Politik

Moskau gibt Schröder teils recht Kreml ist "durchaus verhandlungsbereit"

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Das freundschaftliche Verhältnis von Gerhard Schröder und Wladimir Putin verursacht bei vielen Menschen einen faden Beigeschmack.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Gerhard Schröder ist überzeugt: Der Krieg in der Ukraine endet am Verhandlungstisch. Das scheitert nach Ansicht des Altkanzlers bisher am widerwilligen Europa. Kremlsprecher Peskow bestätigt die russische Verhandlungsbereitschaft, knüpft diese aber an eine Maximalforderung.

Die russische Regierung hat bestätigt, dass sie, wie von Altkanzler Gerhard Schröder behauptet, an einer Verhandlungslösung mit der Ukraine interessiert ist - allerdings nur zu eigenen Bedingungen. Russland sei "durchaus bereit" zu einer diplomatischen Beilegung des "Problems", antwortete Kremlsprecher Dmitri Peskow auf eine entsprechende Nachfrage in Moskau, wie unter anderem die russische Zeitung "Kommersant" berichtet. Allerdings werde Moskau ein Abkommen nur zu seinen eigenen Bedingungen abschließen, sagte er weiter.

Schröder hatte zuvor nach seinem Besuch in der russischen Hauptstadt und einem Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin im Gespräch mit "Stern" und RTL/ntv erklärt, dass der Krieg in der Ukraine "nicht ohne Gespräche" beendet werden könne. "Die gute Nachricht heißt: Der Kreml will eine Verhandlungslösung", erklärte er weiter. Das Problem verortete der 78-jährige Altkanzler in Europa: Deutschland und die Bundesregierung, aber auch Frankreich, hätten eine besondere Verantwortung. Sein Eindruck aber sei, dass derzeit nicht genug geschehe.

Waffenstillstand nur taktischer Natur?

An Schröders Annahme, dass der russische Präsident Wladimir Putin ernsthaft an einer für beide Seiten akzeptablen Verhandlungslösung interessiert wäre, hegt unter anderem die Bundesregierung erhebliche Zweifel. Offiziell bietet der Kremlchef seit Wochen Friedensverhandlungen zu seinen Bedingungen an. Diese "Diktatfrieden" genannte Einigung lehnen Bundeskanzler Olaf Scholz und auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj allerdings ab. Unter anderem, weil diese Art von Waffenstillstand der ukrainischen Bevölkerung nicht vermittelbar wäre.

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Weiterhin sind Historiker und Russland-Experten überzeugt, dass ein Waffenstillstand für den Kreml lediglich ein taktischer wäre. Russland würde die Zeit nutzen, um sich neu zu sortieren, und seine Truppen zu regenerieren, hatte Militärexperte Carlo Masala von der Bundeswehr-Universität zuletzt im "Stern"-Podcast "Ukraine - Die Lage" erklärt. "Das langfristige Ziel wäre damit nicht aufgegeben. Das heißt, wir müssen damit rechnen, dass 2022 das Präludium für einen neuen Angriff in ein paar Jahren ist. Genau wie 2014 das Präludium für 2022 war."

Zu dieser Darstellung passen Aussagen des früheren russischen Präsidenten und Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew. Er hatte den Angriff auf die Ukraine am Dienstag in einem inzwischen gelöschten Telegram-Beitrag als ersten Schritt der Wiederherstellung der Sowjetunion und des russischen Zarenreichs bezeichnet. Als Ziele für weitere Feldzüge nach der Ukraine nannte er die früheren Sowjet-Staaten Georgien und Kasachstan.

Quelle: ntv.de, chr

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