betonte Kalitowitsch. "Wir machen keinen Unterschied, ob Schwule, Lesben, Transgender oder Intersexuelle einen 'deutschen Hintergrund' haben oder sonstwoher kommen."

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So zeigt sich "Pro Köln" normalerweise in der Domstadt: Protest im November 2009.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Organisatoren des CSD hätten sich umgehend mit den Kölner Ordnungsbehörden in Verbindung gesetzt, "weil dies eine Anmeldung ist, die den normalen Rahmen sprengt", so Kalitowitsch weiter. Ob die Teilnahme von Pro Köln am CSD verhindert werden kann, sei noch unklar. "Das Versammlungsgesetz ist in Deutschland sehr liberal, was gut ist, was aber auch einer Gruppierung wie Pro Köln die Möglichkeit bietet, am CSD teilzunehmen. Im dümmsten Fall könnte es passieren, dass wir keine juristische Handhabe gegen die Teilnahme von Pro Köln haben." Aber: "Wir werden alles uns in der Macht stehende tun, um zu verhindern, dass Pro Köln uns den CSD kaputt macht." Erwogen wird etwa, das Motto so zu ändern, dass Pro Köln von sich aus die Teilnahme absagt.

Hetze gegen Moslems

Die Ratsfraktion von Pro Köln hat mit Michael Gabel zwar einen bekennenden Homosexuellen in ihren Reihen, hat sich bislang aber eher durch Hetze gegen Moslems als durch Initiativen zur Gleichstellung von Homosexuellen profiliert. Pro-Vorstandsmitglied Gabel fiel erst im März durch eine aggressive Hass-Rede gegen den Grünen-Politiker Volker Beck auf.

Die Webseite von Pro Köln war am Freitagmittag nicht erreichbar. Berichten zufolge hatte sich die Partei dort in einer Stellungnahme bei den Organisatoren des CSD bedankt, die "sehr freundlich" mit dem Teilnahmegesuch umgegangen seien. Zur Begründung der Teilnahme heißt es, dass "der Einsatz für mehr Sicherheit und Sauberkeit in Köln nichts mit der privaten sexuellen Orientierung von Menschen zu tun hat". Sowohl Hetero- als auch Homosexuelle würden das "Engagement gegen den kriminellen Parteienklüngel oder islamistische Unterwanderungsversuche der freien Gesellschaft" unterstützen.

Im Umfeld von Pro Köln stößt die geplante Teilnahme am CSD auf ein überwiegend positives Echo. "Man merkt eben immer wieder, dass bei PRO echte PR-Profis am Werk sind", schreibt ein Nutzer in der Kommentarspalte der ebenfalls moslemfeindlichen Webseite PI-News. Ein anderer kritisierte dagegen das "Selbsttor" von Pro Köln: "Was hat diese Partei mit der linken Schwulen- und Lesbenbewegung von (Claudia) Roth und (Volker) Beck zu tun? Etwas mehr Distanz wäre besser!"

Dem könnte der Kölner Beck sich wohl anschließen. "'Pro Köln' beim CSD? NEVER", schreibt er auf seinem Twitter-Account. "Keine Demo gemeinsam mit Politikern, die Hass gegen andere predigen."

Quelle: n-tv.de, hvo