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"So schlimm wie 50 Nordkoreas" Israel droht mit Alleingang gegen Iran

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Netanjahu warnt den Iran - und mahnt die Welt, sich nicht täuschen zu lassen.

(Foto: AP)

In den vergangenen Tagen zeigt sich der Iran zahm. Präsident Ruhani telefoniert mit Obama. Erzfeind Israel kontert nun. Ministerpräsident Netanjahu nennt Ruhani einen "Wolf im Schafspelz" - und schreckt wohl vor militärischen Attacken nicht zurück.

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Ein "Wolf im Schafspelz"? Nicht mehr ist Irans Präsident Ruhani für Israels Premier Netanjahu.

(Foto: AP)

Israel ständiger Konflikt mit dem Iran heizt sich nach der leichten Beruhigung der vergangenen Tage möglicherweise wieder auf. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drohte dem Iran indirekt mit einem Militärschlag, falls das Land sich atomar bewaffnen sollte. "Israel hat keine Wahl, als sich selbst zu verteidigen", sagte Netanjahu beim Abschluss der UN-Vollversammlung in New York.

"Wenn Israel alleine tätig werden muss, dann wird es das tun", sagte Netanjahu. Ein Iran mit Atomwaffen sei noch viel schlimmer als ein Nordkorea mit Atomwaffen, warnte Netanjahu. "Es wäre so schlimm wie 50 Nordkoreas!" Israel betrachtet das Atomprogramm im Iran als größte Bedrohung seiner Existenz. Der Westen verdächtigt die Führung in Teheran, unter dem Deckmantel einer zivilen Forschung Atomwaffen entwickeln zu lassen. Der Iran bestreitet das.

Welche Absichten verfolgt Ruhani?

Netanjahu warnte eindringlich davor, dem Kurs der neuen Führung im Iran Glauben zu schenken. Präsident Hassan Ruhani möge moderater klingen als sein Vorgänger Mahmud Ahmadinedschad. Aber es gebe nur einen Unterschied: "Ahmadinedschad war ein Wolf im Wolfspelz. Ruhani ist ein Wolf im Schafspelz", sagte Netanjahu.

Es gebe keinen Zweifel, dass der Iran, "während Ruhani uns mit diplomatischem Rauch vernebeln will", an einer Atombombe baut, sagte Netanjahu. "Das Land verfügt über Unmengen von Energieträgern. Und man baut keine Interkontinentalraketen, um da ein paar Kilo TNT reinzupacken, man baut sie für Atombomben", fügte er hinzu. "Es ist schwierig, Beweise dafür zu finden, dass der Iran kein Atomprogramm hat."

Der Iran reagierte umgehend mit Kritik. Netanjahu vollführe ein "Säbelrasseln" und seine Äußerungen seien "aufrührerisch", sagte der stellvertretende iranische UN-Botschafter Chodadad Seifi in New York.

Sorge um die Gunst der USA

In der vergangenen Woche hatten sich die USA und der Iran nach Jahrzehnten des diplomatischen Stillstands erstmals wieder angenähert. US-Präsident Barack Obama telefonierte sogar mit Ruhani - die erste Kommunikation zwischen einem iranischen und einem US-Präsidenten seit 1979. Bei einem Treffen der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschland war zudem ein zügiges Vorankommen der Atomgespräche mit dem Iran vereinbart worden. Die nächste Runde der Gespräche soll am 15. und 16. Oktober in Genf stattfinden.

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Netanjahu will vor allem die uneingeschränkte Solidarität der USA.

(Foto: AP)

Netanjahu hatte bereits in der vergangenen Woche alles getan, um die sehr vorsichtige Annäherung seines wichtigsten Verbündeten USA an seinen größten Feind Iran mit heftigen Warnungen zu begleiten. Er gilt als Politiker der deutlichen Worte. Und er gehört zu den Israelis, bei denen das Trauma der wehrlos den Verfolgungen und dem Holocaust ausgesetzten Juden tief sitzt. "Die Welt mag vergessen. Die Juden werden es ganz sicher nicht", beteuerte er.

Annäherung an Palästinenser

Versöhnliche Töne schlug Netanjahu im noch viel präsenteren Konflikt mit den Palästinensern an, indem er den Willen seines Landes zu einem "historischen Kompromiss" mit den Nachbarn bekräftigte. Er wolle einen Kompromiss, der den Konflikt "für immer und ewig" beende. "Ich mache mir keine Illusionen darüber, wie schwierig das sein wird. Sechs israelische Ministerpräsidenten - ich selbst eingeschlossen - haben es nicht geschafft."

Er sei bereit, schmerzhafte Zugeständnisse zu machen, sagte Netanjahu weiter. "Aber die palästinensischen Verhandlungsführer waren bislang noch nicht bereit, ihre schmerzhaften Zugeständnisse anzubieten." Bedingung für einen "historischen Frieden" sei in jedem Fall die Anerkennung des Existenzrechts Israels.

Quelle: n-tv.de, jtw/dpa/AFP

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