Politik

Jahrelanger Gegner Lauterbach nun doch für Cannabis-Legalisierung

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Cannabis sollte im kontrollierten Verkauf legal zu haben sein, findet Lauterbach.

(Foto: REUTERS)

Kommt mit der möglichen Ampelkoalition auch eine Legalisierung von Cannabis? FDP und Grüne sind dafür, die SPD will eine regulierte Abgabe in Modellprojekten. Ihr Gesundheitsexperte verweist auf neuartige Gefahren beim illegalen Straßenhandel.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat sich dafür ausgesprochen, in einem möglichen Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP eine Legalisierung von Cannabis festzuschreiben. In einem Interview der "Rheinischen Post" plädierte er dafür, eine kontrollierte Abgabe an Erwachsene zu erlauben.

Als Grund nennt er den Handel von Cannabis, das angeblich zunehmend mit Heroin versetzt sei. "Jahrelang habe ich eine Cannabis-Legalisierung abgelehnt. Mittlerweile komme ich als Arzt aber zu einem anderen Schluss", sagte Lauterbach. "Immer häufiger wird dem illegal verkauften Straßencannabis neuartiges Heroin beigemischt, das sich rauchen lässt. Damit werden Cannabis-Konsumenten schnell in eine Heroin-Abhängigkeit getrieben." Dieses Phänomen sei neu und verändere die Lage.

Unklar bleibt in dem Interview, auf welche Berichte sich Lauterbach stützt. Im Drogenbericht der Bundesregierung oder auf Drugchecking-Seiten spielt das Thema keine Rolle. Gestreckte Cannabisprodukte werden dennoch zunehmend zum Problem: Vor allem Marihuana wird immer häufiger mit synthetischen Cannabinoiden versetzt. Konsumenten gingen damit unkalkulierbare Gesundheitsrisiken ein, warnt unter anderem der Europäische Drogenbericht.

Mit einer Legalisierung von Cannabis ließe sich der Handel mit verunreinigtem Haschisch unterbinden, sagte Lauterbach. "Ich bin deswegen dafür, dass wir in einem möglichen Koalitionsvertrag mit Grünen und FDP einen Passus zur legalen und kontrollierten Abgabe von Cannabis an Erwachsene formulieren."

Julis für vollständige Legalisierung

Der FDP-Nachwuchs plädiert derweil für eine noch weitergehende Reform. "Statt den kleinsten gemeinsamen Nenner braucht es nun große Reformen, die weit über die Legalisierung von Cannabis hinausgehen", sagte der Chef der Jungen Liberalen, Jens Teutrine, der "Rheinischen Post". "Die Prohibition, Kriminalisierung und Stigmatisierung von Cannabis ist gescheitert." Nur eine vollständige Legalisierung würde notwendige Qualitätsstandards und Jugendschutz sicherstellen.

FDP und Grüne sind für eine Legalisierung von Cannabis und einen "Verkauf in lizenzierten Fachgeschäften". Die SPD hingegen befürwortet eine "regulierte Abgabe" an Erwachsene zunächst in Modellprojekten, die von Präventions- und Beratungsangeboten begleitet werden.

Vertreter von Polizeigewerkschaften warnen vor einer Legalisierung. Sie argumentieren unter anderem, bei Cannabis handele es sich um eine oft verharmloste Droge, die gerade bei Jugendlichen zu erheblichen Gesundheitsproblemen und sozialen Konflikten führen könne.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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