Politik

US-Fonds stellt Zahlungen ein Kein Geld mehr für Atomtest-Opfer

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"Operation Crossroads": Von der Brücke der USS McKinley wird am 1. Juli 1946 der berüchtigte Atom-Pilz über dem Bikini-Atoll beobachtet.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Das für die Entschädigung von Atomwaffentestopfern im Westpazifik zuständige US-Sondergericht hat seine Zahlungen eingestellt. Der Vorsitzende des Sondertribunals für die Marshallinseln, Gregory Danz, sagte zur Begründung, schon Ende Mai seien nur noch knapp 121.000 Dollar (86. 500 Euro) im Fonds gewesen.

Nach Angaben des Vertreters der Entschädigungsberechtigten, Billy Graham, stehen diesen noch mehr als 23 Millionen Dollar an persönlichem Schadenersatz zu. Dazu kämen noch 2,2 Milliarden Dollar für die von den Atomtests betroffenen Marshallinseln.

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25. Juli 1946: Wieder ein Pilz über dem Bikini-Atoll. Die dunklen Flecke im Vordergrund sind Schiffe, an deren die Zerstörungen beobachtet werden sollten.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Ein Behördensprecher des zu den Marshallinseln gehörenden Bikini-Atolls bezeichnete den Entschädigungsfonds als vollkommenen Fehlschlag. Der 1986 eingerichtete Fonds startete mit einer Einlage von 150 Millionen Dollar, die mehr als 300 Millionen Dollar Zinsen abwarfen. Davon erhielten die vier am stärksten in Mitleidenschaft gezogenen Atolle 182 Millionen Dollar, 50 Millionen Dollar entfielen auf ein Gesundheitsprogramm und etwa 73 Millionen Dollar auf Entschädigungszahlungen.

2001 hatte das Nuclear Claims Tribunal beschlossen,  dass die USA an die Bikinianer eine Gesamtzahlung von etwa 1,1 Milliarden US-Dollar zahlen müssen. Der Schadenersatz sollte den Wertverlust des Atolls, Schmerzensgeld und Wiederaufbauhilfe umfassen.

12 Jahre Atombombentests

Die US-Regierung nahm zwischen 1946 und 1958 insgesamt 67 Atomwaffentests auf den Marshallinseln vor. Allein der so genannte Bravo-Test auf dem Bikini-Atoll im Jahr 1954 hatte eine Sprengkraft, die tausend Mal höher war als die der Atombombe von Hiroshima.

UNO gab Atolle frei

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Am 1. November 1952 zünden die USA die erste Wasserstoffbombe auf dem Eniwetok-Atoll.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Die Marshallinseln waren im Ersten Weltkrieg von den Japanern und im Zweiten Weltkriegs von den Amerikanern erobert worden.  Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlossen die Vereinten Nationen, dass Nutzung von Gebieten der Marshall-Inseln für die Sicherheitsbedürfnisse der USA keinerlei Beschränkungen unterliegt – und so wurden das Bikini- und das Eniwetok-Atoll zum Kernwaffentestgelände der USA.

Die Ureinwohner wurden auf die Insel Rongerik umgesiedelt; nach einem Jahr litten sie an Unterernährung. Die negativen Reaktionen der Weltöffentlichkeit veranlassten die USA 1948 zu erneuten  Umsiedlungen. Letztendlich landeten die Ureinwohner auf der Insel Kili, wo sie mit Hilfe der US-Navy das Land urbar machten.

Wiederbesiedlung immer noch unklar

Ende der 1960er Jahre wurde das Atoll wieder für die Bikinianer freigegeben; eine langsame Wiederbesiedlung begann. Allerdings stellte 1972 und auch später noch ein Überwachungsteam erhöhte Radioaktivität bei Krabben, im Trinkwasser und bei den Früchten der Insel fest. 1978 musste das Atoll wegen der hohen Strahlungsbelastung wieder verlassen werden. Wann das Bikini-Atoll tatsächlich wieder besiedelt werden kann, ist noch unklar. Einige Experten gehen von 2010, andere von frühestens 2040 aus. Bis heute wohnen keine Menschen  in dem "verstrahlten Paradies".

Die Atolle sind allerdings nicht mehr Sperrgebiet. Die bei den Atomtests gesunkenen Schiffe liegen in der Lagune – und sind Ziel von Wracktauchern.

Quelle: ntv.de, hdr/AFP

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