Politik

Kohnen im "ntv Frühstart" "Können es als Europäer nicht akzeptieren"

Deutschland soll nach dem Willen von Bayerns SPD-Chefin Kohnen Kinder und Schwangere aus den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln holen. Die dortigen Zustände könne Europa nicht länger ignorieren. Das gelte auch für die Situation der Menschen in Libyen.

Bayerns SPD-Landeschefin Natascha Kohnen dringt auf Aufnahme von Kindern, Minderjährigen und Schwangeren aus den Flüchtlingslagern auf der griechischen Insel Lesbos. "Wir wissen seit Jahren, dass auf den griechischen Inseln Menschen unter unwürdigsten Bedingungen leben", sagte sie im "ntv Frühstart". Deutschland müsse in diesem Fall Humanität zeigen. Zugleich fordert sie das Eingeständnis, dass Europa seit 2015 "verdammt wenig getan hat, damit sich die Situation ändert".

Ferner appellierte sie, ebenfalls die Lage der Flüchtlinge in Libyen nicht aus den Augen zu verlieren. "Sie leben in Konzentrationslager-ähnlichen Zuständen", sagte sie. "Das können wir als Europäer nicht akzeptieren, wenn wir sagen, Menschenrechte sind für uns ganz, ganz oben und wir sind eine Wertegemeinschaft." Europa könne nicht nur eine Wirtschaftsunion sein, sondern es gehe auch um Werte.

Kohnen forderte weiter, genau zu überlegen, wie man nun vorgehe. Dazu gehörten die Fragen, welche Kontingente bei der Flüchtlingsaufnahme möglich seien und wie man mit Ländern wie etwa Ungarn umgehe, die keine Flüchtlinge aufnehmen wollen. "Da muss man Härte zeigen, und zwar auch in finanzieller Form", sagte sie weiter. "Und dann müssen sich die willigen Länder wie etwa Finnland, Portugal und Deutschland zusammenschließen und sagen, wir müssen das auch humanitär in den Griff kriegen."

Die 52-Jährige erinnerte daran, dass Deutschland "wirtschaftlich auch definitiv Zuzug nötig" haben werde, um die "sozialen Sicherungssystem tatsächlich zu stabilisieren". Eine Lehre aus 2015 müsse sein, nicht jahrelang wegzuschauen, um dann festzustellen: Es gibt Flüchtlinge. "Wir müssen uns mit diesem Thema dauerhaft auseinandersetzen." So werde es etwa angesichts des Klimawandels künftig auch innereuropäische Migration geben. "Wenn die Temperaturen weiter steigen, werden auch Südeuropäer wandern müssen."

Quelle: ntv.de, jwu