Politik
Jean-Marie Le Pen will seinen Vornamen nicht in "Charlie" zu ändern.
Jean-Marie Le Pen will seinen Vornamen nicht in "Charlie" zu ändern.(Foto: dpa)
Samstag, 10. Januar 2015

Keine Einladung zum Trauermarsch: Le Pen ist nicht "Charlie"

Jean-Marie Le Pen bedauert den Tod seiner ermordeten Mitbürger, der Karikaturisten von "Charlie Hebdo". Für den Gründer der rechtsextremen französischen Partei Front National ist das aber kein Grund, sich mit dem linken Satire-Magazin zu solidarisieren.

Der Gründer der rechtsextremen französischen Partei Front National (FN), Jean-Marie Le Pen, hat die Solidarität mit dem linken Satire-Magazin "Charlie Hebdo" verweigert. Alle sagten derzeit, "Wir sind Charlie" oder "Ich bin Charlie", aber dem könne er sich nicht anschließen, sagte Le Pen in seinem im Internet veröffentlichten Videotagebuch. "Es tut mir leid, ich bin nicht Charlie."

Er bedauere den Tod von "zwölf französischen Mitbürgern", doch teile er nicht deren politische Überzeugung, sagte Le Pen. "Ich fühle mich keineswegs dem Geist von Charlie verbunden. Ich werde nicht kämpfen, um den Geist von Charlie zu verteidigen, der ein anarchisch-trotzkistischer Geist ist, der die politische Moral zersetzt." Die Rechtsextremen gehören zu den beliebten Zielen der "Charlie-Hebdo"-Karikaturen. "Der Angriff auf das Magazin ist ein Beweis für die zunehmende Unsicherheit im Land", meint Le Pen. Die Regierenden der letzten Jahrzehnte trügen die Verantwortung, da der Terror "offensichtlich" mit der Masseneinwanderung verbunden sei.

Affront oder Würdigung?

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Le Pen kritisierte dennoch, dass seine Partei nicht zur geplanten Großkundgebung am Sonntag in Paris eingeladen sei. Letztlich sei dies aber eine "Würdigung" seiner Partei, die von den Bürgern auch als solche gewertet werde, sagte der FN-Gründer.

Die rechtsextreme Partei war demonstrativ nicht zu der Demonstration eingeladen worden, mit der der Opfer des islamistischen Anschlags auf "Charlie Hebdo" und der Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt gedacht werden soll. Le Pen selbst hatte die Öffentlichkeit mit einem Tweet verärgert, in dem er das Konterfei seiner Tochter und Nachfolgerin an der Parteispitze, Marine Le Pen, mit dem veränderten Churchhill-Zitat "Keep Calm and Vote Le Pen" versah.

An dem "republikanischen Marsch" in Paris wollen am Sonntag praktisch alle französischen Parteien, Gewerkschaften und zahlreiche ausländische Politiker teilnehmen. Erwartet werden neben Bundeskanzlerin Angela Merkel der britische Premierminister David Cameron, Italiens Regierungschef Matteo Renzi, der türkische Ministerpräsident  Ahmet Davutoglu sowie Vertreter der Arabischen Liga.

Spontane Trauermärsche

Bereits am Samstag wurde in Frankreich landesweit der Opfer der Terrorattacken gedacht. Mehr als 300.000 Menschen gingen in Toulouse, Nizza, Pau, Orléans und anderen Städten auf die Straße, um den Angehörigen und Freunden der Getöteten ihre Solidarität zu bekunden. Allein in Toulouse waren es nach offiziellen Angaben 80.000 Teilnehmer, 75.000 in Nantes. 30.000 Menschen versammelten sich in Nizza, eine ähnliche Zahl in der südwestlich gelegenen Stadt Pau. Kundgebungen mit mehr als 10.000 Teilnehmern gab es in zahlreichen weiteren Städten im ganzen Land. "Zeigt mit diesem Schweigemarsch, dass wir ein Volk sind, das niemals schweigen wird", war in Nizza auf einem Plakat zu lesen.

In Deutschland plant der Zentralrat der Muslime in Deutschland für Dienstag am Brandenburger Tor eine Mahnwache für Weltoffenheit und Toleranz in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bereits eine Teilnahme der CDU zugesagt. Auch die SPD werde sich beteiligen, teilte die Partei mit. Geplant sind Reden sowie eine Kondolenzgeste an die Französische Botschaft in Berlin.

Auch die großen Parteien Deutschlands wollen eine eigene Gedenkveranstaltung organisieren. Medienberichten zufolge gibt es den Wunsch, dass Bundespräsident Joachim Gauck auftritt. Das Format der Veranstaltung werde noch verhandelt, hieß es.

Frankreich bleibt alarmiert

Die oberste Alarmstufe, die in Paris nach dem ersten Anschlag ausgerufen wurde, bleibt derweil weiter bestehen. Schwer bewaffnete Einheiten sind damit Teil des Stadtbilds. Zutritt zu sonst freien Einrichtungen ist ohne Kontrolle nicht mehr möglich. Militärs verstärken die Polizei, am Wochenende kommen weitere Uniformierte hinzu.

Mit Hochdruck fahndet die französische Polizei nach der Komplizin der drei islamistischen Attentäter, die von Mittwoch bis Freitag mehrere tödliche Anschläge in Paris und Umgebung verübten. Die 26-jährige Hayat Boumeddiene sei "bewaffnet und gefährlich", erklärte die Polizei. Sie soll mit ihrem Partner Amedy Coulibaly am Donnerstag eine Polizistin getötet und am Freitag Mittäterin bei der Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt gewesen sein, bei der vier Menschen getötet wurden. Polizeierkenntnissen zufolge bildeten sie mit den Attentätern auf die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo", den Brüdern Cherif und Said Kouachi, eine Islamistenzelle.

Quelle: n-tv.de