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Landesgroßvater in Stuttgart Kretschmann verschafft Grünen Allzeithoch

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Tritt bei der nächsten Wahl nochmal an: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

(Foto: picture alliance/dpa)

Baden-Württembergs Grüne schießen durch die Decke, die CDU tritt auf der Stelle und die SPD verschwindet im Tal der Tränen: Die neuen Umfragewerte für den Südwesten zeigen eine völlig veränderte politische Landkarte. Das liegt vor allem am grünen Landesvater Kretschmann.

Rekordwert für die Grünen im Südwesten, dramatische Lage für die CDU, Alarmwerte für die Sozialdemokraten: Nach der Ankündigung von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann, bei der Landtagswahl 2021 wieder antreten zu wollen, hat seine Partei in Baden-Württemberg in der jüngsten Umfrage auf 38 Prozent zugelegt. Die CDU mit Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann landet mit 26 Prozent abgeschlagen auf dem zweiten Platz, wie aus einer Umfrage von Infratest dimap für den SWR und die "Stuttgarter Zeitung" hervorgeht. Rund eineinhalb Jahre vor der Wahl ist die CDU damit meilenweit von ihrem Ziel entfernt, wieder selbst den Regierungschef in ihrem einstigen Stammland zu stellen.

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In der Rolle der Juniorpartnerin: CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann mit dem Ministerpräsidenten Kretschmann.

(Foto: picture alliance/dpa)

Kretschmann regiert seit 2011. Erst mit einem grün-roten Bündnis und seit 2016 mit einer grün-schwarzen Koalition. Er hatte am 12. September erklärt, sich um eine dritte Amtszeit zu bewerben. Wenn Kretschmann wieder antritt, ist er allerdings fast 73 Jahre alt - dazu kämen im Falle des Erfolgs nochmal fünf Jahre Amtszeit. Mit dem Begriff "Landesgroßvater" ging er dabei souverän um: "Die Politik ist empirisch nicht ans Alter gebunden", sagte er laut "Spiegel".

Bei der Landtagswahl 2016 waren die Grünen auf 30,3 Prozent gekommen und erstmals stärkste Kraft bei einer Landtagswahl überhaupt geworden. Die 38 Prozent sind der höchste Wert, den Infratest dimap nach eigenen Angaben bundesweit jemals für die Grünen gemessen hat.

Die SPD würde mit acht Prozent (minus vier Punkte) erstmals in Baden-Württemberg nur noch ein einstelliges Ergebnis erzielen und läge gleichauf mit der FDP, die ebenfalls acht Prozent (minus ein Punkt) erreichen würde. Dies ist für die Sozialdemokraten ein Allzeittief in Baden-Württemberg. Die AfD, derzeit größte Oppositionsfraktion, liegt bei zwölf Prozent. Die Linke wäre mit drei Prozent weiterhin nicht im Landtag vertreten.

Deutschlands beliebtester Ministerpräsident

Kretschmanns Entscheidung für eine erneute Spitzenkandidatur stößt bei 71 Prozent der Befragten auf Zustimmung. 77 Prozent sind zufrieden oder sehr zufrieden mit seiner Arbeit. Eisenmann, die derzeit Kultusministerin ist, kann 23 Prozent der Bürger mit ihrer Arbeit überzeugen. Könnten die Menschen den Regierungschef direkt wählen, würden sich 69 Prozent für Kretschmann entscheiden, aber nur 13 Prozent für seine Herausforderin. Eisenmann hat damit einen noch schlechteren Wert als CDU-Landeschef Thomas Strobl, der im März bei dieser Frage auf 17 Prozent gekommen war. Strobl hatte im Sommer zugunsten von Eisenmann auf die Spitzenkandidatur verzichtet.

Im bundesweiten Vergleich ist Kretschmann laut dieser Umfrage weiterhin der beliebteste Ministerpräsident. Dabei reicht seine Popularität weit über das eigene Lager hinaus: Auch Anhänger von FDP (85 Prozent), CDU (83 Prozent), SPD (70 Prozent) und AfD (56 Prozent) sind mehrheitlich zufrieden mit seiner Arbeit als Regierungschef. Wird die Arbeit der grün-schwarzen Regierung getrennt nach Parteien betrachtet, schneiden die Grünen deutlich besser als die CDU ab. Mit der Ökopartei sind 60 Prozent der Befragten zufrieden - mit der Arbeit des schwarzen Juniorpartners hingegen nur 38 Prozent.

Quelle: n-tv.de, mau/dpa/AFP

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