Armee kritisiert Verhör-VorfälleIsraelische Soldaten markieren Palästinenser mit Nummern

Ein Militäreinsatz im Westjordanland sorgt für Schlagzeilen: Soldaten schreiben Palästinensern Nummern auf den Körper. Solche Bilder erinneren an dunkle Zeiten, meint ein Oppositioneller. Die Armee spricht von einem schwerwiegenden Vorfall und zieht nach eigenen Angaben Konsequenzen.
Israels Armee hat Berichte bestätigt, wonach israelische Sicherheitskräfte Palästinenser während Befragungen im Westjordanland mit Nummern markiert haben. Die israelische Zeitung "Haaretz" hatte zuvor gemeldet, Soldaten hätten den Betroffenen in Kabatija in der Nähe der Stadt Dschenin bei einem Einsatz am Montag mit Markern Nummern auf ihre Gesichter und Körper geschrieben.
In mehreren israelischen sowie sozialen Medien wurden auch Aufnahmen veröffentlicht, die einen betroffenen Palästinenser zeigen sollen, auf dessen Stirn die Zahl 44 steht. Der oppositionelle arabische Abgeordnete Ahmed Tibi schrieb auf X, so sehe Entmenschlichung aus. "Ein Bild, das an dunkle Zeiten erinnert und jeden Menschen erschüttern sollte."
Israels Armee teilte auf Anfrage mit: "Während eines Einsatzes im Gebiet von Kabatija kennzeichneten Sicherheitskräfte Verdächtige, die im Rahmen der Operation verhört wurden." Die Kommandeure hätten die Soldaten ausdrücklich darauf hingewiesen, wie schwerwiegend dieses Verhalten sei. Aus dem Vorfall seien Lehren gezogen worden.
Bei ähnlichem Vorfall: Zahlen auf Hände geschrieben
Die "Times of Israel" berichtete, die israelische Armee habe eine ähnlich lautende Stellungnahme auch bei einem Vorfall im April veröffentlicht. Damals wurden demnach Palästinensern, die ein vom Militär kontrolliertes Flüchtlingsviertel betraten, Zahlen auf die Hände geschrieben.
Die israelische Armee hatte am Montag eigenen Angaben zufolge in Kabatija 100 Gebäude durchsucht und zwei Palästinenser festgenommen, die den Angaben zufolge verdächtigt werden, Anschläge geplant zu haben. Weitere Personen seien verhört worden. Laut Berichten sollen die Betroffenen auch geschlagen worden sein. Das israelische Militär äußerte sich zu diesen Vorwürfen zunächst nicht.
Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 in Israel und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg noch einmal verschärft. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden im Westjordanland seitdem mehr als 1100 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und eigenen Anschlägen getötet. Aber auch die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen Palästinenser hat stark zugenommen.