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Brexit-Wortführer treten ab Juncker: "Sie verlassen das sinkende Schiff"

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Nigel Farage und Jean-Claude Juncker diskutieren im Europäischen Parlament - bevor Farage seinen Rückzug ankündigt.

(Foto: AP)

EU-Kommissionschef Juncker wirft den britischen Brexit-Befürwortern Johnson und Farage unpatriotisches Verhalten vor. Außerdem will Brüssel nicht weiter hingehalten werden, London solle den Austritt einleiten. Doch nicht alle glauben an einen Brexit.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat scharfe Kritik an führenden britischen Brexit-Befürwortern geäußert, die nun auf ihre politischen Ämter verzichten. "Die strahlenden Brexit-Helden von gestern sind nun die traurigen Helden von heute", sagte er vor dem Europaparlament in Straßburg. "Einer nach dem anderen tritt ab."

Die Kommission warte jetzt auf die offizielle Bekanntgabe des britischen Austrittsbegehrens, die lasse aber auf sich warten. "Ich dachte, das Brexit-Lager habe einen Plan", sagte der Christdemokrat. Stattdessen verließen dessen Anführer nun das "sinkende Schiff". "Patrioten gehen nicht von Bord, wenn die Lage schwierig wird - dann bleiben sie", so Juncker.

Der Präsident der EU-Kommission spielte damit auf den ehemaligen Londoner Bürgermeister Boris Johnson und den Chef der europafeindlichen Partei Ukip, Nigel Farage, an. Beide hatten sich für einen Austritt Großbritanniens aus der EU stark gemacht. Johnson wollte sich nach dem Referendum aber überraschend nicht um die Nachfolge von Premier David Cameron bewerben. Farage kündigte seinen Rücktritt als Ukip-Chef an, will aber nach eigenen Angaben weiter Mitglied des Europaparlaments bleiben.

Tusk will klare Verhältnisse

  Auch der EU-Ratsvorsitzende Donald Tusk forderte London auf, nun ein "geordnetes Austrittsverfahren" einzuleiten. Zugleich bekräftigte er, dass Großbritannien die grundlegenden Freizügigkeiten garantieren müsse, wenn es weiterhin Zugang zum EU-Binnenmarkt haben will.

"Einen Binnenmarkt à la carte wird es nicht geben", sagte Tusk. Zu den Freizügigkeiten gehört das Recht von europäischen Arbeitnehmern, in anderen EU-Staaten zu arbeiten. Dieses Recht wollen die britischen Befürworter des EU-Austritts jedoch einschränken.

"Brexit war nur beratendes Referendum"

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Europäischen Parlaments, Elmar Brok, betonte, dass es keine informellen Verhandlungen mit den Briten geben werde, bevor sie einen Antrag für den Austritt gestellt haben.

Entweder Großbritannien wolle den Status eines EU-Mitglieds behalten oder das Land stelle einen Antrag, sagte der CDU-Mann der "Passauer Neuen Presse". Jetzt läge es bei der britischen Regierung - das Referendum sei nur "ein beratendes Referendum" gewesen.

Finanzminister glaubt nicht an Brexit

Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling geht einen Schritt weiter. Der ÖVP-Politiker glaubt nicht, dass es überhaupt zu einem Brexit kommen wird. "Großbritannien wird auch in Zukunft Mitglied bleiben", sagte er dem "Handelsblatt". Darauf ließen die Aussagen des Chefs des europäischen Rettungsschirms ESM und auch der britischen Regierungsspitze schließen, vorerst keine Eile mit der Einreichung des Antrags zu haben.

Laut Schelling könnte ein anderes Modell ein "Teil-Brexit" sein. "Das heißt, nur England tritt aus der EU aus und Schottland sowie Nordirland bleiben weiterhin EU-Mitglieder", sagte der konservative Minister.

Quelle: n-tv.de, hul/AFP/dpa

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