Karoline Leavitt tritt zurück Ätzen, lügen, gängeln - Trump verliert sein loyalstes Sprachrohr

Früher ging es um "alternative Fakten", heute um eine neue Wahrheit. Dafür steht Karoline Leavitt als das loyale Sprachrohr von Donald Trump. Seine nun scheidende Sprecherin hat die Pressearbeit verändert. Abweichende Meinungen werden nicht mehr zugelassen.
Um Worte war sie nie verlegen, mal erklärend, mal verteidigend, und nicht selten angriffslustig und beleidigend. Karoline Leavitt hat dem Amt der Sprecherin des US-Präsidenten ihren ganz eigenen Stempel aufgedrückt. Und der passte gut zu ihrem Chef Donald Trump. Zwar ging es im Presseraum des Weißen Hauses schon früher teils hitzig zu. Doch Leavitts Auftritte haben eine neue Qualität.
Trump lobte sie als "intelligent" und "zäh", als "eine meiner engsten Vertrauten", sie dankte es ihm mit absoluter Ergebenheit. Sie wurde zu Trumps Sprachrohr, davon zeugt ihre vergleichsweise lange Dienstzeit. Diese steht im Gegensatz zur chaotischen ersten Amtszeit, als Trump immer wieder seine Sprecher auswechseln musste.
Leavitt verkörpert Trumps geplantes Vorgehen in der zweiten Amtszeit, seine systematischen Angriffe auf die Institutionen. Sorgte einst Trumps flexibler Umgang mit der Wahrheit noch für einen Aufschrei, ist er nun Normalität. Wurde damals noch über den von Kellyanne Conway geprägten Begriff der "alternativen Fakten" debattiert - wenig verschleierte Lügen -, verteidigt Leavitt eine eigene Wahrheit, von der sie selbst fest überzeugt ist.
"Was für eine dumme Frage"
Das ist die eine Seite Leavitts: Sie ist eine der loyalsten Unterstützerinnen des Präsidenten. Es war ihr Job, seine erratische Politik den Medienvertretern zu vermitteln, seine Fehler schönzureden und Falschaussagen als Wahrheit zu verteidigen. Sie tat das mit großer Inbrunst, schlagfertig und konfrontativ.
An Themen mangelte es nicht in ihren reichlich anderthalb Jahren Amtszeit: von Trumps radikalem Umbau der Verwaltung und seinem Zoll-Krieg gegen die Welt über den Epstein-Skandal und den tödlichen ICE-Einsätzen bis zu den Kriegen in der Ukraine, in Nahost und im Iran. Da sind Trumps Ballsaal, seine gesundheitlichen Probleme und regelmäßigen Egotrips fast schon Kleinigkeiten.
Leavitt ließ sich davon nicht schrecken, sie verteidigte den Präsidenten bis auf Blut. Nie steckte sie zurück oder berichtigte etwas, nur manchmal präzisierte oder relativierte sie Trumps Aussagen. Doch stets stand dabei im Vordergrund, seine Erfolge zu loben, seinen Einsatz zu würdigen und jede Kritik als Lüge zu diffamieren. Und für ihn den Friedensnobelpreis zu fordern.
Das ist die zweite Seite Leavitts: Wie Trump beschimpfte sie regelmäßig Medien, die ihr nicht passen, weil sie angeblich zu links sind. Ihnen wird mit Klagen gedroht, Sender mit dem Entzug der Lizenz. Sogar ein Medienpranger wurde eingerichtet. "Was für eine dumme Frage", bellte sie dann schon mal zurück. Und wenn sie etwas nicht wusste, wich sie aus oder wurde ausfallend. Auf eine Journalistenfrage antwortete sie einmal patzig mit "Deine Mutter war's". Einen Reporter beschimpfte sie als "linken Schmierfink", der es gar nicht verdient habe, zum Pressekorps des Weißen Hauses zu gehören.
Mehr Platz für rechte Influencer
Leavitt hat den Umbau jenes Pressekorps zu verantworten. Neben den traditionellen Vertretern - Nachrichtenagenturen, Fernsehsendern, Zeitungen - schuf sie Platz für neue Medien. Das sind Influencer und Podcaster, Youtuber und Tiktoker, Onlinemedien und Blogger - nicht selten vom rechten Rand und voll auf Trump-Linie. Gleichzeitig bestimmt nun nicht mehr das Pressekorps autonom, wer von Terminen mit Trump berichten und ihn auf Reisen begleiten darf. Die Auswahl treffen nun Leavitt oder Trump selbst.
Man kann das als Versuch sehen, mehr Medienvielfalt zuzulassen. Oder als Versuch, kritische Medienberichterstattung zu behindern oder zu sanktionieren. So mussten bereits das "Wall Street Journal" oder die Agentur AP draußen bleiben - letztere hatte Trumps Umbenennung des Golfs von Mexiko in Golf von Amerika nicht übernommen.
Leavitt kannte da keine Gnade. Und sie zeigte dabei noch eine dritte Seite, sie verkörperte perfekt die MAGA-Frau: traditionell und gut gekleidet, gebildet und selbstbewusst, berufstätig und Familienmensch - und gläubig. Nicht selten trug sie ein gut sichtbares Kreuz an ihrer Kette. Die 1997 im Bundesstaat New Hampshire geborene Leavitt wurde katholisch erzogen und studierte auch an einer katholischen Universität.
Schon früh war Leavitt auch Trump-Anhängerin, sie kennt die Republikaner fast nur als MAGA-Bewegung, die Trumps Mantra "Make America Great Again" folgt. "Er ist sicherlich nicht perfekt, aber er tritt ohne Frage nicht nur gegen eine korrupte Kandidatin (Hillary Clinton) an, sondern auch gegen die korrupten und voreingenommenen Medien. Die liberalen Medien sind ungerecht, unfair und manchmal auch einfach nur falsch", schrieb sie damals in der Studierendenzeitung über die Wahl 2016, die Trump gewinnen sollte.
Für Trump den Mutterschutz abgebrochen
Kein Wunder, dass sie schon in seiner ersten Amtszeit im Weißen Haus arbeitete und Bürgerbriefe beantwortete. Später wechselte sie in die Presseabteilung. Nach Trumps Wahlniederlage 2020 - die sie stets als Betrug bezeichnete - arbeitete sie für eine Abgeordnete, kandidierte dann erfolglos für einen Sitz im Repräsentantenhaus.
Und sie engagierte sich weiter für Trump, wurde seine Wahlkampfsprecherin. Ein Zeichen ihrer Loyalität setzte sie 2024, als dieser einen Attentatsversuch überlebte. Leavitt hatte drei Tage vorher ihren Sohn zur Welt gebracht, doch sie beendete sofort ihren Mutterschutz. Vielleicht als Dank machte Trump sie zur jüngsten Sprecherin des Weißen Hauses aller Zeiten.
Leavitt war auch die erste Sprecherin, die im Amt schwanger wurde. Im Mai bekam sie ihr zweites Kind mit dem 32 Jahre älteren Immobilienunternehmer Nicholas Riccio. Nun will sie sich mehr um ihre zwei Kinder kümmern, deshalb verlässt sie das Weiße Haus, wie sie selbst mitteilte. Trump will sie aber offenbar in seiner Nähe behalten: "Karoline wird nun eine meiner wichtigsten externen Beraterinnen und eine einflussreiche Stimme innerhalb der Republikanischen Partei sein", schrieb er auf Truth Social.