Politik

Massaker auf dem Tian'anmen-Platz Liao will Tragödie aufarbeiten

26399068.jpg

Liao Yiwu lebt mittlerweile in Berlin.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Massaker auf dem Tian'anmen-Platz in Peking lässt 1989 die chinesische Demokratiebewegung verstummen. Der mittlerweile in Deutschland lebende Dissident Liao will nun in einem Buch an die Tragödie erinnern - und kann dabei auf Zeitzeugenberichte zurückgreifen.

Der im Juli nach Deutschland geflüchtete chinesische Dissident Liao Yiwu will in seinem neuen Buch das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking literarisch aufarbeiten. Geplant sei eine Veröffentlichung mit Berichten von Zeugen und Opfern, kündigte der 53 Jahre alte Schriftsteller beim Erlanger Poetenfest an. In seinem Fluchtgepäck habe er die dokumentierten Aussagen von 20 Landsleuten mit nach Deutschland gebracht, die 1989 die blutige Niederschlagung der chinesischen Demokratiebewegung miterlebt hatten.

Der chinesischen Regierung warf er vor, jede Erinnerung an das Massaker systematisch zu unterdrücken. "Die Leute werden gezwungen, zu vergessen", so der Schriftsteller vor rund 400 Zuhörern. "Die Regierung sagt den Menschen: Vergesst Eure Ideale und liebt lieber das Geld." Viele seiner Landsleute seien zwar verbittert über die Repressionen der chinesischen Regierung, nach dem Schock des Peking-Massakers jedoch so eingeschüchtert, dass sie keinen Mut zum Widerstand hätten.

Der Schriftsteller, der mehrere Jahre in China im Gefängnis saß, war im Juli über Vietnam nach Deutschland gelangt. In seinem jüngsten Buch "Für ein Lied und hundert Lieder" schildert er die unmenschlichen Haftbedingungen in chinesischen Gefängnissen und verarbeitet seine eigene Zeit hinter Gittern.

Weil sein Manuskript zweimal von der Polizei beschlagnahmt wurde, schrieb er das Buch dreimal. Als er den chinesischen Behörden schriftlich bestätigen sollte, dass er dieses Buch nicht im Ausland veröffentlichen werde, entschied er sich diesen Sommer zur Flucht. Inzwischen lebt er in Berlin.

Quelle: n-tv.de, dpa

Mehr zum Thema