Politik

Syrer ohne Bleiberecht in Haft Jungpolizisten überwältigen Lkw-Attentäter

Ein kleinkrimineller Araber ohne Aufenthaltsrecht steuert einen gekaperten Lkw absichtlich in mehrere Menschen. Der Vorfall mit acht Verletzten in Limburg erinnert an den Breitscheidplatz-Anschlag. Doch zufällig sind Jungpolizisten in Zivil in der Nähe. Sie nehmen den Mann fest und verhindern Schlimmeres.

Drei Bundespolizisten im ersten Dienstjahr haben den Angreifer von Limburg festgenommen. Der syrische Asylbewerber war am späten Montagnachmittag in der hessischen Kleinstadt mit einem gestohlenen Lastwagen auf acht Autos aufgefahren und hatte sie ineinander geschoben. Dabei wurden neben dem Täter acht Menschen leicht verletzt. Bei seiner Festnahme leistete der Angreifer Widerstand und fügte den jungen Polizisten leichte Verletzungen zu.

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Erinnerungen an den Anschlag vom Breitscheidplatz: Der gekaperte Lkw in Limburg.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die drei Polizeimeisteranwärter waren zum Zeitpunkt des Zwischenfalls in der Freizeit zusammen unterwegs und trugen daher keine Uniform. Sie hielten sich gemeinsam mit neun anderen jungen Bundespolizisten zufällig in der Nähe des Tatorts auf. Die jungen Polizisten - elf Männer und eine Frau - leisteten auch Erste Hilfe bei den Verletzten. Bundesinnenminister Horst Seehofer lobte den Einsatz. In einem Schreiben des CSU-Ministers an die Bundespolizisten heißt es: "Für dieses entschlossene und umsichtige Eingreifen danke ich Ihnen ausdrücklich." Die schnelle Festnahme habe es ermöglicht, dass die Sicherheitsbehörden jetzt zügig die Hintergründe der Tat aufklären könnten.

"Auch wenn der Tathergang an die schrecklichen Anschläge von Nizza oder Berlin erinnert, ist das Motiv des festgenommenen Mannes nach wie vor unklar", sagte Hessens Innenminister Peter Beuth. Der tatverdächtige Syrer habe nach derzeitigen Erkenntnissen keine Verbindungen in die gewaltbereite islamistische Szene gehabt. Die für Terrorermittlungen zuständige Bundesanwaltschaft verzichtete daher zunächst darauf, den Limburger Fall an sich zu ziehen. Man habe das Geschehen aber im Blick und stehe in engem Kontakt mit den hessischen Strafverfolgungsbehörden, sagte ein Sprecher der Karlsruher Behörde.

Aufenthaltserlaubnis abgelaufen, Mädchen auf Kirmes belästigt

*Datenschutz

Der 32-jährige Syrer, der seit 2015 in Deutschland lebt und seit 2016 einen subsidiären, also eingeschränkten Schutzstatus hat, ist bisher mit Drogendelikten und Gewaltkriminalität aufgefallen. Er besaß eine Aufenthaltserlaubnis, die allerdings am 1. Oktober abgelaufen war. Ob er sich bei der zuständigen Behörde bereits um eine Verlängerung gekümmert hatte, war zunächst nicht bekannt. Angaben soll der 1987 geborene Syrer noch nicht gemacht haben.

Bereits Ende August wurde der Festgenommene im nordrhein-westfälischen Moers bei der Polizei auffällig. Der Syrer belästigte demnach am 31. August auf der Moerser Kirmes eine 16-Jährige, danach kam es zu einem Gerangel mit der Mutter des Mädchens. Der 32-Jährige bekam deshalb eine Anzeige wegen Körperverletzung. Warum sich der Mann in Moers aufhielt, blieb zunächst unklar. Er lebte in einer Wohnung im südhessischen Langen - rund 80 Kilometer von Limburg entfernt.

In der Nacht durchsuchte die Polizei eine Wohnung im südhessischen Langen, rund 80 Kilometer von Limburg entfernt. Die Durchsuchung, an der ein Spezialeinsatzkommando (SEK) beteiligt war, habe im Zusammenhang mit den Geschehnissen in Limburg gestanden, hieß es. Eine weitere Wohnung wurde laut Generalstaatsanwaltschaft im Kreis Limburg-Weilburg durchsucht. Es seien unter anderem Mobiltelefone und USB-Sticks sichergestellt worden.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt teilte mit, es werde zu Limburg in alle Richtungen ermittelt. Derzeit könnten zum Tatmotiv noch keine Angaben gemacht werden. Gegen den Mann wurde Haftbefehl erlassen. Die Tatvorwürfe lauten versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Abend.

Lkw gekapert: Mehrmals "Allah" gesagt

Der Täter hatte den eigentlichen Fahrer des Lastwagens gewaltsam aus der Fahrerkabine gezogen. Die "Frankfurter Neue Presse" zitierte den Fahrer des Lasters: "Mich hat ein Mann aus meinem Lkw gezerrt." Als er vor einer roten Ampel gewartet habe, habe der Unbekannte die Fahrertür des Lasters aufgerissen und ihn mit weit geöffneten Augen angestarrt. "Was willst du von mir?", habe er den Mann gefragt. "Aber er hat kein Wort geredet. Ich habe ihn noch mal gefragt. Dann hat er mich aus dem Lkw gezerrt", hieß es weiter. Der Zeitung zufolge soll der Tatverdächtige, der bei der Kollision am Steuer saß, von Passanten erstversorgt worden sein. Dabei soll er laut den Passanten mehrmals "Allah" gesagt haben, berichtete ein Reporter.

Das Logistikunternehmen Pfenning mit Sitz in Heddesheim im baden-württembergischen Rhein-Neckar-Kreis, dem der Lkw gehört, teilte auf seiner Homepage mit, der Laster sei auf einer Auslieferungstour gewesen. "Unserem Fahrer geht es den Umständen entsprechend", hieß es weiter in der Mitteilung. "Unsere Gedanken gelten ihm sowie den Geschädigten."

In Berlin war der Tunesier Anis Amri am 19. Dezember 2016 mit einem gekaperten Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz an der Gedächtniskirche gerast, zwölf Menschen wurden damals getötet. Im Sommer 2016 starben in Nizza 86 Menschen bei einer Lkw-Attacke auf der Uferpromenade. Keinen Terror-Hintergrund hatte eine Gewalttat in Münster: Dort hatte im April 2018 ein Amokfahrer in der Innenstadt vier Menschen getötet, mehr als 20 teilweise lebensgefährlich verletzt und sich anschließend selbst erschossen. Der Mann galt als psychisch labil.

Quelle: n-tv.de, mau/mba/shu/dpa

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