Politik

John McCain Konservativ, eigensinnig, integer

Für John McCain ist es bereits der zweite Versuch - und diesmal ist er geglückt. Im Jahr 2000 scheiterte er bei den Vorwahlen nach anfänglichen Erfolgen gegen George W. Bush. Acht Jahre später gilt sein Alter als Haupthindernis auf dem Weg ins Weiße Haus. Als er seine Bewerbung anmeldete, wurden ihm lediglich Außenseiterchancen eingeräumt.

Doch dann profitierte der 71-Jährige davon, dass seine Mitbewerber allesamt noch größere Haken haben: Mitt Romney ist Mormone, Mike Huckabee nicht seriös genug und Rudy Giuliani den Republikanern viel zu liberal. McCain mag der älteste Bewerber sein, doch an seiner Eignung und Integrität gibt es keinen Zweifel.

Dennoch ist an Romneys bösem Vorwurf, McCain sei ein verkappter Liberaler, etwas dran. McCain war für den Irakkrieg, auch die von Bush angeordnete Truppenverstärkung unterstützt er gegen die öffentliche Meinung. Doch er lehnt das System Guantanamo ab: Er würde das Gefangenenlager schließen, kündigte er an. In der Debatte um die amerikanischen Verhörmethoden im Kampf gegen den Terrorismus sprach McCain sich vehement gegen jede Folter aus. McCain kann sich solche Positionen leisten. Er ist Vietnamveteran, ein amerikanischer Kriegsheld. 1967 wurde er als Kampfjet-Pilot in Vietnam abgeschossen und verbrachte mehr als fünf Jahre in nordvietnamesischer Gefangenschaft, wo er selbst gefoltert wurde.

Klimawandel und Waffenbesitz

Unter den republikanischen Kandidaten ist McCain der einzige, der den Klimawandel für eine Tatsache hält und dies auch offen sagt. Auf seiner Wahlkampf-Website taucht das Thema unter der Überschrift "Umwelt" auf. Das Kapitel hat nur fünf Absätze, doch gibt es vergleichbare Einträge bei seinen Mitbewerbern überhaupt nicht; dort ist davon die Rede, die "Energie-Abhängigkeit" der USA zu beenden.

Zugleich ist McCain durchaus ein republikanischer Konservativer. Gleich hinter "Umwelt" kommt auf seiner Website das Kapitel "Second Amendment", also der zweite Zusatz zur US-Verfassung, der das Recht auf Waffenbesitz regelt; ein Recht, das zu verteidigen McCain für eine "heilige Pflicht" hält. Er lehnt Abtreibungen ab und will Richter für den Supreme Court nominieren, die das Abtreibungsurteil von 1973 aufheben würden. Dennoch hat seine Rhetorik bei diesem Thema nicht die hetzerische Schärfe, die die religiöse Rechte gern von einem republikanischen Präsidentschaftsbewerber hören würde. "Im Kern ist Abtreibung eine menschliche Tragödie", sagt McCain.

Von Parteidisziplin hält McCain wenig. Er stimmte gegen Steuersenkungsprogramme von Präsident Bush und steht dessen Konjunkturprogramm skeptisch gegenüber. Er fordert, die Regierung müsse zuvor die Ausgaben senken. In der Einwanderungspolitik lehnt er die Verfolgungspolitik anderer Republikaner ab. Gemeinsam mit dem demokratischen Senator Edward Kennedy hat er eine Gesetzesvorlage ausgearbeitet, die auf Legalisierung setzt.

Quelle: n-tv.de

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