Fotografin im KrankenhausIsrael meldet Festnahmen nach brutalen Siedlerangriffen

Eine Rippe und vier Wirbel gebrochen, ein Finger fast abgerissen: Eine US-Fotografin trägt bei einem brutalen Angriff mutmaßlich von radikalen israelischen Siedlern schwere Verletzungen davon. Es ist nicht der einzige Vorfall in den vergangenen Tagen. Israel verkündet mehrere Festnahmen.
Israelische Sicherheitskräfte haben Polizeiangaben zufolge zehn verdächtige Siedler im Zusammenhang mit Angriffen auf eine US-Fotografin sowie europäische Diplomaten im Westjordanland festgenommen. Die mutmaßlich an der Gewalt am Wochenende Beteiligten würden nun vernommen, hieß es in einer Mitteilung der Polizei am Morgen. Israelische Einsatzkräfte beschlagnahmten den Angaben zufolge bei der Razzia in mehreren Orten im besetzten Westjordanland auch Fahrzeuge. Sie stellten demnach zudem Gegenstände sicher, die die Verdächtigen mit den Angriffen in Verbindungen bringen sollen.
Am Freitag war die US-Fotografin Heidi Levine von der "Washington Post" bei einem mutmaßlichen Siedlerangriff verletzt worden. Berichten zufolge hatten Dutzende maskierte israelische Siedler Palästinenser bei der Olivenernte attackiert. Levine, die auf Aufnahmen des Vorfalls mit Schutzweste mit dem Schriftzug "PRESS" zu sehen ist, dokumentierte die Gewalt. Laut der "Washington Post" stießen Siedler schließlich auch sie zu Boden und traten auf sie ein. Levine habe ihrem Arbeitgeber zufolge Schnittwunden am ganzen Körper erlitten. Eine Rippe und vier Wirbel seien gebrochen. Ein Finger sei so aufgerissen worden, dass der Knochen freigelegen habe.
Aus den USA gab es scharfe Kritik an der Gewalt. US-Außenminister Marco Rubio sagte, die Regierung sei sehr beunruhigt über die Bilder und habe die israelische Regierung aufgefordert, gegen derartige Vorfälle vorzugehen. US-Botschafter Mike Huckabee schrieb auf X, die US-Staatsbürgerin habe "bei einem brutalen und feigen Angriff schwere Verletzungen" erlitten. Er sprach von einem "verabscheuungswürdigen Terrorakt" und forderte mehrjährige Haftstrafen für die Täter. "Wir haben eine umfassende Untersuchung sowie die Festnahme und strafrechtliche Verfolgung aller Beteiligten unter voller Ausschöpfung des gesetzlichen Strafrahmens gefordert", schrieb Huckabee, der als siedlerfreundlich bekannt ist.
Fast täglich Berichte über Siedlergewalt
Am Samstag sollen zudem bei einem weiteren Vorfall radikale israelische Siedler Fahrzeuge europäischer Diplomaten im Westjordanland angegriffen haben. Berichten zufolge zertrümmerten die Angreifer eine Fensterscheibe eines Diplomatenfahrzeugs. Auf Videoaufnahmen war zu sehen, wie ein Diplomat am Boden liegt.
Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 in Israel und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg nochmals zugespitzt. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden im Westjordanland seitdem mehr als 1100 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen oder eigenen Anschlägen getötet. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Zugleich hat die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen Palästinenser stark zugenommen. Derzeit gibt es fast täglich Berichte über Angriffe auf Palästinenser oder ihr Eigentum. Israels Militär und Polizei wird dabei immer wieder vorgeworfen, nicht entschlossen genug dagegen vorzugehen.

