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Provokationen in Brüssel Le Pen vergleicht Brexit mit Mauerfall

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Marine Le Pen ist seit 2004 Mitglied des Europäischen Parlaments - und kämpft für das Ende Europas.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nach dem Votum der Briten für den Austritt aus der Europäischen Union wittern die rechten Parteien im EU-Parlament Morgenluft: Der Brexit sei der Anfang vom Ende eines vereinten Europas - und ein Ereignis historischen Ausmaßes. Wie der Fall der Mauer.

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Die Chefin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, hat den Brexit in ihrer Rede vor dem Europaparlament in Brüssel mit dem Ende der deutschen Teilung verglichen. Das Votum für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union sei "das wichtigste Ereignis seit dem Fall der Berliner Mauer", sagte die Parlamentarierin. Die Briten hätten eine Route eingeschlagen, "von der wir dachten, sie sei für alle Zeit verschlossen". Den EU-Abgeordneten riet sie, ihre "schmollenden Mienen" abzulegen und sich stattdessen über die Emanzipation der Menschen im Vereinigten Königreich zu freuen.

"Ich kann sie schon jetzt hören, die Mythen und Lügen, die andere davon abhalten sollen, den gleichen Pfad einzuschlagen", so Le Pen unter Verweis auf mögliche Austrittsbewegungen in anderen EU-Staaten. Auch Nigel Farage, UKIP-Chef und Unterstützer der Brexit-Kampagne, prognostizierte, dass sich weitere Länder von der EU abwenden könnten. "Großbritannien wird nicht der letzte Staat sein, der die EU verlässt", sagte er in seiner Rede.  

Den Abgeordneten des Parlaments warf Farage Augenwischerei vor. "Sie wollen nicht wahrhaben, dass Ihre Währung gescheitert ist", sagte er. "Und sie wollen nicht wahrhaben, dass die EU als politisches Projekt gescheitert ist." Mehrfach reagierten die Abgeordneten mit Buhrufen auf die Provokationen des rechtskonservativen Parlamentariers. Für das Vorhaben, sein Land aus der EU herauszuführen, sei er vor 17 Jahren ausgelacht worden, so Farage. "Jetzt lachen Sie nicht mehr."

Rechtsnationale frohlocken

Mehrfach suchte der 52-jährige Vorsitzender der UK Independence Party in seiner Rede die direkte Konfrontation mit den Abgeordneten - so behauptete der ehemalige Rohstoffhändler, niemand der Anwesenden sei "einer vernünftigen Tätigkeit in seinem Leben nachgegangen". Zu lange hätten sie ignoriert, dass viele Menschen - nicht nur in Großbritannien - die EU-Institutionen ablehnen würden.

Der Ausgang des britischen Referendums sei ein Zeichen "seismischen Ausmaßes" für ganz Europa, denn es zeige, dass die "kleinen Leute", die jahrelang unterdrückt worden seien, die Idee der Multinationalität ablehnten. "Sie haben gesagt: 'Wir wollen unser Land zurück'." Mit Blick auf das Tempo des Brexits betonte Farage, man dürfe nicht zu viel Zeit verstreichen lassen.

Quelle: n-tv.de, jug

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