Politik

Sorge vor Krieg in Ostukraine Kiew: Russland konzentriert 40.000 Soldaten

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Russische Soldaten und Marine-Angehörige üben für die Parade zum Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland.

(Foto: picture alliance/dpa/Sputnik)

Seit Wochen werden russische Truppenbewegungen an der Grenze zur Ukraine gemeldet. Die Regierung in Kiew nennt erstmals Zahlen: Je 40.000 russische Soldaten sollen im Osten der Ukraine und auf der besetzten Krim-Halbinsel stehen.

Drohgebärde oder bereitet Russland etwas vor? An der russischen Grenze zur Ostukraine sind nach Angaben der Regierung in Kiew mehr als 40.000 russische Soldaten zusammengezogen worden. Das Gleiche sei auf der Halbinsel Krim geschehen, sagte Iuliia Mendel, die Sprecherin des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. In der vergangenen Woche gab es wiederholt Berichte über einen Aufmarsch russischer Soldaten an der Grenze zur Ukraine. Moskau dementierte bisherige Meldungen zu Truppenbewegungen nicht, betonte aber, dass es sich dabei um innere Angelegenheiten handele und es niemanden bedrohen wolle.

Der ukrainische Staatschef habe mitten in den Spannungen um ein Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gebeten, sagte Mendel. Dieser habe auf das Ersuchen aber bislang nicht geantwortet. "Wir hoffen sehr, dass das keine Ablehnung eines Dialogs ist." Der Sprecher des russischen Präsidialamtes, Dmitri Peskow, sagte, ihm sei in den vergangenen Tagen keine solche Anfrage bekanntgeworden. Ob es jüngst eine gegeben habe, könne er nicht sagen.

Die Ukraine und Russland machen einander für die wachsenden Spannungen in der Ostukraine, dem Donbass, verantwortlich. Dort wurden nach Angaben der Regierung in Kiew seit Beginn des Konfliktes im Jahr 2014 rund 14.000 Menschen getötet.

Kreml dementiert Eskalationsbestrebungen

Zudem kam es zu Kämpfen an der Demarkationslinie im Donbass. Trotz der Vereinbarung einer Waffenruhe im Juli wurden nach Angaben aus Kiew seit Jahresbeginn bereits 26 ukrainische Soldaten getötet - im gesamten vergangenen Jahr waren es demnach 50. Daher wuchs international die Sorge, der seit Jahren andauernde Konflikt könne erneut eskalieren. Beide Seiten werfen einander Provokationen und den Bruch der Waffenruhe vor.

Warnungen westlicher Staaten, dass Russand sich auf einen Krieg zubewege, wies der Kreml zurück. "Natürlich plant niemand, sich auf einen Krieg zuzubewegen, und grundsätzlich akzeptiert niemand die Möglichkeit eines solchen Krieges", sagte Peskow in einem am Sonntag ausgestrahlten Fernsehinterview. Auch "die Möglichkeit eines Bürgerkriegs in der Ukraine" werde von niemandem akzeptiert, fügte der Sprecher von Russlands Staatschef Wladimir Putin hinzu.

Peskow wies auch einmal mehr Vorwürfe zurück, Russland beteilige sich an dem Konflikt, indem es die Rebellen militärisch unterstütze. Zugleich betonte der Kreml-Sprecher, dass sein Land gegenüber dem Schicksal russischsprachiger Menschen in der Konfliktregion "nicht gleichgültig bleiben" werde. "Russland unternimmt jede mögliche Anstrengung, um bei der Lösung des Konflikts zu helfen", versicherte Peskow in dem Interview. "Und wir werden dies weiterhin unermüdlich erklären."

USA drohen mit "Konsequenzen"

Die US-Regierung hatte diese Woche erklärt, die Zahl der russischen Soldaten an der ukrainischen Grenze sei nun so hoch, wie seit der Annexion der Krim und dem Beginn der Kämpfe in der Ostukraine im Jahr 2014 nicht mehr. US-Außenminister Antony Blinken warnte Russland am Sonntag in einem Interview vor "Konsequenzen", wenn es sich "aggressiv" gegenüber der Ukraine verhalte.

Er habe "echte Sorge wegen Russlands Handlungen an den Grenzen zur Ukraine", sagte Blinken dem US-Sender NBC. Die Verbündeten und Partner der USA in Europa teilten alle diese Sorge. Daher stehe Washington mit diesen Ländern "in sehr engem Kontakt, in enger Abstimmung". US-Präsident Joe Biden habe seine Haltung sehr deutlich gemacht, führte sein Außenminister aus. "Wenn Russland rücksichtslos oder aggressiv handelt, wird es Kosten geben, es wird Konsequenzen haben."

Quelle: ntv.de, shu/AFP/rts

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